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Johannes Böckenhauer

(26.8.1887 Sternberg bei Schwerin – 12.12.1941 Hamburg)
Schulrat
Moorende 31 (Wohnadresse 1939)

Dr. Hans-Peter de Lorenz verfasste dieses Profil für sein Buch: Täterprofile Band 2.

Ein hindernisreiches Leben absolvierte Johannes Böckenhauer auf dem Weg zum strammen Nationalsozialisten. Es führte ihn zu Funktionen im NSLB-Hamburg und auf eine Schulrats-Position. Sein Leben endete durch ein jähes Unglück.

Johannes Böckenhauer wurde am 26.8.1887 als zweiter von drei Söhnen des Zigarrenfabrikanten Fritz Böckenhauer in Sternberg bei Schwerin geboren. In seinem handgeschriebenen Lebenslauf stellte er fest: „Nach froher und ungetrübter Kinderzeit in Mecklenburg kam die zwangsvolle Enge des Internatsseminars zu Uetersen. Die harte Schule und die geforderten Leistungen unter dem strengen Regiment des Direktors Lic. Kabisch aber stärkten Pflicht- und Selbstbewußtsein.“1

Im August 1907 bestand er die erste Lehrerprüfung und arbeitete danach in Brodersberg bei Schleswig „als zweiter Lehrer in einer zweiklassigen Schule und hatte etwa 80 Kinder in der Klasse“.2

Johannes Böckenhauer schrieb nicht nur über die Stationen seines beruflichen Weges, sondern nannte auch Mühsal, Gefühle und „Schicksalsschläge“: „Mehr als die körperlichen Entbehrungen bei dem geringen Gehalt (75 M) lasteten die Verlassenheit und geistiges Brachliegen auf mir. Ich ergriff freudig die Gelegenheit, in die Nähe der Großstadt zu kommen. Im Herbst 1908 wurde ich an die dreiklassige Schule in Neuengamme gewählt und trat dadurch in den hamburgischen Volksschuldienst über. Da ich die in der Stadt gebotenen Anregungen zur Fortbildung benutzen wollte, ging ich nach Ablegung des 2. Examens in die Stadt (1911). Ich bereitete mich auf das Studium vor. Eine umständliche, langwierige Bruchoperation und dann der Ausbruch des Krieges unterbrachen meine Arbeit.“3

Der Krieg war für Johannes Böckenhauer folgenschwer: „Im Frühjahr 1915 zog ich ins Feld, um erst im Mai 1920 aus fünfjähriger sibirischer Gefangenschaft heimzukehren. Die ausgestandenen Leiden und Hungerkuren, die Strapazen auf der ein halbes Jahr währenden Flucht und die seelischen Qualen hatten mich so mitgenommen, daß an eine anstrengende, planmäßige geistige Arbeit vorläufig nicht zu denken war.“4

1923 war Böckenhauer soweit stabilisiert („fühlte ich mich frisch genug“), um an der Hamburger Universität Nationalökonomie zu studieren (acht Semester) und „dann an die Handelsschule überzugehen. Leider war ich inzwischen zu alt geworden (40 Jahre) und wurde nicht zugelassen.“5

Am 30.9.1924 hatte Böckenhauer Alma Kleist geheiratet.

Offenbar setzte Böckenhauer seine Hoffnungen auf die Nationalsozialisten. Am 1.5.1933 trat er in die NSDAP ein (Mitgliedsnummer 3004892) und parallel dazu in den NSLB (Nummer 61754). Zusätzlich wurde er Mitglied im NSV, im Reichsluftschutzbund (RLB) und dem NS-Fliegerkorps (NSFK). Sein Hauptaugenmerk galt dem NSLB, er fungierte als Kreisamtsleiter und Gaustellenleiter der NSLB-Bücherei im Curio-Haus. Später wurde er Vertrauensmann des NSLB in der Kultur- und Schulbehörde, wie er im Fragebogen 1938 angab. Im Curio-Haus kam er mit den NSLB-Führern Willi Schulz und Albert Mansfeld zusammen, die ihn auch beruflich förderten und beförderten.

