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Frauenbios

Emilie Wüstenfeld

( Emilie Wüstenfeld, geb. Capelle )
(17.8.1817 in Hannover - 2.10.1874 in Hamm)
Gründerin des Paulsenstiftes (siehe Paulsenstiftschule), der ersten Gewerbeschule für Mädchen und Frauen und des Vereins zur Förderung weiblicher Erwerbstätigkeit, Mitbegründerin des Frauen-Vereins zur Unterstützung der Armenpflege, Mitbegründerin des Frauenvereins zur Unterstützung der deutsch-katholischen Gemeinde, Mitbegründerin des Sozialen Vereins zur Ausgleichung konfessioneller Unterschiede

Ohlsdorfer Friedhof: Althamburgischer Gedächtnisfriedhof: Grabplatte "Herausragende Frauen"
Holländischer Brook 15 (Wohnadresse)
Alsterarkaden 13 (Wohnadresse)
Holländischer Brook 25; Hochschule für das weibliche Geschlecht (Wirkungsstätte)
Großer Burstah 16: erste deutsche Gewerbeschule für Mädchen (Wirkungsstätte)
Emilie Wüstenfeld Gymnasium, Bundesstraße 78
Emilie Wüstenfeld, Foto aus: Marie Kortmann. Emilie Wüstenfeld. Hamburg 1927.
Emilie Wüstenfeld geb. Capelle wurde besonders durch ihr Engagement im Bereich der Armenpflege und durch das Bestreben, Frauen und Mädchen durch eine bessere Schulausbildung zu finanzieller Unabhängigkeit zu verhelfen, bekannt. Sie gründete das Paulsenstift und die erste deutsche Gewerbeschule für Mädchen.
Marie Emilie Capelle wuchs in Hannover mit ihren drei Geschwistern in einer Kaufmannsfamilie auf. Ihr Vater starb, als Emilie Capelle fünf Jahre alt war. Frau Capelle legte bei der Erziehung ihrer Töchter Marie, Emilie und Pauline großes Gewicht auf soziales Engagement und die Beherrschung aller Haushaltsgeschäfte. Die schulische Ausbildung an einer Bürgerschule wurde ergänzt durch Privatunterricht in den Fächern Zeichnen, Musik und Fremdsprachen. Daneben wurde im Hause Capelle auf einen ungezwungenen und respektvollen Umgang zwischen den Geschlechtern geachtet. 1841 heiratete Emilie Capelle im Alter von 24 Jahren den angesehenen Kaufmann Julius Wüstenfeld aus Hannoversch-Münden. Fast zur gleichen Zeit ging auch ihre Schwester Pauline den Bund fürs Leben ein. Sie heiratete Wilhelm Kortmann aus Dortmund. Beide Paare zogen nach Hamburg. Das Verhältnis der Schwestern war sehr eng. Pauline stand ihrer Schwester bei allen Unternehmungen unterstützend und beratend zur Seite. So wurde sie z. B. Ehrenvorsitzende des Frauen-Vereins zur Unterstützung der Armenpflege, den ihre Schwester zusammen mit Charlotte Paulsen gegründet hatte.
Noch nicht lange in Hamburg, mussten beide Paare den großen Brand von 1842 miterleben. Nach dieser Katastrophe zogen die Wüstenfelds in eine größere Wohnung am Holländischen Brook 15. Emilie Wüstenfeld bekam drei Kinder, die alle sehr kränklich waren.
Durch die weltweite kaufmännische Tätigkeit ihres Mannes bekam Emilie Wüstenfeld schnell Kontakt zu anderen Hamburger Kaufmannsfamilien und zu ausländischen Geschäftspartnern. Im Hause Wüstenfeld wurden neben der üblichen Geselligkeit, die in Kreisen des gehobenen Bürgertums gepflegt wurde, auch sozialkritische und revolutionär-liberale Themen diskutiert.
