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Frauenbios

Hochschule für das weibliche Geschlecht

Holländischer Brook 25 (ehemals)
vergrößernVorderseite vom Holländischen Brook, Quelle: Staatsarchiv HamburgAm Holländischen Brook befand sich Mitte des 19. Jahrhunderts die Hochschule für das weibliche Geschlecht. Heute stehen hier die auch schon historischen Speicherbauten der HafenCity.
Ein Ziel der Pionierinnen der Frauenbewegung war, das „geistige und materielle Wohl“ von Mädchen und Frauen durch eine gute Ausbildung zu fördern. „Ausgehend von [ihren] beiden Frauenvereinen gründeten Wüstenfeld und ihre Mitstreiterinnen eine neue Assoziation, den ‚Hamburger Bildungsverein deutscher Frauen‘, der sich zum Ziel setzte, eine ‚Hochschule für das weibliche Geschlecht‘ einzurichten, in der junge Mädchen die Grundlagen der Fröbel’schen Pädagogik sowie einige Elementarfächer erlernen sollten.“ (Kirsten Heinsohn: Die Frauenfrage – ein Problem der Moderne, in: Rita Bake, Kirsten Heinsohn: „Man meint aber unter Menschenrechten nichts anderes als Männerrechte“. Zur Geschichte der Hamburger Frauenbewegung und Frauenpolitik vom 19. Jahrhundert bis zur Neuen Hamburger Frauenbewegung Ende der 1960er Jahre. Hamburg 2012, S.24.)
vergrößernRückseite vom Holländischen Brook um 1859, Quelle: Staatsarchiv HamburgDieses Projekt Emilie Wüstenfelds von einer Hochschule für das weibliche Geschlecht bot Frauen eine Weiterbildungsmöglichkeit in den „klassischen“ frauenspezifischen Gebieten wie der Kindererziehung. Am 1. Januar 1850 wurde die Hochschule, der ein Kindergarten als so genanntes Praxisfeld angegliedert war, eröffnet. Knapp zwei Jahre später musste die Schule jedoch wieder geschlossen werden: Von Anfang an hatte sie im Kreuzfeuer der Kritik gestanden. Man fand sie zu freisinnig, da sie den Mädchen unabhängig von Konfession und sozialer Schicht eine gehobene Ausbildung ermöglichte.
Auch mit ihrer Einstellung zur Ehe verstießen Emilie Wüstenfeld und ihre Mitstreiterin Bertha Traun gegen die herrschende Moral. Dass Bertha Traun sich scheiden ließ und Emilie Wüstenfeld diesen Schritt guthieß, sogar selbst Scheidungsabsichten hegte, stieß auf heftige Kritik. Der Geldfluss der Gönner versiegte. Hinzu kam, dass nach dem Scheitern der bürgerlichen Revolution von 1848 die Reaktion erstarkte und damit in der bürgerlichen Gesellschaft kaum mehr Platz für derartige demokratische Vorhaben war. Zum endgültigen Ende der Hochschule kam es, als die meisten von auswärts kommenden Lehrer wegen ihrer politischen Gesinnung aus Hamburg ausgewiesen wurden.
Die Schulleitung hatten der Pädagoge Karl Fröbel, Neffe des Gründers der Kindergärten Friedrich Fröbel, und dessen Ehefrau Johanna Fröbel geb. Küstner aus Breslau gehabt. Eine der Lehrerinnen der Hochschule für das weibliche Geschlecht war die Frauenrechtlerin und Schriftstellerin Freiin Malwida von Meysenbug (28.10.1816 Kassel – 26.4.1903 Rom). Ihr Vater, ein kurhessischer Hofmarschall und Staatsminister und ihre Brüder, in hohen Ämtern tätig, waren keine Anhänger der freiheitlich, bürgerlich-demokratischen Bestrebungen, die in der bürgerlichen Revolution von 1848 münden sollten. Malwida von Meysenbug wurde von ihrer Mutter in Musik, Literatur und Malerei ausgebildet. Nach dem Tod des Vaters im Jahre 1847 zog die kinderreiche „Restfamilie“ nach Detmold, wo Malwida von Meysenbug den Schriftsteller und Theologen T. Althaus, Verfechter der freiheitlich, bürgerlich-demokratischen Ideen, kennen lernte. Sie wandte sich vom religiösen Glauben und ihrer Familie ab, las Bettina von Arnims sozial engagierte Schriften und gründete 1847 in Detmold den Verein der Arbeit für Arme.