Böckenhauer, bis dato Lehrer auf der Veddel, wurde am 26.3.1934 mit sofortiger Wirkung zum Schulleiter der Adolf-Hitler-Schule (vorher Volksschule Eilbecktal) ernannt.6 Als er die offizielle Bestätigung erhielt, antwortete er Willi Schulz, dem NSLB-Gauamtsleiter und Landesschulrat: „Ich bin selbstverständlich bereit, mein bestes Können und mein ganzes Wollen in den Dienst der Adolf-Hitler-Schule zu stellen. Und wenn es mir gelingen sollte, das Kollegium der Schule in meinem Sinne zu gestalten, glaube ich, daß alle Erwartungen der Behörde erfüllt werden können. Ich habe jedenfalls die festeste Absicht, mit ganzer Kraft mitzuarbeiten an der Heranbildung und Erziehung eines vaterlandsbegeisterten, einsatzbereiten, opfer-freudigen Jungdeutschlands im Sinne unseres Führers. Daß mir dieser Wirkungskreis anvertraut wurde, dafür danke ich Ihnen, sehr geehrter Herr Landesschulrat, ergebenst und herzlichst. Heil Hitler!“7

Wie Johannes Böckenhauer diese „festeste Absicht“ umsetzte, zeigte eine Ausstellung ein Jahr später. Die Adolf-Hitler-Schule unter Böckenhauers Leitung präsentierte sich unter dem Titel „Nationalsozialistische Bildungsgüter im Dienste der politischen Erziehung“8 vor einem geladenen Kreis der Schulverwaltung und der Elternschaft mit einer Ausstellung, „von Schulleiter Pg. Böckenhauer eröffnet, der auf die große verantwortungsvolle Aufgabe hinwies, die kommende Generation im Sinne unseres Führers Adolf Hitler zu erziehen“.9

20 Räume waren mit selbst hergestelltem Material hergerichtet, „in dem eine Klasse für eine bestimmte Zeit ein Thema von allen Seiten behandelt. Ein gutes Beispiel dafür bot die Ostland-Ausstellung einer Klasse von Zwölfjährigen. Auch die rassische Zusammensetzung des Ostraumes wurde unter allen bevölkerungspolitischen Gesichtspunkten besprochen und bildlich dargestellt. In der Raumfolge ‚Blut und Boden‘ war der Rasse ein besonderer Raum gewidmet. Weil jedes Kind – auch in der Rassenfrage – erst einmal an sich selbst denkt, war man hier von der Herkunft der eigenen Familie ausgegangen und hatte dabei sogleich gelernt, aus welchen deutschen Stämmen sich die hamburgische Bevölkerung zusammensetzt.“10 Und: „Bevölkerung- und Rassefragen, Bauerntum, Berichten und Erinnerungen aus der Kampfzeit der Bewegung ist besonders viel Platz eingeräumt.“11

Da wundert es nicht, dass Johannes Böckenhauer von den Verantwortlichen im NSLB und in der Schulverwaltung geschätzt wurde.

Als 1935 Paul Günther, Schulrat im Volksschulwesen, starb und die Stelle wieder besetzt werden sollte, brachte Albert Mansfeld am 4.6.1935 Böckenhauer ins Spiel: „Ich schlage vor, Johannes Böckenhauer, den Leiter der Adolf-Hitler-Schule. Er hat sich als Nationalsozialist bewährt, arbeitet tatkräftig im NSLB mit, hat gute Fühlung mit der örtlichen Parteiorganisation bekommen, ist tüchtig als Lehrer und Schulmann und ein tadelloser Schulleiter in unserem Sinne.“ „Einverstanden“, vermerkte Willi Schulz am 7.6.1935.12 Die Ernennung wurde dann von Karl Witt am 6.7.1935 und Senator Wilhelm von Allwörden mit den von Mansfeld formulierten Worten abgezeichnet. Aus der Formulierung „tadelloser Schulleiter in unserem Sinne“ wurde „tadelloser Schulleiter in nationalsozialistischem Sinne“ gemacht.13

