Behörde für Schule und Berufsbildung

Frauenbios

Hamburgische Staatsoper

Geschlechterrollen auf der Opernbühne
„Oper ist Drama und Leidenschaft, ausgedrückt durch Gesang, Musik und Szene“, sagte Simone Young. „Sie berührt Herz und Verstand mit einer Unmittelbarkeit, die es heute nicht mehr oft zu erleben gibt.’“
Besser als Simone Young kann man nicht ausdrücken, was die Oper bewirken kann. Die Oper ist also nicht nur ein musikalisches Kraftwerk, sie berührt, wie Simone Young sagt, auch den Verstand – und damit werden Opernaufführungen für die politische Bildung interessant, denn die Opernlibretti behandeln oft Themen der Zeitgeschichte, beschäftigen sich mit Krieg und Frieden, mit Armut und Reichtum und mit Geschlechterrollen. „Oh wie so trügerisch“: Ideale Geschlechterrollen auf der Opernbühne und die gesellschaftliche Realität“ hieß deshalb auch eine 1998 von der „Landeszentrale für politische Bildung“ in der „Hamburgischen Staatsoper“ durchgeführte Veranstaltung.
Im vollbesetzten Foyer des 4. Ranges der „Hamburgischen Staatsoper“ präsentierten die Historikerinnen Birgit Kiupel und Rita Bake mit den Sängerinnen Maria Freudenthal-Kleina und Karin Kunde sowie der Musikerin Marie-Luise Bolte verschiedene stadtbekannte Opern, leuchteten deren sozial-geschichtlichen Hintergründe aus und verglichen die in diesen phantastischen Opernwelten gelebten Geschlechterrollen mit den gesellschaftlichen Realitäten.
Opernwerke sind Dokumente, die die Atmosphäre der Zeit, den Seelenzustand der Völker und die Ereignisse der Tagespolitik sehr genau widerspiegeln. Sie sind ein klingendes zeitgeschichtliches Dokument.
Mit Musik, einem Medium, das alle menschlichen Sinne erreicht, werden Botschaften oft einprägsamer und nachhaltiger aufgenommen, als es oft irgendein wissenschaftlicher oder politischer Text vermag. Und so ist die Oper seit Jahrhunderten eine nicht zu unterschätzende Übermittlerin von Geschlechterrollenmustern. Die Musik erzählt von Gewaltverhältnissen, von sozialen Konflikten und von oftmals tödlichen Kämpfen zwischen Mann und Frau. Was sich auf der Bühne beim Spiel zwischen den Geschlechtern abspielt, beinhaltet klare Botschaften in puncto Übermittlung gesellschaftlich sanktionierter Geschlechterrollenmuster.
Früher war die Oper zwar als Bildungsträgerin weitaus wichtiger als heute. Aber nach wie vor geht das Bildungsbürgertum in die Oper. Wirken nicht auch auf diese die Botschaften, eingebettet und damit gut verdaulich in ergreifender Musik? Und wenn sie wirken: Wirken diese in Musik vertonten Geschlechterrollenmuster etwa nur in den nächtlichen Träumen der Opernbesucherinnen und -besucher nach? Nehmen diese die Botschaften nicht auch mit in ihre eigene Realität, an ihren Arbeitsplatz, wo sie verantwortungsvolle Positionen bekleiden?
Die Oper ist in vielfältiger Hinsicht ein Politikum – so gilt sie als Standortfaktor, als sozialer Treffpunkt und Erlebnisraum. Auch das Bühnengeschehen fungiert als gesellschaftlicher Spiegel – und damit auch als Ort der Geschlechterpolitik, denn die Oper lebt von der Konstruktion der Liebe – und damit in unserer Gesellschaft von der Konstruktion zweier Geschlechter.
Text: Rita Bake
 

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