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Frauenbios

Deutscher Verein für Frauenstimmrecht

Paulstraße 25 (heute hier: Europapassage)
Dieser, 1902 von Lida Gustava Heymann, deren Lebensgefährtin Dr. Anita Augsprug und Minna Cauer geb. Schelle verw. Latzel (5.11.1841–1922) gegründete und 1904 in Deutscher Verband für Frauenstimmrecht umbenannte Verein, forderte die staatsbürgerliche Gleichstellung der Frau. Als um 1907 im „Verband“ die Debatte um den Beitritt von Frauen in Parteien (möglich ab 1908) begann, musste nun die Forderung nach dem Frauenwahlrecht konkreter gefasst werden. Der Verband klagte das allgemeine und gleiche Stimmrecht für Frauen und Männer ein. Daraufhin kam es zur Spaltung, denn nationalliberale Frauen konnten diese, auch von der SPD gestellte Forderung, nicht mittragen, da es sich gegen das damals geltende Dreiklassenwahlrecht aussprach. Es entstanden neue Frauenstimmrechtsvereine, „die nicht das demokratische Wahlrecht für beide Geschlechter, sondern die Zulassung der Frauen zu den bereits gültigen Männer-Wahlrechten der einzelnen Länder forderten (…). Diese neuen Vereine schlossen sich 1912 zu der Deutschen Vereinigung für Frauenstimmrecht [im folgenden Vereinigung genannt] zusammen. (…) Die Frauen der Vereinigung waren der Ansicht, daß das Frauenstimmrecht eher durchzusetzen sei, wenn diese Forderung auf der Grundlage bestehender Wahlrechte erhoben werden würde, während der Verband auch die Veränderung der politischen Verhältnisse anstrebte. (…)
Die Ausdifferenzierung innerhalb der Frauenstimmrechtsbewegung war damit aber noch nicht ans Ende gelangt. Die Vereinigung etablierte sich nämlich nicht vorrangig aus ausgetretenen Verbands-Vereinen, sondern aus gemäßigten Frauenvereinen, die bisher keine aktiven Tätigkeiten für das Frauenwahlrecht entfaltet hatten wie beispielsweise in Hamburg die Ortsgruppe Hamburg des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins (ADF). Innerhalb des Verbandes jedoch blieb die Festlegung auf das demokratische Wahlrecht weiterhin umstritten. 1913 zeigte eine Delegiertenversammlung deutlich die nicht mehr zu vereinbarenden Positionen innerhalb des Verbandes, als weder die Bestätigung des entsprechenden Satzungsparagraphen noch ein Änderungsvorschlag mehrheitsfähig waren.“ [1] Daraufhin traten Lida Gustava Heymann, Dr. Anita Augspurg und Minna Cauer aus dem Verband aus und gründeten den Deutschen Frauenstimmrechtsbund. „Der Bund legte als Zweck in seinen Satzungen fest: ‚Der Deutsche Frauenstimmrechtsbund verfolgt den Zweck, gleichgesinnte Vereinigungen zu einheitlichem Zusammenwirken zur Erleichterung des gemeinsamen Zieles zusammenzuschließen und bei besonderen Gelegenheiten ein geschlossenes Vorgehen zu veranlassen. Mitglied des Bundes kann jede deutsche Landes- oder Ortsvereinigung werden, deren Aufgabe darin besteht, für die Frauen das allgemeine, gleiche, geheime und direkte aktive, sowie das passive Wahlrecht zu den gesetzgebenden Körperschaften und den Organen der Selbstverwaltung zu erlangen.‘ (…)
1914 schlossen sich die Verbände zu einem Kartell zusammen, in dessen Grundsätzen allerdings keine Aussage über die Form des Wahlrechts getroffen wurde. Einziges Ziel dieses Kartells war, die Tätigkeiten bürgerlicher Frauen für das Frauenstimmrecht zusammenzufassen. 1916 fusionierten dann der Verband und die Vereinigung zum Reichsverband für Frauenstimmrecht, während der Bund weiterhin unabhängig blieb und zunehmend ins Abseits gedrängt wurde. Erst Ende 1917 und während des Jahres 1918, als auch der gesellschaftliche Druck in Bezug auf politische Veränderungen wuchs, kam es wieder zu einzelnen gemeinsamen Aktionen aller Frauenvereine, diesmal auch unter Beteiligung der sozialdemokratischen Frauen.“ [2]
Es musste erst die Novemberrevolution 1918 kommen, damit das Stimmrecht für Frauen eingeführt wurde. Im November 1918 erklärte der Rat der Volksbeauftragten das demokratische Wahlrecht für Frau und Mann.
Quelle:
1 Kirsten Heinsohn: Politik und Geschlecht. Zur politischen Kultur bürgerlicher Frauenvereine in Hamburg. Hamburg 1997, S. 293f.
2 Kirsten Heinsohn, a. a. O., S. 295f.
 