Die Anforderungen aus Berlin vom „Reichs- und Preußischen Minister für Wissenschaft , Erziehung und Volksbildung“ waren etwas strenger. Mit Schreiben vom 27.11. 1935 an Reichsstatthalter Kaufmann wurde zur Ernennung Böckenhauers zum Schulrat festgestellt: „Voraussetzung für die Übernahme in den Schulaufsichtsdienst ist die uneingeschränkte fachliche Eignung des Anwärters. Ich bitte daher einen Bericht der Landesunterrichtsbehörde in Hamburg über die fachliche Eignung des Lehrers Böckenhauer vorzulegen. Dieser Bericht muss sich auf das Ergebnis einer Besichtigung des Anwärters durch den schulfachlichen Sachbearbeiter der Landesunterrichtsbehörde stützen. Die Besichtigung ist jedoch erst vorzunehmen, wenn der Anwärter mindestens vier Monate seine Stelle auftrags- und vertretungsweise verwaltet hat. Dem Bericht sind mehrere Niederschriften des Anwärters über das Ergebnis seiner Schulbesichtigungen aus letzter Zeit beizufügen. Ferner hat der Anwärter ein amtsärztliches Zeugnis über seinen Gesundheitszustand vorzulegen. Ich bitte hiernach um neuen Bericht.“14

Ein bisschen mehr als „tadelloser Schulleiter im nationalsozialistischen Sinne“ wurde auf Reichsebene schon erwartet. Daraufhin verfasste Albert Mansfeld einen erneuten Bericht: „Der Pg. Böckenhauer, der mir durch die Mitarbeit im NSLB (Nationalsozialistischer Lehrerbund) als zuverlässiger Nationalsozialist und in seiner Tätigkeit als Schulleiter der Adolf-Hitler-Schule in Hamburg als ausgezeichneter Lehrer und Leiter eines Kollegiums seit einigen Jahren bekannt ist, hat sich mit dem nötigen Einfühlungsvermögen und gutem Geschick in seine Stellung als kommissarischer Schulrat der Landesunterrichtsbehörde Hamburg eingefunden. Es ist ihm in der Zeit seit dem August des vorigen Jahres dank seiner fachlichen Eignung und persönlichen Hingabe an das neue Amt gelungen, sich das Vertrauen seiner vorgesetzten Dienststellen und der ihm als Schulrat unterstellten Lehrkräfte zu gewinnen. Über seine Auffassung von seinem Amte und über seine Tätigkeit gibt der anliegende, von ihm selbst geschriebene Bericht Auskunft. Ich bitte, nunmehr seine endgültige Anstellung beim Ministerium in Berlin schnellstens bewirken zu wollen.“15

Und am 26.5.1936 ergänzte Mansfeld: „Führungseigenschaften hervorragend; Leistungen über dem Durchschnitt .“16

Johannes Böckenhauer hatte über seine NSLB-Funktionen hinaus die Gauführerschule besucht und an zwei Lehrerlagern teilgenommen.17

Wie vom Reichsministerium gefordert, legte Böckenhauer am 26.1.1936 einen Bericht über seine Arbeit vor, über die Besichtigungen als kommissarischer Schulrat in der Zeit vom 18.11.1935 bis Ende Januar 1936. Böckenhauer hatte die Aufsicht über 30 Volksschulen, zwei Hilfsschulen, eine katholische Gemeindeschule und vier Privatschulen übernommen. In seinem Bericht wurde deutlich, mit welcher Haltung und Zielsetzung er seine Arbeit durchführte. So schrieb er einleitend: „Gleich nach meiner Ernennung zum kommissarischen Schulrat hatte ich Gelegenheit, in einer Versammlung von Schulleitern und HJ-Führern über nationalsozialistische Erziehungsarbeit zu sprechen. Ich konnte in meinem Vortrag den grundlegenden Unterschied der früheren Erziehungs- und Bildungsarbeit und der heutigen in den Schulen aufreißen. Hatten wir vor dem Kriege die Schule des Wissens, in der Nachkriegszeit die des Könnens, so haben wir im nationalsozialistischen Deutschland die Schule des Wollens. Aus dem Willen entspringen Leistung und Tat. Klarstes und schönstes Beispiel der Führer, der sich durch kein Hindernis und durch keine Rückschläge vom gesteckten Ziel abbringen ließ. Darum ist unser Erziehungsziel, die deutsche Jugend zum politischen Wollen zu erziehen, d. h. zu körperlich und geistig gesunden Menschen, die sich mit freudigem Herzen zur deutschen Volksgemeinschaft bekennen und sich stolz und treu einreihen in die Gefolgschaft des Führers.