Bei einer Gesellschaft lernte sie Bertha Traun, die Frau eines Geschäftsfreundes, kennen, und gemeinsam wurden sie begeisterte Anhängerinnen der deutsch-katholischen Gemeinde. Emilie Wüstenfeld, die nach dem Tod zwei ihrer Kinder, außerhalb des Hauses eine Aufgabe gesucht hatte, hatte nun eine Vereinigung gefunden, mit der sie sich identifizieren konnte. Hier stand - im Gegensatz zum Amalie Sievekingschen Verein - die Nächstenliebe im Vordergrund, nicht die Forderung nach einem streng orthodoxen, nach kirchlichen Maßstäben ausgerichteten, Lebenswandel. Emilie Wüstenfeld hatte es sehr negativ berührt, als sie erleben musste, wie der Sievekingsche Verein einer armen Familie die Unterstützung versagte: "weil man ihren Glauben nicht für den rechten hielt. Ebenso erging es einer alten Frau, die an einem Sonntag von der besuchenden Dame durch das Fenster mit einer notwendigen Flickerei beschäftigt gesehen, gleich darauf aber bei ihrem Eintritt eifrig in der Bibel lesend gefunden wurde. Sie gab als Erklärung an, daß ihr die Unterstützung sonst entzogen würde, was auch wirklich geschah. So zog sich Emilie auch hier zurück, denn solche Engherzigkeit war nicht nach ihrem, alle Leidenden mit Barmherzigkeit umfassenden Sinn". ( Marie Kortmann: Emilie Wüstenfeld. Eine Hamburger Bürgerin. Hamburg 1927.)
Die Ziele der deutsch-katholischen Gemeinde überzeugten Emilie Wüstenfeld. Um die Gemeinde finanziell zu unterstützen, gründete am 10. Dezember 1846 Emilie Wüstenfeld zusammen mit Bertha Traun und weiteren Frauen den Frauenverein zur Unterstützung der deutsch-katholischen Gemeinde. Zwei Jahre später rief Emilie Wüstenfeld zusammen mit anderen Aktivistinnen des Frauenvereins, so z.B. mit der Christin Bertha Traun und der Jüdin Johanna Goldschmidt, den Sozialen Verein zur Ausgleichung konfessioneller Unterschiede ins Leben. Als 1849 auch in Hamburg die Gleichberechtigung der Juden erklärt wurde, gab Emilie Wüstenfeld ein Fest zu Ehren der anwesenden Jüdinnen.
Ein weiteres wichtiges Lebensprojekt von Emilie Wüstenfeld war: die Errichtung einer Hochschule für das weibliche Geschlecht. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten neben Emilie Wüstenfeld und Bertha Traun: Emma Isler, geb. Meyer, Elise Bieling, geb. Ström, Mathilde Seybold, geb. Mohrmann und Henriette Salomon, geb. Goldschmidt. Den Plan für solch eine Hochschule: "hatte [Johannes] Ronge [Prediger der Deutsch-Katholischen Gemeinde und späterer zweiter Ehemann von Bertha Traun] 1846 dem Breslauer Frauenverein vorgetragen, dem aber die zur Verwirklichung nötigen Finanzmittel fehlten. Ebenso wenig konnte der Züricher Professor Karl Fröbel, ein Neffe von Friedrich Fröbel, den von ihm ausgearbeiteten Entwurf einer weiblichen Hochschule realisieren, weil die Schweizer Behörden ihre Zustimmung verweigerten.“ (Ingeborg Grolle: "Auch Frauen seien zulässig". Die Frauensäule im Hamburger Rathaus. In: Rita Bake, Birgit Kiupel (Hrsg.):Auf den zweiten Blick" zum 100. Geburtstag des Hamburger Rathauses. Hamburg 1997, S. 90.)
Nun wollten Bertha Traun und Emilie Wüstenfeld Karl Fröbel als Leiter der Hochschule gewinnen. Deshalb reisten die beiden Frauen im September 1849 nach Zürich und nahmen Kontakt mit Fröbel und seiner Frau Johanna, geb. Küstner auf.
Das Kapital für die Hochschule sollte durch den Verkauf von Hochschulaktien aufgebracht werden, wobei die Ehemänner der Hochschulgründerinnen die ersten Käufer waren. Die spätere Finanzierung wollte man durch Pensions- und Kursgebühren ermöglichen. Vom Staat erhielt die Schule keine Unterstützung, war jedoch auf die Tolerierung durch staatliche Instanzen angewiesen.
Der Name "Hochschule" war sehr hoch gegriffen, handelte es sich doch vielmehr um eine Weiterbildung für Frauen in den "klassischen" frauenspezifischen Gebieten wie der Kindererziehung.
