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Frauenbios

Frauen-Verein zur Unterstützung der Armenpflege

Fuhlentwiete 42 (ehemals)
Gründerin: Charlotte Paulsen, Anfänge der bürgerlichen Frauenbewegung
Wo sich heute das Bezirksamt Hamburg-Mitte an der Fuhlentwiete befindet, stand im 19. Jahrhundert das Haus Fuhlentwiete 42, in dessen erstem Stock der 1849 von Charlotte Paulsen gegründete Frauen-Verein zur Unterstützung der Armenpflege seine Vereinsräume gemietet hatte. Vereinszweck war die „Förderung des materiellen und moralischen Wohls der der Fürsorge des Vereins überwiesenen Armen ohne Unterschied der Konfession. Der Verein sucht bei den Armen Lust zur Tätigkeit zu erwecken, indem er ihnen möglichst Gelegenheit gibt, diese nutzbringend anzuwenden. Insbesondere nimmt der Verein sich der hilfsbedürftigen Kinder an und sucht den kleineren ein Unterkommen in einer Warteschule zu verschaffen. Altersschwache Personen und unheilbare Kranke kann der Verein seiner unzureichenden Mittel halber nicht berücksichtigen. Die armenpflegerische Tätigkeit beschränkt sich auf die innere Stadt und den Hammerbrook. Die Bezirksvorsteherinnen besuchen und überwachen die ihrer Obhut überwiesenen Armen. Der Verein ist bestrebt, in regem Verkehr mit den Organen der Armenverwaltung zu bleiben. Witwen mit schulpflichtigen Kindern oder Familien, in denen der Ernährer oder ein anderes Mitglied vorübergehend erkrankt sind, werden vorzugsweise unterstützt, weniger solche Familien, wo die Not durch Arbeitslosigkeit der gesunden Ehemänner entstanden ist. Der Verein beschäftigt das ganze Jahr hindurch Frauen mit Näh,- Strick- und Stickarbeiten. Die im Laufe des Jahres angesammelten Vorräte an Wäsche, Strümpfen, Kleidungsstücken werden alljährlich im großen Logensaal, Welckerstr. 8 zum Verkauf gebracht“, hieß es 1903 im „Führer durch das kirchliche Hamburg“.
Der „Verein legte Wert auf den Ausgleich konfessioneller Gegensätze. Hier fand Emilie Wüstenfeld ein neues Betätigungsfeld, das ihren Ansprüchen an Geistes- und Gewissensfreiheit genügte. Die Frauen des ‚Paulsen-Vereins‘, verstanden zudem ihre Tätigkeiten in der Armenpflege nicht nur als eine gesellschaftlich notwendige Aufgabe der Bessergestellten, sondern auch als ein demokratisches, weibliches Engagement von Frauen für Frauen. Diesem gesellschaftspolitischen Ansatz entsprechend wollte der Verein die Erwerbsmöglichkeiten von armen Frauen nicht nur durch Arbeitsnachweise verbessern. Zum einen richtete der Verein eigene Warteschulen ein, also Kinderbewahranstalten, damit die Kinder berufstätiger Mütter gut versorgt waren. Im Unterschied zu den schon vorhandenen Einrichtungen legte der Verein aber großen Wert auf eine Erziehung und Förderung der Kinder. Zum anderen eröffnete der Verein eine eigene Armenschule, in der Mädchen eine Schulbildung erhalten konnten.“ (Rita Bake, Kirsten Heinsohn: „Man meint aber unter Menschenrechten nichts anderes als Männerrechte“. Zur Geschichte der Hamburger Frauenbewegung und Frauenpolitik vom 19. Jahrhundert bis zur Neuen Hamburger Frauenbewegung Ende der 1960er Jahre. Hamburg 2012, S.36.)
Text: Rita Bake
 

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Datenbank Hamburger Frauenbiografien

Frauen, die in Hamburg Spuren hinterlassen haben
(Datenbank Stand: Oktober 2019) Frauen stellen mindestens die Hälfte der Menschheit. Wenn es aber um Erinnerungen geht, sind es immer noch in der Mehrzahl Männer, die die Spitzenplätze einnehmen.

Hammonia

Hamburger Frauenbiografien-Datenbank

Erklärung zur Datenbank

Stand Oktober 2019: 1123 Kurzprofile von Frauen und 389 sonstige Einträge z. B. Vereine, Aktionen, Zusammenschlüsse und Überblicksdarstellungen zu Themen der Frauenbewegungen.

Zuletzt eingetragene Namen
Januar 2019 Erika Woisin, Christine Färber, Aracy Moebius de Carvalho, Charlotte Tauterat, Caroline Umlauff, Elvira Unglaube, Schwestern-Verein der Hamburgischen Staatskrankenanstalten, Clara Goldschmidt, Elsa Hopf, Dora Wenneker-Iven
Februar 2019 Demoiselle Conradi, Christine Reinhard, Erna Martens
März 2019 Klara Laser, Frieda Cordes, Johanne Günther, Eliza Wille
April 2019 Liselotte Strelow, Ruth Held
Mai 2019 Sozialverband VdK, Mädchentreff Schanzenviertel, Deutscher Frauenbund für alkoholfreie Kultur, Vera Jürs, Johanna Renate Wöhlke
Juni 2019 pro familia, Celly de Rheidt
Juli 2019 Rosa Bartl
September 2019 Mabel Wulff
Oktober 2019 Annelinde Töpel

Die Zahlen allein für Hamburg sind ernüchternd: ca. 2526 Straßennamen sind nach Männern benannt, gegenüber 420, die nach Frauen benannt wurden. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Anzahl der Denkmäler und Erinnerungstafeln. Auch bei Ehrungen und Auszeichnungen wird oft an IHN und nur wenig an SIE gedacht.