Für eine erfolgreiche Arbeit in der Schule ist Voraussetzung, daß das Kollegium nicht nur weltanschaulich ausgerichtet ist, es muß auch eine kameradschaftliche Arbeitsgemeinschaft bilden. Sie zu schmieden und zu leiten ist Aufgabe des Schulleiters. Dieser Geist der Kameradschaft muß dem Schulaufsichtsbeamten auf Schritt und Tritt in der Schule deutlich spürbar sein, sonst ist ihre gedeihliche Gemeinschaftsarbeit in Frage gestellt.“18

Nach dieser ideologischen Einleitung gab Böckenhauer Einblick in sein pädagogisches Verständnis: „Der Träger alles schulischen Lebens ist die Klasse. Sie ist eine Gemeinschaft. Der Lehrer ist der Führer. Er muß also Führerqualitäten haben. Seine geistige und körperliche Überlegenheit allein genügt nicht, damit er als der eigentliche Führer der Klasse anerkannt wird. Er muß die Kinder in ihrem Denken und Fühlen verstehen, ihre Freude und ihr Leid mitfühlen können, ihre kleinen Sorgen und Nöte mitempfinden und ihren Gerechtigkeitssinn nicht verwirren. Dann wird er liebevolles Vertrauen haben und unbedingte Anerkennung. Das frische und frohe Wesen des Lehrers reißt die Klasse mit, und an dem geschäftigen, frohen Eifer der Kinder entzündet sich das Temperament des Lehrers. Da strömt das Fluidum über, und 1000 geheimnisvolle Fäden ziehen sich von Herz zu Herz. – Ob alle mit heißen Köpfen über ihre Arbeit sitzen, ob ein frohes Lachen durch die Klasse braust, ob mit schweißgeröteten Gesichtern um den Sieg gerungen wird, – ein Pulsschlag hämmert in der Klasse, ein Geist durchströmt sie: Kameradschaft! In diesem Sinne ist der schönste Beruf, Klassenlehrer zu sein. Und es ist die schönste Aufgabe des Schulaufsichtsbeamten, dieses Gefühl im Lehrer zu wecken und zu verstärken.“19

Die Beschreibung seiner Hospitationstätigkeit weist Böckenhauer als durchaus geschickten und leidenschaftlichen Pädagogen aus. Sein Verständnis von der Arbeit als Schulaufsichtsbeamter fasste er abschließend zusammen: „Wie gesagt, ich halte es für meine Hauptaufgabe anzuregen, zu beraten, zu helfen, wegweisend zu sein. Der Schulaufsichtsbeamte ist – bei allem schuldigen Respekt selbstverständlich – der kameradschaftlich denkende Vertreter der Behörde. Er wacht darüber, daß auch der Lehrer der leitende Kamerad der ihm anvertrauten Kinder ist. Er fordert, daß er die deutsche Jugend im nationalsozialistischen Sinne erzieht, daß er sie also körperlich schult, charakterlich festigt und ihnen das erforderliche Wissen vermittelt. Wenn der Lehrer die jugendfrohen Herzen so hinführt zur deutschen Volksgemeinschaft, dann hat er seine Aufgabe erfüllt, und der Schulaufsichtsbeamte wird ihm gern und anerkennend die Hand drücken.“20