Am 1. Januar 1850 wurde die Hochschule, der ein Kindergarten als Praxisfeld angegliedert war, auf dem Holländischen Brook Nr. 25 eröffnet. Knapp zwei Jahre später jedoch musste die Schule aus zwei Gründen wieder geschlossen werden: Von Anfang an hatte die Schule im Kreuzfeuer der Kritik gestanden. Man fand sie zu freisinnig, da sie den Mädchen unabhängig von Konfession und sozialer Schicht eine gehobene Ausbildung ermöglichte. Amalie Sieveking, die selbst für eine Weiterbildung für Mädchen eintrat, warnte vor dieser Hochschule, weil hier der Geist des Antichristentums die Schülerinnen für seine Zwecke auszubeuten suche. Pamphlete, gedruckt in einer pietistischen Druckerei, schürten Ängste. Resultat solcher Verunglimpfungen: das Bürgertum schickte seine Töchter nicht mehr auf die Hochschule und die Sponsoren blieben aus.
Auch mit ihrer Einstellung zur Ehe verstießen Emilie Wüstenfeld und Bertha Traun gegen die herrschende Moral. Dass Bertha Traun sich scheiden ließ und Emilie Wüstenfeld diesen Schritt guthieß, sogar selbst Scheidungsabsichten hegte, stieß auf heftige Kritik. Emma Isler, ein Gründungsmitglied der Hochschule, schrieb tadelnd: "Frau Wüstenfeld billigte damals, was ihre Freundin that, war sie doch auch auf dem Punkt, eine Ehe zu lösen, in der sie nicht glücklich war. Darüber hätte Niemand ein Urtheil zugestanden; der Staat giebt das Mittel an die Hand, eine unglückliche Ehe zu trennen. Das hat Jeder mit sich und seinem Gewissen allein abzumachen, aber wenn jeder neuen Leidenschaft die Berechtigung zugestanden werden soll, die alte Treue zu verdrängen, so würde die Gesamtheit nicht gedeihen können, also unsittliche Zustände herbeigeführt werden. Frau Wüstenfeld wurde durch einen Freund von ihrem Entschluß zurückgebracht, aber das Auftreten beider Frauen traf starken Tadel, der sich auf ihre Unternehmungen übertrug und daran scheiterte die Hochschule. Die Freundinnen trennten sich, Frau Ronge folgte ihrem zweiten Mann nach England, wurde sehr unglücklich und starb nach einigen Jahren in Frankfurt." ( Ursula Randt: Die Erinnerungen der Emma Isler. o.O. 1986.)
Der Geldfluss der Gönner versiegte. Hinzu kam, dass nach dem Scheitern der bürgerlichen Revolution die Reaktion erstarkte und damit in der bürgerlichen Gesellschaft kaum mehr Platz für derartige demokratische Vorhaben war. Selbst Emilie Wüstenfelds Mutter wandte sich von ihrer Tochter ab. Zum endgültigen Ende der Hochschule kam es, als die meisten von auswärts Kommenden Lehrer wegen ihrer politischen Gesinnung aus Hamburg ausgewiesen wurden. Damit wurde Emilie Wüstenfelds Schule auf subtile Weise die Existenzgrundlage entzogen.
Gezeichnet vom Scheitern der Hochschule, dem Verbot der freisinnigen Vereinigungen und den an ihr nagenden Zweifeln an ihrer Ehe, verschlechterte sich Emilie Wüstenfelds Gesundheitszustand. In dieser Situation nahm sie 1852 eine Einladung der Ronges nach London an. Dort fand sie Erholung und konnte ihre angegriffenen Nerven kurieren. Eine Reise in die Schweiz tat das übrige. Gestärkt kehrte Emilie Wüstenfeld nach Hamburg in ihre Wohnung in den Alsterarkaden 13 zurück. Sie blieb bei ihrem Mann, kam seinem Wunsch, die familiären Verpflichtungen nicht zu vernachlässigen, nach, schaffte es aber dennoch, ihre Eigenständigkeit zu bewahren: "überreich an wechselvollen Pflichten, reich in dem Streben nach Belehrung und Vertiefung, reich vor allem in dem vielseitigen Wirken auf dem Gebiet der Wohlfahrtspflege. Sie verstand es, das Recht auf ihre eigene Persönlichkeit, das sie nicht aufgab, mit den zu keiner Zeit hintenan