Trotz aller Leistungen von Frauen scheint die Erinnerung an sie schneller zu verblassen, sind die Archive und Netze der Erinnerung besonders löchrig - erweist sich die Wertschätzung weiblichen Wirkens als gering. Wie oft heißt es, wenn auch Frauen geehrt werden könnten:

„Uns ist dazu keine Frau von Bedeutung bekannt!“

Ein Argument, das in Zukunft keine Chancen hat, denn es gibt jetzt diese Datenbank. Eine Bank, die ihren Anlegerinnen und Anlegern hohe Renditen verspricht, denn das Kapital ist das historische Wissen. Geschöpft aus Archivmaterialien, Lexika, Zeitungsartikeln und –notizen, aus veröffentlichten Biografien, zusammengetragen und erforscht von Einzelpersonen etc., bietet die Datenbank die beste Voraussetzung für eine hohe gesellschaftliche Wirksamkeit - im Hinblick auf Geschlechtergerechtigkeit. Die Früchte dieser Datenbank sollen die Bedeutung von Frauen für Hamburgs Geschichte leicht zugänglich machen und selbstverständlich in den Alltag von heute tragen.

Was erwartet Sie?

Im Mittelpunkt stehen verstorbene Frauen, die in Hamburg gewirkt und/oder gewohnt und die Spuren hinterlassen haben. Das können Autorinnen, Schauspielerinnen, Wohltäterinnen, Kneipenwirtinnen, Politikerinnen, Wissenschaftlerinnen, bildende Künstlerinnen, Sängerinnen, Unternehmerinnen, Ärztinnen, Sozialarbeiterinnen, Juristinnen, Journalistinnen, Widerstandkämpferinnen gegen und Opfer des NS-Regime etc. sein – aber auch Täterinnen.

Wir stellen keineswegs nur „prominente“ Frauen oder hehre Vorbilder vor – sondern auch das Wirken und Leben der „kleinen Frau“ auf der Straße, die oft im Stillen gearbeitet hat, für die Familie, die Stadt, die Partei, die Kunst, für sich.

Darüber hinaus präsentieren wir Ihnen auch Orte, Einrichtungen, Vereine und Themen, die für Frauen von historischer Bedeutung waren und sind.

An dieser Datenbank wird kontinuierlich gearbeitet. Es werden laufend neue Namen und Rechercheergebnisse eingestellt.

Wie nutzen Sie die Datenbank?

  • Sie kennen den Namen einer Frau – und möchten mehr wissen?
    Dann geben Sie den Namen ein. Sie finden: Wohn- bzw. Wirkungsstätte und mehr oder weniger ausführlich biografische Daten, ggf. mit Hinweisen auf weitere Veröffentlichungen, Webseiten.
  • Sie möchten wissen, wer in einer bestimmten Straße oder einem bestimmten Stadtteil/Bezirk gewohnt hat? Dann geben Sie den Straßennamen ein oder wählen einen Stadtteil oder Bezirk aus.
  • Sie interessieren sich für bestimmte Themen, Berufsgruppen, Orte/Gebäude, Vereine oder Institutionen, die im Zusammenhang mit Frauen eine Rolle spielen? Dann nutzen Sie das Schlagwortregister, die freie Suche oder das Namens-/Sachregister.

Die einzelnen Frauen sind in der Regel mit einer Adresse verzeichnet – für ihre Wohnung bzw. ihren Wirkungsort. Mehrere Umzüge und Ortswechsel können in der Regel nicht recherchiert werden.

Achtung: Die Namen und Verläufe von Straßen haben sich oft verändert. Wer wissen möchte, wo bestimmte Hausnummern heute zu finden sind, muss alte Stadtpläne oder u. U. Grundbucheintragungen einsehen. Es gibt beim Statistikamt Nord einen alte Kartei der so genannten "Hausnummerhistorien", in der sich alte und neue Hausnummern gegenüberstehen. Bei Umnummerierungen von Hausnummern aber auch bei Umbenennungen von Straßennamen kann hier eine raschere Auskunft möglich sein, als über den Vergleich von alten und neuen Lageplänen (freundliche Auskunft von Jörg-Olaf Thießen Staatsarchiv Hamburg). Wer dann noch nicht weiter kommt, sollte sich an das Staatsarchiv wenden. Viele Stadtpläne sind bereits online einsehbar.

Ihre Mitarbeit ist gern gesehen

Haben Sie Anregungen, Neuigkeiten, Ergänzungen?
Sind Ihnen neue Namen begegnet, hüten Sie alte Briefe, Akten etc., dann nehmen Sie gerne Kontakt auf:
Dr. Rita Bake,
Rita.Bake@hamburg.de

Verantwortlich für die Datenbank:

Dr. Rita Bake
stellvertretende Direktorin der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg a. D.
Gründerin des Gartens der Frauen auf dem Ohlsdorfer Friedhof

Die Datenbank wurde von ihr zusammengestellt und wird laufend von ihr ergänzt und erweitert.
Ein Teil der Frauenbiografien sind mit freundlicher Genehmigung von verschiedenen Autorinnen und Autoren verfasst worden. Die Namen der Autorinnen und Autoren finden Sie jeweils am Ende ihrer Beiträge. Es gibt auch eine Rubrik: Autorinnen und Autoren, in der Sie deren biografische Angaben finden.

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Dr. Rita Bake
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