Am 20.11.1939 wurde der letzte Befähigungsbericht über Johannes Böckenhauer geschrieben: „Böckenhauer, der sich schon in seiner früheren Tätigkeit als zuverlässiger Nationalsozialist und ausgezeichneter Lehrer und Schulleiter bewährt hatte, hat sich nach seiner Ernennung zum Schulrat auch in sein neues Amt als Schulaufsichtsbeamter mit Hingebung und Geschick gut hineingefunden. Es ist ihm gelungen, das Vertrauen seiner vorgesetzten Behörde und der unterstellten Lehrerkollegien zu erwerben.“21

Johannes Böckenhauers Drama ereignete sich am 12.12.1941. Er versuchte an diesem Tag, acht Meter vor der Straßenbahnhaltestelle Bürgerweide zwischen einem Kohlelastwagen und dem Anhänger stehend, auf eine langsam sehr dicht daran vorbeifahrende Straßenbahn aufzuspringen. Ein Zeuge schilderte den Unfall: „Ich stand auf der Vorderplattform des Beiwagens und habe den Unfall genau gesehen. Als der Straßenbahnzug sich der Haltestelle mit nur noch geringer Geschwindigkeit näherte, sah ich zwischen dem am Kantstein parkenden Motorwagen und Anhänger des Lastzuges einen Mann in Parteiuniform stehen. Als wir an dem Lastzug entlang fuhren, bemerkte ich, daß der Mann Anstalten machte, auf die Bahn aufzuspringen. Ich rief ihm noch zu, daß er den Unsinn lassen sollte. Er sprang aber trotzdem auf das Trittbrett der Vorderplattform des Beiwagens. Hierbei wurde er von dem Motorwagen des Lastzuges erfaßt und zwischen dem Motorwagen und unserem Beiwagen eingeklemmt und mehrere Male herumgerollt. Ich gab sofort Notsignal, was aber eigentlich schon überflüssig war, da die Bahn bereits im Anhalten begriffen war und auch gleich anhielt.“22

Johannes Böckenhauer starb am Unfallort an den inneren Verletzungen.

Auf der Trauerfeier am 18.12.1941 hielt Fritz Köhne die Trauerrede für die Schulverwaltung. Er würdigte Böckenhauer „als Lehrer und Erzieher von reichem Wissen und großer Zuverlässigkeit“.23

Andere Trauerredner waren der NSDAP-Kreisleiter Fromm, der „letzte Grüße des Gauleiters und Reichsstatthalters Karl Kaufmann überbrachte“, sowie Rektor Elwin Kludas für die Schulleiter in Böckenhauers Schulkreis und Oberschulrat Richard Schlorf für den NSLB.24

Gauleiter und Reichsstatthalter Karl Kaufmann kondolierte in einem Schreiben an die Witwe Böckenhauers: „Ich habe ihren Mann als Menschen mit besonders guten Eigenschaften und als befähigten Jugenderzieher kennen und schätzen gelernt und habe diesem durch seine 1936 erfolgte Ernennung zum Schulrat Ausdruck gegeben. Schulrat Böckenhauer hat sowohl in seiner Erziehungsarbeit an unserer Jugend als auch im Rahmen seines Amtes im NS-Lehrerbund stets im Sinne der Idee unseres Führers verdienstvoll gewirkt. Ich bedaure daher seinen allzu frühen Tod sehr.“25

Die Witwe Alma Böckenhauer erhielt nach dem Tod ihres Mannes die Hinterbliebenenpension eines Schulrates, die auch nach 1945 unangefochten weiter erfolgte.

Alma Böckenhauer starb am 7.1.1972.26

Das Profil ist nachzulesen in Hans-Peter de Lorents Buch: Täterprofile, Band 2. Hamburg 2017. Das Buch ist erhältlich in der Landeszentrale für politische Bildung, Hamburg.

