Namens-/Sachregister

Frauenbios

Heidi Kabel

(27.8.1914 Hamburg – 15.6.2010 Hamburg)
Bundesweit beliebte Volksschauspielerin am Ohnsorg-Theater von 1932 bis 1996, erlangte Popularität durch die ab 1954 gesendeten Fernsehübertragungen, bereits zu Lebzeiten eine hochverehrte „Hamburger Legende“.
Große Bleichen 30 (Wohnadresse)
Langelohstraße 8 (Wohnadresse)
Große Bleichen 23 (Ohnsorg-Theater Wirkungsstätte)
Nienstedtener Marktplatz 19a: Friedhof Hamburg Nienstedten: Grab
Namensgeberin für: Heidi-Kabel-Platz (benannt 2011)
Heidi Bertha Auguste Kabel kam aus „gutem Hause“: Ihre Wiege stand in den Großen Bleichen 30, direkt gegenüber dem ehemaligen Gebäude des Ohnsorg-Theaters. Ihr Vater war der Druckereibesitzer Ernst Kabel (siehe: Ernst-Kabel-Stieg), zeitweilig Vorsitzender des Vereins geborener Hamburger. Der von ihm begründete Betrieb Kabel Druck sowie sein Kabel-Verlag existieren bis heute. Heidi Kabels Mutter war Hausfrau.
Heidi Kabel kam eher durch Zufall zum Theaterspielen. 1932 begleitete sie eine Freundin zum Vorsprechen in die „Niederdeutsche Bühne Hamburg“ (gegründet 1902 im Restaurant Kersten am Gänsemarkt als „Dramatische Gesellschaft Hamburg“ durch den Philologen, Bibliothekar und Schauspieler Dr. Richard Ohnsorg) (siehe: Ohnsorgweg). Dabei wurde sie von Ohnsorg entdeckt und erhielt 1933 ihr erstes Engagement in dem Stück „Ralves Carstens“. Heidi Kabel nahm Schauspielunterricht. Dass sie ursprünglich Konzertpianistin werden wollte, geriet bald in Vergessenheit. 1937 heiratete sie ihren Kollegen, den Schauspieler und Regisseur Hans Mahler (siehe: Hans-Mahler-Straße). Der Ehe entstammen drei Kinder (geboren 1938, 1942 und 1944); Tochter Heidi Mahler wurde ebenfalls Volksschauspielerin und trat mit ihrer Mutter häufig gemeinsam auf.
Die erste Zeit ihrer Ehe war für Heidi Kabel sehr anstrengend: Nun erging es ihr so wie den meisten berufstätigen Ehefrauen: Sie wurde doppelt belastet, musste einen eigenen Haushalt und einen Mann versorgen und darüber hinaus noch ihre Rollen lernen. Das „Los“, dass ihre hausfraulichen Bemühungen nicht genügend gewürdigt wurden, teilte sie mit den meisten Hausfrauen. Dazu Heidi Kabel in ihren Erinnerungen über ihren Ehemann Hans Mahler: „Glaubte er wirklich, ich koche und schrubbe aus Zeitvertreib? Merkte er nicht, wie schwer es mir fiel, unseren winzigen Haushalt am Laufen zu halten? Heute weiß ich, daß Mahler keine Ausnahme war. Noch heute wissen die meisten Männer nicht, welche Anstrengungen es kostet, Hausarbeit zu verrichten.“ [1]
Erst nach dem Tod seiner Mutter, der ihn sehr getroffen hatte, änderte sich seine Einstellung zu häuslichen Verrichtungen. Mahler „vergrub sich noch mehr in seine Bücher, in seine Rollen und beschäftigte sich immer mehr mit seinem Sohn. Plötzlich wurde er ein besorgter Familienvater. Er half mir mit im Haushalt, ohne daß ich ihn dazu auffordern musste, und es machte ihm nichts mehr aus, wenn ich nach der Theatervorstellung noch tingeln musste, Jan [der Sohn] von meinen Eltern abzuholen und ihn im Kinderwagen in die Steinstraße [die dortige Wohnung] zu schieben, ihn sauber zu machen und ins Bett zu bringen“. [2]
Dann kam die Zeit des Nationalsozialismus. „ (…) auch die beiden Jungvermählten spürten die widrigen Zeiten. Immer offensichtlicher wurde das grausame Regiment der Nationalsozialisten. Juden wurden deportiert. Menschen aus dem Bekanntenkreis waren urplötzlich wie vom Erdboden verschwunden. Doch Heidi Kabel schloss die Augen vor dem politischen Horror, wie so viele andere auch. Im privaten wie im Berufsleben bewies die junge Frau Rückgrat. In übergeordneten Dingen nicht unbedingt. Eine Revolutionärin war das spätere SPD-Mitglied nie. Es passt ins Bild, dass Hans Mahler und Heidi Kabel [ 1936 ] gemeinsam in die NSDAP [Heidi Kabel war Mitglied der NS-Frauenschaft, nicht der NSDAP, die Verf.] eintraten. Vielleicht nicht unbedingt aus ideologischer Überzeugung, der Karriere wegen schon. Für die ansonsten couragierte Künstlerin spricht wiederum, dass sie die Verantwortung nicht anderen zuschob. ‚Ich habe Hänschen dazu gedrängt‘, erklärte sie“. [3]