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Datenbank Hamburger Frauenbiografien

Frauen, die in Hamburg Spuren hinterlassen haben
(Datenbank Stand: September 2019) Frauen stellen mindestens die Hälfte der Menschheit. Wenn es aber um Erinnerungen geht, sind es immer noch in der Mehrzahl Männer, die die Spitzenplätze einnehmen.

Hammonia

Hamburger Frauenbiografien-Datenbank

Erklärung zur Datenbank

Stand September 2019: 1123 Kurzprofile von Frauen und 389 sonstige Einträge z. B. Vereine, Aktionen, Zusammenschlüsse und Überblicksdarstellungen zu Themen der Frauenbewegungen.

Zuletzt eingetragene Namen
Januar 2019 Erika Woisin, Christine Färber, Aracy Moebius de Carvalho, Charlotte Tauterat, Caroline Umlauff, Elvira Unglaube, Schwestern-Verein der Hamburgischen Staatskrankenanstalten, Clara Goldschmidt, Elsa Hopf, Dora Wenneker-Iven
Februar 2019 Demoiselle Conradi, Christine Reinhard, Erna Martens
März 2019 Klara Laser, Frieda Cordes, Johanne Günther, Eliza Wille
April 2019 Liselotte Strelow, Ruth Held
Mai 2019 Sozialverband VdK, Mädchentreff Schanzenviertel, Deutscher Frauenbund für alkoholfreie Kultur, Vera Jürs, Johanna Renate Wöhlke
Juni 2019 pro familia, Celly de Rheidt
Juli 2019 Rosa Bartl
September 2019 Mabel Wulff

Die Zahlen allein für Hamburg sind ernüchternd: ca. 2526 Straßennamen sind nach Männern benannt, gegenüber 420, die nach Frauen benannt wurden. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Anzahl der Denkmäler und Erinnerungstafeln. Auch bei Ehrungen und Auszeichnungen wird oft an IHN und nur wenig an SIE gedacht.

Trotz aller Leistungen von Frauen scheint die Erinnerung an sie schneller zu verblassen, sind die Archive und Netze der Erinnerung besonders löchrig - erweist sich die Wertschätzung weiblichen Wirkens als gering. Wie oft heißt es, wenn auch Frauen geehrt werden könnten:

„Uns ist dazu keine Frau von Bedeutung bekannt!“

Ein Argument, das in Zukunft keine Chancen hat, denn es gibt jetzt diese Datenbank. Eine Bank, die ihren Anlegerinnen und Anlegern hohe Renditen verspricht, denn das Kapital ist das historische Wissen. Geschöpft aus Archivmaterialien, Lexika, Zeitungsartikeln und –notizen, aus veröffentlichten Biografien, zusammengetragen und erforscht von Einzelpersonen etc., bietet die Datenbank die beste Voraussetzung für eine hohe gesellschaftliche Wirksamkeit - im Hinblick auf Geschlechtergerechtigkeit. Die Früchte dieser Datenbank sollen die Bedeutung von Frauen für Hamburgs Geschichte leicht zugänglich machen und selbstverständlich in den Alltag von heute tragen.

Was erwartet Sie?