Anmerkungen
1 Lebenslauf vom 24.5.1928 in seiner Personalakte, StA HH, 361-3_A 1406
2 Ebd.
3 Ebd.
4 Ebd.
5 Ebd.
6 Alle Angaben laut Personalakte, a.a.O.
7 Mit Schreiben vom 30.3.1934., ebd.
8 „Hamburger Anzeiger“ vom 18.3.1935.
9 Ebd.
10 „Hamburger Nachrichten“ vom 21.3.1935.
11 „Hamburger Anzeiger“ vom 18.3.1935.
12 Vermerk in der Personalakte, a.a.O.
13 Ebd.
14 Ebd.
15 Bericht vom 12.5.1936, Personalakte, a.a.O.
16 Ebd.
17 Ebd.
18 Bericht vom 26.1.1936, im folgenden wird aus diesem Bericht zitiert.
19 Ebd.
20 Ebd.
21 Ebd.
22 Auszug aus der Akte des Leiters der Amtsanwaltschaft über den tödlichen Unfall des Schulrats Johannes Böckenhauer, in: Personalakte a.a.O.
23 „Hamburger Fremdenblatt“ vom 19.12.1941. Zu Fritz Köhne siehe: Hans-Peter de Lorent: Täterprofile Band 1, Hamburg 2016, S. 61ff.
24 „Hamburger Fremdenblatt“ vom 19.12.1941. Siehe auch die Biografie Kludas in diesem Band und die Biografie Schlorf in: de Lorent 2016, S. 731ff.
25 Personalakte Böckenhauer, a.a.O.
26 Ebd.
 

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Die Dabeigewesenen

Aufsätze

Erklärung zur Datenbank

Stand August 2021: 880 Kurzprofile und 279 sonstige Einträge.

Diese Datenbank ist ein Projekt in Fortsetzung (work in progress). Eine Vollständigkeit ist niemals zu erreichen. Sie startete online im Februar 2016 mit rund 520 Profilen und mehr als 200 weiteren Einträgen und wird laufend ergänzt und erweitert werden. Wissenschaftliche Institute, Gedenkstätten, Universitäten und zum Thema forschende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler können gern ihre erarbeiteten Profile in diese Datenbank stellen lassen.

Quellenangaben, die sich auf Webseiten beziehen, sind die zum Zeitpunkt der Recherche gefundenen. Sollten Sie veraltete Links oder Aktualisierungen bzw. Verschiebungen der Inhalte feststellen, freuen wir uns über Hinweise.

Vor etlichen Jahren hat die Landesszentrale für politische Bildung Hamburg die Stolperstein-Datenbank www.stolpersteine-hamburg.de ermöglicht und gibt seit rund zehn Jahren gemeinsam mit dem Institut für die Geschichte der Deutschen Juden unter der Projektleitung von Dr. Beate Meyer und Dr. Rita Bake von der Landeszentrale für politische Bildung die Publikationsreihe „Stolpersteine in Hamburg, biografische Spurensuche“ heraus. Mit dieser Datenbank „Die Dabeigewesenen“ möchte die Landeszentrale für politische Bildung nun den Blick auf diejenigen lenken, die das NS-System stützten und mitmachten. Denn:

Eine Gesellschaft, die sich eine offene und freie Zukunft wünscht,
muss [...] über eine Kultur verfügen, die nicht auf dem Verdrängen
und Vergessen der Vergangenheit beruht.“ (Mario Erdheim Psychoanalytiker) 1)

Diese aktuell immer noch so wichtige Aussage bildet den inhaltlichen Ausgangspunkt dieser Datenbank. Sie enthält eine Sammlung mit Kurzprofilen über Menschen, die auf unterschiedlichste Weise an den NS-Gewaltverbrechen in Hamburg Anteil hatten, z.B. als Karrierist/innen, Profiteur/innen, Befehlsempfänger/innen, Denunziant/innen, Mitläufer/innen und Täter/innen. Aber auch sogenannte Verstrickte, die z. B. nach durchlittener Gestapo-Folter zum Spitzel wurden. Unter all diesen Dabeigewesenen gab es auch Menschen, die in keiner NS-Organisation Mitglied waren, die aber staatliche Aufträge - zum Beispiel als Künstler oder Architekt - annahmen und so von dem NS-System profitierten, im Gegensatz zu denen, die sich diesem System nicht andienten, deshalb in die Emigration gingen oder in Kauf nahmen, keine Karriere mehr zu machen bzw. kaum noch finanzielle Einnahmen zu haben.
Ebenso wurden solche Personen aufgenommen, die zum Beispiel vor und während der NS-Zeit den Idealen des Heimatschutzes und der Technik-Kritik anhingen und das NS-Regime dadurch unterstützten, indem sie staatliche Aufträge annahmen, die diesen Idealen entsprachen, da das NS-System solche Strömungen für seine Ideologie vereinnahmte.