Heidi Kabel schreibt dazu in ihren Erinnerungen, sie habe ihren Mann nur deshalb zur Mitgliedschaft in der NSDAP gedrängt, weil sie ihn endlich habe heiraten wollen. Dazu benötigte das Paar aber finanzielle Mittel, z. B. um Möbel kaufen und eine Wohnung mieten zu können. Deshalb erschien ihr die 1936 ausgeschriebene Stelle des Intendanten am Lüneburger Theater als Hoffnungsschimmer und sie drängte ihren Mann, sich zu bewerben. Voraussetzung für die Stelle war allerdings die Mitgliedschaft in der NSDAP. Mahler war damals aber kein NSDAP-Mitglied und wollte dies auch nicht sein. Heidi Kabel empfand solch eine Mitgliedschaft nur als Formsache: „Es war alles eine Formsache. Es wurden nun mal eben Parteimitglieder bei der Vergabe von Anstellungen bevorzugt. (…) ich kam nur immer zu demselben Schluß, Mahler musste der NSDAP beitreten, um Intendant in Lüneburg zu werden. Nur wenn er den Posten bekäme, wäre unsere gemeinsame Zukunft gesichert. (…)
Hans Mahler trat 1936 der NSDAP bei. Um ihm meine Verbundenheit zu zeigen, trat ich in die NS-Frauenschaft ein. Für mich war dieser Beitritt zu einer NS-Organisation nichts weiter, als wenn ich irgendeinem Verein beigetreten wäre. (…).“ [4]
Doch Mahler bekam die Stelle nicht, denn andere Bewerber, die schon seit Längerem in der NSDAP waren, wurden bevorzugt. „Damals keimte in mir ein Gefühl, mich rechtfertigen zu müssen. Nachträglich wollte ich Mahler und mir beweisen, daß ich Recht hatte, ihn zu diesem Schritt gedrängt zu haben. Ich ertappte mich dabei, daß ich immer öfter den politischen Teil in der Zeitung las, mir die vorfabrizierte Meinung zu eigen machte und schönredete. (…) Mahler wich jedem Gespräch mit mir über Politik aus (…). “ [5]
„Am Morgen des 10. November 1938 bemerkte ich auf dem Weg ins Theater Menschenansammlungen vor Geschäften, (…) auf denen zu lesen war ‚Jude‘ oder ‚kauft nicht beim Juden‘. (…) Im Theater erwischte ich eine Morgenzeitung, und da war zu lesen, daß der deutsche Gesandtschaftsrat in Paris von einem jungen Juden ermordet worden war und daraufhin im ganzen Deutschen Reich das Volk Synagogen und jüdisches Eigentum angezündet und zerstört hätte. Leise sagte Rudolf Beiswanger [Beiswanger war Kommunist] zu mir: ‚Das glaubst du doch wohl nicht (…)?‘ Ich wußte nun überhaupt nicht mehr, was ich noch glauben sollte. Für mich war eine Regierung immer das Symbol für Gerechtigkeit und Ordnung gewesen, und ich konnte mir nicht vorstellen, daß derartige gewaltsame Zerstörungen mit staatlicher Duldung vor sich gegangen waren. Sicher war es wieder nur die SA gewesen, diese Truppe junger Raufbolde, die immer übers Ziel hinausschoß (…). Zu Hause (…) sprach ich mit Mahler darüber (…). Zum erstenmal hörte ich nun, was ich nicht in der Zeitung lesen konnte: Daß es Lager gab, in die man Andersdenkende einsperrte, daß es eine Presse-Zensur gab (…), und hätte mir nicht all‘ das mein Mann erzählt, ich hätte es nicht geglaubt. In mir sperrte sich immer noch etwas. (…) Millionen in unserem Land konnten sich doch nicht so sehr irren. (…)“ [6]