Im Mittelpunkt stehen verstorbene Frauen, die in Hamburg gewirkt und/oder gewohnt und die Spuren hinterlassen haben. Das können Autorinnen, Schauspielerinnen, Wohltäterinnen, Kneipenwirtinnen, Politikerinnen, Wissenschaftlerinnen, bildende Künstlerinnen, Sängerinnen, Unternehmerinnen, Ärztinnen, Sozialarbeiterinnen, Juristinnen, Journalistinnen, Widerstandkämpferinnen gegen und Opfer des NS-Regime etc. sein – aber auch Täterinnen.

Wir stellen keineswegs nur „prominente“ Frauen oder hehre Vorbilder vor – sondern auch das Wirken und Leben der „kleinen Frau“ auf der Straße, die oft im Stillen gearbeitet hat, für die Familie, die Stadt, die Partei, die Kunst, für sich.

Darüber hinaus präsentieren wir Ihnen auch Orte, Einrichtungen, Vereine und Themen, die für Frauen von historischer Bedeutung waren und sind.

An dieser Datenbank wird kontinuierlich gearbeitet. Es werden laufend neue Namen und Rechercheergebnisse eingestellt.

Wie nutzen Sie die Datenbank?

  • Sie kennen den Namen einer Frau – und möchten mehr wissen?
    Dann geben Sie den Namen ein. Sie finden: Wohn- bzw. Wirkungsstätte und mehr oder weniger ausführlich biografische Daten, ggf. mit Hinweisen auf weitere Veröffentlichungen, Webseiten.
  • Sie möchten wissen, wer in einer bestimmten Straße oder einem bestimmten Stadtteil/Bezirk gewohnt hat? Dann geben Sie den Straßennamen ein oder wählen einen Stadtteil oder Bezirk aus.
  • Sie interessieren sich für bestimmte Themen, Berufsgruppen, Orte/Gebäude, Vereine oder Institutionen, die im Zusammenhang mit Frauen eine Rolle spielen? Dann nutzen Sie das Schlagwortregister, die freie Suche oder das Namens-/Sachregister.

Die einzelnen Frauen sind in der Regel mit einer Adresse verzeichnet – für ihre Wohnung bzw. ihren Wirkungsort. Mehrere Umzüge und Ortswechsel können in der Regel nicht recherchiert werden.

Achtung: Die Namen und Verläufe von Straßen haben sich oft verändert. Wer wissen möchte, wo bestimmte Hausnummern heute zu finden sind, muss alte Stadtpläne oder u. U. Grundbucheintragungen einsehen. Es gibt beim Statistikamt Nord einen alte Kartei der so genannten "Hausnummerhistorien", in der sich alte und neue Hausnummern gegenüberstehen. Bei Umnummerierungen von Hausnummern aber auch bei Umbenennungen von Straßennamen kann hier eine raschere Auskunft möglich sein, als über den Vergleich von alten und neuen Lageplänen (freundliche Auskunft von Jörg-Olaf Thießen Staatsarchiv Hamburg). Wer dann noch nicht weiter kommt, sollte sich an das Staatsarchiv wenden. Viele Stadtpläne sind bereits online einsehbar.

Ihre Mitarbeit ist gern gesehen

Haben Sie Anregungen, Neuigkeiten, Ergänzungen?
Sind Ihnen neue Namen begegnet, hüten Sie alte Briefe, Akten etc., dann nehmen Sie gerne Kontakt auf:
Dr. Rita Bake,
Rita.Bake@hamburg.de

Verantwortlich für die Datenbank:

Dr. Rita Bake
stellvertretende Direktorin der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg a. D.
Gründerin des Gartens der Frauen auf dem Ohlsdorfer Friedhof

Die Datenbank wurde von ihr zusammengestellt und wird laufend von ihr ergänzt und erweitert.
Ein Teil der Frauenbiografien sind mit freundlicher Genehmigung von verschiedenen Autorinnen und Autoren verfasst worden. Die Namen der Autorinnen und Autoren finden Sie jeweils am Ende ihrer Beiträge. Es gibt auch eine Rubrik: Autorinnen und Autoren, in der Sie deren biografische Angaben finden.

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