Für die Datenbank „Die Dabeigewesenen“ wurden alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens wie Medizin, Justiz, Bildung und Forschung, Verwaltung, Kirche, Fürsorge und Wohlfahrt, Literatur, Theater und Kunst, Wirtschaft, Sport, Polizei und parteipolitische Organisationen berücksichtigt.

„denn wir können (…) das ganze Phänomen des Mitmachens und des Ermöglichens, das ja in der NS-Zeit eine genauso große Rolle gespielt hat, wie die Bereitschaft, selbst aktiver Täter vor Ort zu sein - das alles können wir nur verstehen, wenn wir die verschiedenen Facetten der Täterschaft noch viel genauer betrachten, als das bisher geschehen ist." 2)

In vielen Profilen wird der weitverbreitete Enthusiasmus vieler Deutscher für den Nationalsozialismus, gegenüber „seiner Wirtschafts- und Sozialpolitik, seine Architektur, seine Weltanschauung" 3) etc. deutlich. Und es zeigt sich, dass Menschen das NS-System stützten, indem sie z. B., ohne darüber nachzudenken und ohne zu hinterfragen, bereitwillig moralische und soziale Normen des NS-Staats übernahmen.

Mit Schaffung der „Ausgrenzungsgesellschaft“ war es für die „Mehrheitsgesellschaft“ möglich, u. a. NS-Rassentheorien praktisch umzusetzen.

Diese Erkenntnis ist angesichts heutiger aktueller gesellschafts-politischer Entwicklungen von Bedeutung. In einem Interview zum Thema Fremdenfeindlichkeit bemerkte der Antisemitismusforscher Prof. Dr. Wolfgang Benz auf die Frage, ob aus der Geschichte zu lernen sei. „Wir könnten schon. Wir könnten zum Beispiel lernen, dass der Fremde nicht schuld ist an dem Hass, der ihm widerfährt. Es scheint tatsächlich schwierig zu vermitteln zu sein, dass das Opfer nicht dafür verantwortlich ist, dass es totgeschlagen oder misshandelt wird. Juden werden nicht verfolgt, weil an ihnen etwas ist, was sie zu Opfern macht, sondern weil die Mehrheitsgesellschaft Opfer braucht, und zwar zur eigenen Identitätsstiftung. Zuwanderer, Fremde, Andersgläubige werden ausgegrenzt. Das stärkt das Selbstgefühl der Mehrheit.“ 4)

Mit der Datenbank soll eine Hamburg Topographie der „Dabeigewesenen“ entstehen, um somit konkrete Orte des NS-Geschehens sichtbar zu machen. Deshalb werden auch nur diejenigen Dabeigewesenen aufgenommen, die zwischen 1933 und 1945 in Hamburg mit seinen Grenzen nach 1937 gelebt/gearbeitet haben. Neben Personenprofilen sind auch Adressen von NSDAP-Organisationen und -Einrichtungen zu finden. Darüber hinaus gibt es für einzelne Stadtteile Einträge, die die NS-Aktivitäten im Stadtteil beschreiben. In der Datenbank kann nach Namen, Straßen, Bezirken und Stadtteilen gesucht werden, damit also auch nach den Wohnadressen und/oder Adressen der Arbeitsstätten (soweit recherchierbar). Durch Hinzuziehen der Stolpersteindatenbank (hier sind die Adressen der NS-Opfer aufgenommen, für die bisher Stolpersteine verlegt wurden) und der virtuellen Hamburg-Stadt-Karte (sie verzeichnet die Zwangsarbeiterlager und Firmen, die Zwangsarbeiter beschäftigt haben) wird eindringlich deutlich, wie dicht benachbart Opfer und Dabeigewesene in Hamburg gelebt und gewirkt haben. Mit diesen Informationen ist es immer schwerer, die altbekannte Entschuldigung aufrecht zu erhalten; wir haben doch nichts davon gewusst.