Der im August 1938 geschlossene Nichtangriffspakt zwischen Hitler und Stalin erschütterte Heidi Kabel: „ (…) über Nacht wurden aus unseren Erzfeinden, den bolschewistischen Untermenschen, unsere Freunde. (…) Ich war erschüttert. Wie konnte ein deutscher Staatsmann, der uns allen immer wieder als höchste Tugenden Ehre, Glaube und Treue gepredigt hatte, über Nacht mit unseren Erzfeinden paktieren. (…) Abends nach der Vorstellung saß ich mit Mahler in unserem Wohnzimmer. Es fiel mir schwer, mit ihm in ein Gespräch zu kommen (…). Dann platzte ich damit heraus, (…) ‚Hans, ich will raus aus dem Verein‘. Ich sagte wirklich Verein und meinte die Partei. ‚Ich will mit den Leuten nichts mehr zu tun haben, deren Ziele sind nicht meine. Die belügen uns von morgens bis abends (…). Ich will keinen Krieg, ich will in Ruhe und im Frieden leben (…). Ich möchte nicht immer vor vollendete Tatsachen gestellt werden, und ich möchte meine Meinung wenigstens sagen dürfen. Durch meinen Austritt möchte ich erklären, daß ich mit vielem nicht einverstanden bin. Das Recht habe ich doch?‘ Er sprach leise und langsamer als sonst (…): ‚Vielleicht hast du das Recht, deinen Austritt zu erklären, aber was dann kommen wird, hat mit dem Recht, das du zu haben glaubst, nicht mehr viel zu tun. Du wirst vielleicht für einige Zeit verschwinden, verhört werden, aber auf jeden Fall Arbeitsverbot bekommen, man wird uns die Existenzgrundlage nehmen (…). Man kann heute nicht mehr von diesem fahrenden Zug springen (…).‘“ [7]
Nach dem Ende der NS-Herrschaft wurde Heidi Kabel mitgeteilt, ein Komitee habe beschlossen, dass sie wegen ihrer Mitgliedschaft in der NS-Frauenschaft und Hans Mahler wegen seiner Zugehörigkeit zur NSDAP nicht mehr auf der Ohnsorg-Bühne stehen dürften. Dazu Heidi Kabel in ihren Erinnerungen. „Wir wurden zu den Proben eingeteilt, es war Mitte Juli 1945. Wir standen in den Startlöchern.
Als wir dann eines Morgens pünktlich zu den Proben erschienen, trafen wir schon vor der Tür auf Dr. Ohnsorg, der wohl auf uns gewartet hatte. (…) ‚Kinners, es tut mir furchtbar leid, aber ihr könnt nicht proben, die Kollegen haben sich geweigert, sie wollen nicht mehr mit euch auf der Bühne stehen.‘ (…)
Als wir zu unseren Männern ins Wohnzimmer zurückkamen, hatte ich meine Sprache wiedergefunden. Ausgerechnet die Kollegen! Mit denen ich fast dreizehn, mein Mann zwanzig Jahre auf der Bühne gestanden hatte, die wußten, was wir dachten, was wir fühlten, genauso wie wir es von ihnen wußten.
Oder es nur zu wissen glaubten? Denn wie sonst konnte sich die Mehrzahl von ihnen weigern, mit uns auf der Bühne zu stehen. Wir waren ja nicht die beiden einzigen Parteimitglieder des Ensembles gewesen, und wie oft hatten wir mit allen darüber gesprochen. Ich war ja diejenige gewesen, die mit allen mir zur Verfügung stehenden Mitteln meinen Mann überredet hatte, 1936 in die NSDAP einzutreten. Gegen seine Überzeugung. Mir zuliebe. (…) Jede Kollegin und jeder Kollege kannte meine damaligen, egoistischen Beweggründe und wie oft hatten wir vor allen offen bekannt, daß wir die Rechnung ohne den Wirt gemacht hatten! So kam ich darauf, daß noch andere Gründe eine Rolle gespielt haben mußten. Wem standen wir im Weg? Wer wollte unsere Rollen? Wer witterte für sich eine Chance, wenn wir ausgeschaltet waren? Da fielen mir dann etliche ein, auch Parteimitglieder wie wir, Kollegen, die wir für Freunde gehalten hatten, die es vielleicht sogar waren, bis zu diesem Tag, als sie die Gelegenheit nutzten, ihren Vorteil zu unseren Lasten wahrzunehmen.“ [8]
Im Hamburger Staatsarchiv befindet sich eine Kopie eines Schreibens vom Richard-Ohnsorg-Theater an Herrn Stadtamtmann Cousin Hamburg, Rathaus vom 6. September 1945. Aus diesem Schreiben geht hervor, wer die Entscheidung traf, dass Heidi Kabel und Hans Mahler Auftrittsverbot bekamen.