gesetzten Pflichten gegen die Familie zu verbinden. Fernerstehende konnten nicht begreifen, wie sie die Kraft und Zeit für ihre rastlose Tätigkeit fand, wenn nicht auf Kosten der Familie und Häuslichkeit. (...) Sie verstand es eben, durch eine gute Zeiteinteilung allen Anforderungen gerecht zu werden. Eine im Grunde gesunde, kräftige Natur kam ihr zu Hilfe. Überfiel sie des Nachmittags eine, wie sie es nannte, `peremtorische Müdigkeit`, so legte sie sich für 20 Minuten zum Schlafen hin. (...) Allerdings kamen wohl zuweilen rein konventionelle, gesellschaftliche Rücksichten etwas zu kurz bei ihr, niemand nahm es ihr aber übel," vermerkte Marie Kortmann über ihre Tante.
Nachdem Emilie Wüstenfeld ihr rebellisches Verhalten aufgegeben, sich mit ihrem Mann arrangiert und der Armenpflege zugewandt hatte (gemeinsam mit Charlotte Paulsen hatte sie 1849 - als Folge der bürgerlichen Revolution von 1848 - den Frauen-Verein zur Unterstützung der Armenpflege gegründet), äußerte sich Emma Isler sehr zufrieden über Emilie Wüstenfelds Lebensweg: "Frau Wüstenfeld hatte sich selbst gefunden, als sie es aufgab, ihr eigenes Glück zu suchen. Als die Erhebung von 48 niedergeschlagen war und die Verfolgung der Freiheitskämpfer begann, verdankte Mancher ihrer Energie und ihrem aufopfernden Muth die Freiheit in Amerika, dem jahrelange Kerkerhaft gedroht hatte. Als die politische Aufregung vorüber war, wendete sie sich ganz der Armenpflege zu und hier erst entwickelte sie ihre volle Bedeutung." ( Ursula Randt, a. a. O.)
Privat lebte Emilie Wüstenfeld sehr zurückgezogen. Ihre Fürsorge galt der gesundheitlich angeschlagenen Tochter, außerdem nahm Emilie Wüstenfeld eine Pflegetochter auf, die 12-jährige Marie Hartner (siehe unter: Marie Glinzer), die die erste Klasse der Vereinsschule besucht hatte. Nun hatte Emilie Wüstenfeld wieder zwei Kinder - ein Pflegekind und ihr eigenes - beide hießen Marie. Und noch eine weitere Hausgenossin wurde in dieser Zeit aufgenommen: Miß Emma Howard, die in Privathaushaltungen Englischunterricht erteilte.
Um 1856 kauften die Wüstenfelds ein Grundstück auf dem Hammer Deich. Obwohl sie ihre Stadtwohnung in den Alsterarkaden Nr. 13 behielten, verbrachte Emilie Wüstenfeld die meiste Zeit in ihrem Haus auf dem Lande. Hier betrieb Herr Wüstenfeld eine Blaufärberei, die Emilie Wüstenfeld übernahm, um ihren an Hypochondrie leidenden Mann zu beruhigen, der sich Sorgen um die finanzielle Seite des Unternehmens machte. Emilie Wüstenfeld übernahm die Blaufärberei, entließ den Chemiker und senkte so die Betriebskosten. Daneben beherbergte sie auch noch Vereinszöglinge, die in den Ferien zu ihr kamen und hilfsbedürftige Freunde und Fremde. Sie versuchte auch, Landaufenthalte für arme Kinder zu organisieren.
Da Emilie Wüstenfeld sich nicht scheute, Menschen zu helfen, die vom Staat wegen ihrer religiösen und politischen Gesinnung verfolgt wurden, hatte sie immer noch mit Schikanen von Seiten der Polizei zu rechnen.
Ende der 50er Jahre traf sich bei den Wüstenfelds das Komitee zur Förderung der Gewissensfreiheit, die die in den Grundrechten von 1848 festgeschriebene Glaubens- und Gewissensfreiheit zu verwirklichen versuchte. Bei der Statutenberatung traten allerdings scharfe ideologische Gegensätze zutage, die Emilie Wüstenfeld schwer belasteten: "Sie [Emilie Wüstenfeld], der Toleranz für die Überzeugungstreue Andersdenkender Herzenssache war, litt schwer darunter, um so mehr, als die Kämpfe nicht von außen kamen, sondern durch den Konflikt sich achtender Menschen; sie beklagte, daß die Deutschen so gründlich und übergewissenhaft seien, daß zwei gute, edle Menschen, die dasselbe wollten, vor lauter Gewissenhaftigkeit sich nicht einigen könnten." ( Marie Kortmann: Aus den Anfängen sozialer Frauenarbeit. Hamburg 1920.) Man kam dennoch zu einer erhofften Einigung.