In den vorgestellten Profilen liegt der Fokus auf Handlungen und Einstellungen zum NS-Regime. Privates wird nur erwähnt, wenn es für die Haltung zum NS-Regime von Relevanz ist. Recherchegrundlage für diese Datenbank waren bereits vorhandene wissenschaftliche Veröffentlichungen (z. B. von der KZ-Gedenkstätte Neuengamme und dem Institut für Zeitgeschichte), Biographien, Sammelbände und Dissertationen zu Hamburg im Nationalsozialismus, aber auch in diversen Fällen Entnazifizierungsakten und andere Akten und Dokumente, die im Staatsarchiv Hamburg zur Verfügung stehen. Für die Adressenrecherchen wurden die digitalisierten Hamburger Adressbücher von 1933 bis 1943 der Staats- und Universitätsbibliothek genutzt. Trotz größter Sorgfalt beim Zusammentragen der Daten, ist es dennoch möglich, dass Schreibweisen von Namen variieren und Lebensdaten fehlerhaft sind. In den Profilen und den Beschreibungen der Funktionen sowie des „Wirkens“ des Dabeigewesenen konnte nicht komplett auf das NS-Vokabular – der Sprache der Täter – verzichtet werden, dennoch wurde versucht, diesen Anteil gering zu halten und neutralere Umschreibungen zu finden.
Die meisten der aufgeführten Personen wurden schnell nach Kriegsende durch die Entnazifizierungsstellen als entlastet eingestuft, sie mussten sich selten vor Gericht verantworten oder sie wurden aufgrund von Verjährung ihrer Taten nicht juristisch verurteilt. So stellt Can Bozyakali in seiner Dissertation z. B. zum Sondergericht am Hanseatischen Oberlandesgericht fest, dass auch in Hamburg bis Anfang der 1950er Jahre 63% aller Justizjuristen, die am Sondergericht tätig gewesen waren, wieder in den Justiz-Dienst eingestellt wurden. „[…] anhand dieser Werte [kann] von einer ‚Renazifizierung‘ gesprochen werden.“ 5)

Dr. Rita Bake, Dr. Brigitta Huhnke, Katharina Tenti (Stand: Anfang 2016)

1) Mario Erdheim: „I hab manchmal furchtbare Träume … Man vergißts Gott sei Dank immer glei...“ (Herr Karl), in: Meinrad Ziegler, Waltraut Kannonier-Finster: Österreichisches Gedächtnis. Über Erinnern und Vergessen der NS-Vergangenheit. Wien 1993.
2) Wolfram Wette: Deutschlandfunk-Interview am 20.11.2014, anlässlich seines neuen Buches: „Ehre, wem Ehre gebührt. Täter, Widerständler und Retter - 1933-1945“, Bremen 2015.
3) Raphael Gross: Anständig geblieben. Frankfurt a. M.  2010, S. 17.
4) Wolfgang Benz: „Ich bin schon froh, wenn es nicht schlimmer wird". Der Historiker Wolfgang Benz über die lange Geschichte der Fremdenfeindlichkeit in Deutschland – und was neu ist an den Pegida-Märschen. Interview: Markus Flohr und Gunter Hofmann, in ZEIT online vom 21. Dezember 2015. www.zeit.de/zeit-geschichte/2015/04/wolfgang-benz-pegida-antisemitismus-fremdenfeindlichkeit
5) Can Bozyakali: Das Sondergericht am Hanseatischen Oberlandesgericht: Eine Untersuchung der NS-Sondergerichte unter besonderer Berücksichtigung der Anwendung der Verordnung gegen Volksschädlinge, Frankfurt/ Main 2005, S. 235.

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