In diesem Schreiben wird mitgeteilt, dass am 25. August 1945 ein Treffen – gemeint ist das Treffen des Entnazifizierungs-Kommitees – stattfand unter dem Vorsitz von Captain Davies und dem Beisitz von Mr. Olden (John Olden war damals der britische Theateroffizier, späterer Ehemann der Schauspielerin Inge Meysel). In Vertretung für die Deutsche Schauspieler Vereinigung waren vertreten Frau Ida Ehre und Herr Cecil Goericke. Die Schauspielerin Ida Ehre hatte in der gesamten Zeit des Nationalsozialismus wegen ihrer jüdischen Herkunft Auftrittsverbot gehabt und im Sommer 1945 das Haus an der Hartungstraße 9 als neues Theater erhalten (Hamburger Kammerspiele). Die Niederdeutsche Bühne war vertreten durch Herrn Beiswanger und Herrn Streblow.
Weiter heißt es in dem Schreiben: In der Versammlung wurden alle Fälle individuell behandelt und Captain Davies fällte folgende Entscheidung: Magda Bäumken-Bullerdiek, Heidi Mahler-Kabel, Otto Lüthje und Hans Mahler werden für 12 Monate suspendiert, danach werde eine neue Diskussion stattfinden. Irmgard Deppisch-Harder und Christina Hansen dürfen spielen. [9]
Nach der Suspendierung vom Ohnsorg-Theater tourte Heidi Kabel, um die Familie finanziell durchzubringen, über Land und sang Seemannslieder.
Da ihnen, wie Heidi Kabel in ihren Lebenserinnerungen schreibt, die Auftrittssperre nicht schriftlich mitgeteilt worden sei, erkundigte sich das Ehepaar Kabel bei dem zuständigen Besatzungsoffizier, der die Rechte der Theaterkammer wahrnahm und erfuhr – so erinnert sich Heidi Kabel -, dass es gar kein Auftrittsverbot gäbe. Heidi Kabel dazu in ihren Erinnerungen: “Der Offizier (…) lächelte freundlich und sagte: ‚Gehen sie sofort in die Großen Bleichen ins Theater. Sie können beide sofort wieder arbeiten. (…) Sie können mir glauben, es liegt nichts gegen sie vor.‘ ‚Ja, aber könnten sie mir [sagte Heidi Kabel] nicht vielleicht einen Brief, einen Zettel mitgeben, wo dann …‘, ich kam nicht mehr weiter, denn er sagte: ‚Sie müssen wissen, ich kann kein Berufsverbot aufheben, das gar nicht bestanden hat.‘“ [10]
Dann war der Weg für die beiden Schauspieler, die im Entnazifizierungsverfahren als Mitläufer (Hans Mahler) und als Entlastete (Heidi Kabel) eingestuft worden waren, wieder frei für die Bühne.
1949 wurde Hans Mahler Intendant des Ohnsorg-Theaters. Von da an hatte er großen Einfluss auf die Karriere Heidi Kabels. Über 66 Jahre blieb sie auf der Bühne. Mehr als 80 Fernsehübertragungen der vom Niederdeutschen ins „Missingsch“ („Hamburgisch“ mit plattdeutschem Satzbau) adaptierten Theaterstücke aus dem Hamburger Ohnsorg-Theater machten sie überregional bekannt. Die Volksschauspielerin wurde zum Markenzeichen des guten, tapferen Nachkriegsdeutschlands – Trümmerfrau im Wirtschaftswunder. Populäre Bühnenstücke aus dem TV mit Kolleginnen wie Erna Raupach-Petersen, Christa Wehling, Gisela Wessel, Anni Hartmann, Herma Koehn oder den Kollegen Werner Riepel, Jochen Schenk, Heini Kauffeld, Jürgen Pooch, Edgar Bessen, um nur einige zu nennen, sind etwa: Tratsch im Treppenhaus – Mein Mann, der fährt zur See – Verteufelte Zeiten – Das Hörrohr (alle mit Henry Vahl) – Kein Auskommen mit dem Einkommen – Die Kartenlegerin – Mensch sein muss der Mensch – Wenn der Hahn kräht – Der Bürgermeisterstuhl – Amanda Voss wird 106. Ihre Dramatik zwischen Klamauk, Schwank und Tiefgang hat Heidi Kabel 1992 so charakterisiert: „Boulevard ist sehr schwierig. Die meisten verwechseln Heiterkeit mit Oberflächlichkeit“. Geprägt hat die markante Stimme Heidi Kabels auch zahllose Hörspiele und den Schulfunk des N(W)DR seit den 1950-er Jahren. Ihre Bäuerin Emma Piepenbrink ist ebenso wie die Schulfunkreihe „Neues aus Waldhagen“ längst Radio-Kult.