Neben ihrem Engagement auf diesem Gebiet verfolgte Emilie Wüstenfeld ihren Plan, Frauen und Mädchen eine umfassendere Ausbildung zukommen zu lassen, weiter mit großem Eifer. Nach dem Tode von Charlotte Paulsen erfüllte Emilie Wüstenfeld ihr postum einen lang gehegten Wunsch: ein Haus, in dem ein Kindergarten und eine Schule untergebracht waren. Im Herbst 1866 wurde die Schule des Paulsenstiftes bei den Pumpen mit 300 Kindern eröffnet (siehe unter Paulsenstiftschule). Ihr angegliedert war ein Kindergarten, der nach den Fröbelschen Erziehungsmethoden arbeitete.
Ein Jahr später wurde im Paulsenstift eine Fortbildungsklasse für Mädchen eröffnet, die bereits ein weiteres Jahr darauf in größere Räumlichkeiten am Großen Burstah Nr. 16 umziehen musste und dort 1868 als erste deutsche Gewerbeschule für Mädchen eröffnet wurde. Um deren Finanzierung zu gewährleisten, hatte Emilie Wüstenfeld bereits am 18.2.1867 den Verein zur Förderung weiblicher Erwerbstätigkeit gegründet, dessen Vorsitzende sie wurde. Ihre umfangreichen und zielstrebig verfolgten Aktivitäten überzeugten schließlich auch den Senat, so dass Bürgermeister Kirchenpauer, die Senatoren Versmann und Petersen sowie einige Herren der Finanzabteilung ihr für den Bau eines größeren Schulgebäudes der Gewerbeschule für Mädchen, einen Bauplatz an der Brennerstraße Nr. 77 zuwiesen.
Jetzt gab es für Emilie Wüstenfeld nur noch eins: den Bau ihrer Schule. Selbst die Diagnose drohende Herzverfettung hielt sie nicht ab. Verzögert wurde ihr Bauvorhaben durch den deutsch-französischen Krieg (1870-1871), durch familiäre Schicksalsschläge - ihre Enkelkinder starben - und durch die höheren Baukosten nach Kriegsende, so dass die Schule erst Ende 1873 in Betrieb genommen werden konnte. Die Eröffnung der ersten deutschen Gewerbeschule für Mädchen in Hamburg, in der junge Frauen ausschließlich in Berufen ausgebildet wurden, die dem so genannten weiblichen Charakter der Frau entsprachen, war der Höhepunkt Emilie Wüstelfelds gesellschaftlichen Wirkens.
Das 25jährige Jubiläum des Frauenvereins war das letzte offizielle Ereignis, das Emilie Wüstenfeld miterlebte. Als sie mit ihrem Mann zur Kur in Marienbad weilte, erkrankte sie so ernsthaft, dass ihr die Ärzte jegliche Vereinstätigkeit untersagten. Sie aber konnte nicht innehalten. Ihr Freund Dr. Ree erkannte klar: "Frau Wüstenfeld wird keine Ruhe finden, sie müßte denn den Umgang mit sich selbst aufgeben." Am 2. Oktober 1874, im Alter von 57 Jahren, starb Emilie Wüstenfeld auf ihrem Landsitz in Hamm nach einem Schlaganfall.
1875, ein Jahr nach ihrem Tod, wurde die bis heute existierende Emilie Wüstenfeld Stiftung gegründet, deren Zweck es ist, Stipendien für bedürftige und strebsame Schülerinnen zu vergeben.
Text: Rita Bake
(Vgl.: Ingeborg Grolle: Demokratie ohne Frauen? Fraueninitiativen in Hamburg um 1848. In: Inge Stephan, Hans-Gerd Winter (Hrsg.): Heil über Dir, Hammonia, Hamburg 1992, S. 319-344.
Vgl.: Elke Kleinau: Die " Hochschule für das weibliche Geschlecht" und ihre Auswirkungen auf die Entwicklung des höheren Mädchenschulwesens in Hamburg. In: Zeitschrift für Pädagogik 36, 1990, Nr. 1.)
 