Ihre Karriere als Filmschauspielerin lief über ein dreiviertel Jahrhundert. Auch dort verkörperte sie die „einfache Haufrau“ mit Ehrlichkeit, Naivität und einer gehörigen Portion Mutterwitz; eine „gute Seele, die mit hanseatischem Charme als liebenswerte, aber auch pfiffige Dame das Publikum vereinnahmte. Zu ihren bekanntesten Filmen zählen der Heimatkrimi ‚Wenn die Heide blüht’ (1960), der hanseatische Witzklassiker ‚Klein Erna auf dem Jungfernstieg’ und ‚Auf der Reeperbahn nachts um halb eins‘ (beide 1969) sowie die TV- Mehrteiler ‚Rummelplatzgeschichten’ (1983/84) und ‚Tante Tilly’ von 1987", in dem sie die Miss Marple von Altona gibt.“ (Zitat nach WHO’s Who online). Für ihre mehr als 100 Fernsehauftritte – in Serien wie „Hafenpolizei“ bis „Großstadtrevier“ – wurde sie mit den renommiertesten Preisen der deutschen Medien bedacht, z. B. „Goldener Bildschirm“ 1967 und 1972, „ Bambi“ 1984 sowie 2004 für ihr Lebenswerk, „Goldene Kamera“ und 1985 sowie 1994 sogar zur „Ehrenkommissarin der Hamburger Polizei“ ernannt.
Am Silvesterabend 1998 nahm die mittlerweile 84-jährige Schauspielerin mit einer Aufführung des Stückes „Mein ehrlicher Tag“ im Hamburger Kongresszentrum CCH Abschied von der Bühne. Als Schauspielerin und Persönlichkeit war sie längst Legende. 2003 verschlechterte sich ihr Gesundheitszustand. Sie zog in eine Seniorenresidenz in Hamburg-Othmarschen. Obwohl Heidi Kabel sich seit 2002 zunehmend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hatte, übernahm sie im Alter von 92 Jahren in Detlev Bucks Verfilmung „Hände weg von Mississippi“ eine kleine Rolle an der Seite ihrer Tochter Heidi Mahler.
Auch als Sängerin wurde Heidi Kabel bekannt. Sie nahm einige Schallplatten mit meist Hamburger Liedern auf. Die bekanntesten sind „ Hammonia – Mein Hamburg, ich liebe dich“, „In Hamburg sagt man Tschühüß“, „An de Eck steiht’n Jung mit’n Tüdelband“, „Hamburg ist ein schönes Städtchen“, „Tratschen, das tu ich nich“, „Der Junge von St. Pauli“, „Kleine Möwe, flieg nach Helgoland“ und „Ich bin die Oma aus dem Internet“, wobei Letzteres nur als Werbeslogan bekannt wurde.
Heidi Kabel war ebenfalls für ihr soziales Engagement bekannt. Sie sammelte 1992 im Hamburger Hafen Geld für die Aktion Sorgenkind und wandte sich 1994 mit einer Petition an den Hamburger Senat, um auf das Schicksal einer vor dem Krieg geflohenen und nun von Abschiebung bedrohten jugoslawischen Familie aufmerksam zu machen. Sie unterstützte unter anderem Hamburger Obdachlosenprojekte, das Kinderheim von St. Pauli und den Verein der Freunde des Tierparks Hagenbeck. Sie starb am 15. Juni 2010 im Alter von 95 Jahren. Die „Botschafterin des Herzens“ und „Göttin des trockenen Humors“ (Nachruf Hauke Brost in Bild, 25.6.2010) wurde auf dem Nienstedtener Friedhof in Hamburg neben ihrem Ehemann beigesetzt. Auf dem Grabstein steht eingemeißelt: To’n Leben hört de Dood.
Text: Cornelia Göksu und Rita Bake
Quellen:
1 Heidi Kabel: Manchmal war es nicht zum Lachen. Hamburg 1979, S 145.
2 Heidi Kabel, a. a. O., S. 166
3 Jens Meyer-Odewald: Abendblatt Serie über Heid Kabel, Teil 3: Familienmensch in guten und schlechten Zeiten, Hamburger Abendblatt vom 19.6.2010.
4 Heidi Kabel, a. a. O., S. 119.
5 Heidi Kabel, a. a. O., S. 121.
6 Heidi Kabel, a. a. O., S. 161.
7 Heidi Kabel, a. a. O., S. 174.
8 Heidi Kabel, a. a. O., S. 202ff.
9 Staatsarchiv Hamburg: Bestandsnummer: 131-14 Verbindungsstelle zur Militärregierung), Signatur der Archivguteinheit: III 1 Band 1 29.6.-29.9. Hinweis von Dr. Brigitta Huhnke, die diese Quelle recherchiert hat.
10 Heidi Kabel, a. a. a. O., S. 214f.
 