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Frauen, die in Hamburg Spuren hinterlassen haben
(Datenbank Stand: Oktober 2019) Frauen stellen mindestens die Hälfte der Menschheit. Wenn es aber um Erinnerungen geht, sind es immer noch in der Mehrzahl Männer, die die Spitzenplätze einnehmen.

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Hamburger Frauenbiografien-Datenbank

Erklärung zur Datenbank

Stand Oktober 2019: 1123 Kurzprofile von Frauen und 389 sonstige Einträge z. B. Vereine, Aktionen, Zusammenschlüsse und Überblicksdarstellungen zu Themen der Frauenbewegungen.

Zuletzt eingetragene Namen
Januar 2019 Erika Woisin, Christine Färber, Aracy Moebius de Carvalho, Charlotte Tauterat, Caroline Umlauff, Elvira Unglaube, Schwestern-Verein der Hamburgischen Staatskrankenanstalten, Clara Goldschmidt, Elsa Hopf, Dora Wenneker-Iven
Februar 2019 Demoiselle Conradi, Christine Reinhard, Erna Martens
März 2019 Klara Laser, Frieda Cordes, Johanne Günther, Eliza Wille
April 2019 Liselotte Strelow, Ruth Held
Mai 2019 Sozialverband VdK, Mädchentreff Schanzenviertel, Deutscher Frauenbund für alkoholfreie Kultur, Vera Jürs, Johanna Renate Wöhlke
Juni 2019 pro familia, Celly de Rheidt
Juli 2019 Rosa Bartl
September 2019 Mabel Wulff
Oktober 2019 Annelinde Töpel

Die Zahlen allein für Hamburg sind ernüchternd: ca. 2526 Straßennamen sind nach Männern benannt, gegenüber 420, die nach Frauen benannt wurden. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Anzahl der Denkmäler und Erinnerungstafeln. Auch bei Ehrungen und Auszeichnungen wird oft an IHN und nur wenig an SIE gedacht.

Trotz aller Leistungen von Frauen scheint die Erinnerung an sie schneller zu verblassen, sind die Archive und Netze der Erinnerung besonders löchrig - erweist sich die Wertschätzung weiblichen Wirkens als gering. Wie oft heißt es, wenn auch Frauen geehrt werden könnten:

„Uns ist dazu keine Frau von Bedeutung bekannt!“

Ein Argument, das in Zukunft keine Chancen hat, denn es gibt jetzt diese Datenbank. Eine Bank, die ihren Anlegerinnen und Anlegern hohe Renditen verspricht, denn das Kapital ist das historische Wissen. Geschöpft aus Archivmaterialien, Lexika, Zeitungsartikeln und –notizen, aus veröffentlichten Biografien, zusammengetragen und erforscht von Einzelpersonen etc., bietet die Datenbank die beste Voraussetzung für eine hohe gesellschaftliche Wirksamkeit - im Hinblick auf Geschlechtergerechtigkeit. Die Früchte dieser Datenbank sollen die Bedeutung von Frauen für Hamburgs Geschichte leicht zugänglich machen und selbstverständlich in den Alltag von heute tragen.

Was erwartet Sie?

Im Mittelpunkt stehen verstorbene Frauen, die in Hamburg gewirkt und/oder gewohnt und die Spuren hinterlassen haben. Das können Autorinnen, Schauspielerinnen, Wohltäterinnen, Kneipenwirtinnen, Politikerinnen, Wissenschaftlerinnen, bildende Künstlerinnen, Sängerinnen, Unternehmerinnen, Ärztinnen, Sozialarbeiterinnen, Juristinnen, Journalistinnen, Widerstandkämpferinnen gegen und Opfer des NS-Regime etc. sein – aber auch Täterinnen.

Wir stellen keineswegs nur „prominente“ Frauen oder hehre Vorbilder vor – sondern auch das Wirken und Leben der „kleinen Frau“ auf der Straße, die oft im Stillen gearbeitet hat, für die Familie, die Stadt, die Partei, die Kunst, für sich.

Darüber hinaus präsentieren wir Ihnen auch Orte, Einrichtungen, Vereine und Themen, die für Frauen von historischer Bedeutung waren und sind.

An dieser Datenbank wird kontinuierlich gearbeitet. Es werden laufend neue Namen und Rechercheergebnisse eingestellt.

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stellvertretende Direktorin der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg a. D.
Gründerin des Gartens der Frauen auf dem Ohlsdorfer Friedhof

Die Datenbank wurde von ihr zusammengestellt und wird laufend von ihr ergänzt und erweitert.
Ein Teil der Frauenbiografien sind mit freundlicher Genehmigung von verschiedenen Autorinnen und Autoren verfasst worden. Die Namen der Autorinnen und Autoren finden Sie jeweils am Ende ihrer Beiträge. Es gibt auch eine Rubrik: Autorinnen und Autoren, in der Sie deren biografische Angaben finden.

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