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Datenbank Hamburger Frauenbiografien

Frauen, die in Hamburg Spuren hinterlassen haben
(Datenbank Stand: Oktober 2019) Frauen stellen mindestens die Hälfte der Menschheit. Wenn es aber um Erinnerungen geht, sind es immer noch in der Mehrzahl Männer, die die Spitzenplätze einnehmen.

Hammonia

Hamburger Frauenbiografien-Datenbank

Erklärung zur Datenbank

Stand Oktober 2019: 1123 Kurzprofile von Frauen und 389 sonstige Einträge z. B. Vereine, Aktionen, Zusammenschlüsse und Überblicksdarstellungen zu Themen der Frauenbewegungen.

Zuletzt eingetragene Namen
Januar 2019 Erika Woisin, Christine Färber, Aracy Moebius de Carvalho, Charlotte Tauterat, Caroline Umlauff, Elvira Unglaube, Schwestern-Verein der Hamburgischen Staatskrankenanstalten, Clara Goldschmidt, Elsa Hopf, Dora Wenneker-Iven
Februar 2019 Demoiselle Conradi, Christine Reinhard, Erna Martens
März 2019 Klara Laser, Frieda Cordes, Johanne Günther, Eliza Wille
April 2019 Liselotte Strelow, Ruth Held
Mai 2019 Sozialverband VdK, Mädchentreff Schanzenviertel, Deutscher Frauenbund für alkoholfreie Kultur, Vera Jürs, Johanna Renate Wöhlke
Juni 2019 pro familia, Celly de Rheidt
Juli 2019 Rosa Bartl
September 2019 Mabel Wulff
Oktober 2019 Annelinde Töpel

Die Zahlen allein für Hamburg sind ernüchternd: ca. 2526 Straßennamen sind nach Männern benannt, gegenüber 420, die nach Frauen benannt wurden. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Anzahl der Denkmäler und Erinnerungstafeln. Auch bei Ehrungen und Auszeichnungen wird oft an IHN und nur wenig an SIE gedacht.

Trotz aller Leistungen von Frauen scheint die Erinnerung an sie schneller zu verblassen, sind die Archive und Netze der Erinnerung besonders löchrig - erweist sich die Wertschätzung weiblichen Wirkens als gering. Wie oft heißt es, wenn auch Frauen geehrt werden könnten:

„Uns ist dazu keine Frau von Bedeutung bekannt!“

Ein Argument, das in Zukunft keine Chancen hat, denn es gibt jetzt diese Datenbank. Eine Bank, die ihren Anlegerinnen und Anlegern hohe Renditen verspricht, denn das Kapital ist das historische Wissen. Geschöpft aus Archivmaterialien, Lexika, Zeitungsartikeln und –notizen, aus veröffentlichten Biografien, zusammengetragen und erforscht von Einzelpersonen etc., bietet die Datenbank die beste Voraussetzung für eine hohe gesellschaftliche Wirksamkeit - im Hinblick auf Geschlechtergerechtigkeit. Die Früchte dieser Datenbank sollen die Bedeutung von Frauen für Hamburgs Geschichte leicht zugänglich machen und selbstverständlich in den Alltag von heute tragen.

Was erwartet Sie?

Im Mittelpunkt stehen verstorbene Frauen, die in Hamburg gewirkt und/oder gewohnt und die Spuren hinterlassen haben. Das können Autorinnen, Schauspielerinnen, Wohltäterinnen, Kneipenwirtinnen, Politikerinnen, Wissenschaftlerinnen, bildende Künstlerinnen, Sängerinnen, Unternehmerinnen, Ärztinnen, Sozialarbeiterinnen, Juristinnen, Journalistinnen, Widerstandkämpferinnen gegen und Opfer des NS-Regime etc. sein – aber auch Täterinnen.

Wir stellen keineswegs nur „prominente“ Frauen oder hehre Vorbilder vor – sondern auch das Wirken und Leben der „kleinen Frau“ auf der Straße, die oft im Stillen gearbeitet hat, für die Familie, die Stadt, die Partei, die Kunst, für sich.

Darüber hinaus präsentieren wir Ihnen auch Orte, Einrichtungen, Vereine und Themen, die für Frauen von historischer Bedeutung waren und sind.

An dieser Datenbank wird kontinuierlich gearbeitet. Es werden laufend neue Namen und Rechercheergebnisse eingestellt.

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Die einzelnen Frauen sind in der Regel mit einer Adresse verzeichnet – für ihre Wohnung bzw. ihren Wirkungsort. Mehrere Umzüge und Ortswechsel können in der Regel nicht recherchiert werden.

Achtung: Die Namen und Verläufe von Straßen haben sich oft verändert. Wer wissen möchte, wo bestimmte Hausnummern heute zu finden sind, muss alte Stadtpläne oder u. U. Grundbucheintragungen einsehen. Es gibt beim Statistikamt Nord einen alte Kartei der so genannten "Hausnummerhistorien", in der sich alte und neue Hausnummern gegenüberstehen. Bei Umnummerierungen von Hausnummern aber auch bei Umbenennungen von Straßennamen kann hier eine raschere Auskunft möglich sein, als über den Vergleich von alten und neuen Lageplänen (freundliche Auskunft von Jörg-Olaf Thießen Staatsarchiv Hamburg). Wer dann noch nicht weiter kommt, sollte sich an das Staatsarchiv wenden. Viele Stadtpläne sind bereits online einsehbar.

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Verantwortlich für die Datenbank:

Dr. Rita Bake
stellvertretende Direktorin der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg a. D.
Gründerin des Gartens der Frauen auf dem Ohlsdorfer Friedhof

Die Datenbank wurde von ihr zusammengestellt und wird laufend von ihr ergänzt und erweitert.
Ein Teil der Frauenbiografien sind mit freundlicher Genehmigung von verschiedenen Autorinnen und Autoren verfasst worden. Die Namen der Autorinnen und Autoren finden Sie jeweils am Ende ihrer Beiträge. Es gibt auch eine Rubrik: Autorinnen und Autoren, in der Sie deren biografische Angaben finden.

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