Zwischen Malwida von Meysenbug und Althaus entwickelte sich eine Liebesbeziehung. Doch zu Malwidas großer Enttäuschung wandte sich Althaus bald anderen Frauen zu. 1850 zog sie – begleitet von ihrer Mutter – nach Hamburg, um an der Hochschule für das weibliche Geschlecht Lehrerin zu werden und sich im Zuge der demokratischen Bestrebungen u. a. für eine bessere Mädchenbildung einzusetzen. Auch trat sie der Deutsch-Katholischen Gemeinde bei, aus deren Kreis die Hochschule entwickelt worden war. „Ich wußte, welch ein unendlich schönes Leben sich damals in den aufblühenden freien Gemeinden in Deutschland zu entwickeln begonnen hatte; ein Leben, wo die Kirche zur Schule geworden war, in welcher die höchsten ethischen Gesichtspunkte, frei von allem dogmatischen Zwang, für alle Fragen des Lebens entscheidend behandelt wurden; wo die menschliche Beziehung aller Stände zueinander eine wahrhaft humane Form erhalten hatte (...).“ [1] Malwida von Meysenbug wurde Mitglied im Frauen-Verein zur Unterstützung der Armenpflege und unterrichtete arme Kinder.
Nach dem Scheitern der Hochschule im Jahre 1852 zog sie im Mai desselben Jahres zu ihren Freundinnen nach Berlin. Dort suchte sie ihr jüngerer Bruder William auf, ein streng konservativer, kirchlich gesinnter Beamter, und versuchte sie, von ihrem – in seinen Augen – Irrweg abzubringen. Doch Malwida ließ sich nicht beirrren. Deshalb denunzierte sie ihr Bruder bei der Polizei, die daraufhin Malwidas Wohnung durchsuchte. Da Malwida von Meysenbug während der bürgerlichen Revolution von 1848 an einer Flugblattaktion beteiligt gewesen war und einen Briefwechsel mit den Führern der Revolution geführt hatte, drohte ihr die Verhaftung. Am 25.5. 1852 floh sie über Hamburg nach London. Dort traf sie ihre Freunde aus der 48-er Revolution wieder, so z. B. Bertha Traun. Malwida von Meysenbug verdiente mit Sprachunterricht ihren Lebensunterhalt. Ein Jahr später lernte sie den russischen Publizisten und Sozialisten Alexander Herzen kennen. Drei Jahre wohnte sie bei ihm und erzog seine Töchter. Dann zog sie nach Paris, wo sie zehn Jahre lebte und nach dem Tod ihrer Mutter im Jahre 1861, Olga, die Tochter von Alexander Herzen adoptierte. Nachdem Olga 1873 geheiratet hatte, zog Malwida von Meysenbug nach Italien. Die Wintermonate 1876/77 verbrachte sie mit Friedrich Nietzsche, den sie 1872 bei der Grundsteinlegung des Bayreuther Festspielhauses kennen gelernt hatte, und zwei seiner Freunde in Sorrent. 1877 ließ sie sich in Rom nieder, wo sie Romane, Erzählungen und Abhandlungen schrieb. Ihre letzten Lebensjahre verbrachte sie auf Ischia und in Rom. Ihre Hauptwerke sind die „Memoiren einer Idealistin“ (1876) und deren Nachtrag „Der Lebensabend einer Idealistin“ (1898). 1984 wurde in Kassel die Malwida von Meysenbug-Gesellschaft e.V. gegründet.
Text: Rita Bake
Anmerkung:
1 zit. nach: Rudolf Kayser: Malwida von Maysenbugs Hamburger Lehrjahre. In: Zeitschrift des Vereins für Hamburgische Geschichte. Bd. 28.
 

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Datenbank Hamburger Frauenbiografien

Frauen, die in Hamburg Spuren hinterlassen haben
(Datenbank Stand: Juli 2019) Frauen stellen mindestens die Hälfte der Menschheit. Wenn es aber um Erinnerungen geht, sind es immer noch in der Mehrzahl Männer, die die Spitzenplätze einnehmen.

Hammonia

Hamburger Frauenbiografien-Datenbank

Erklärung zur Datenbank

Stand Juni 2019: 1122 Kurzprofile von Frauen und 389 sonstige Einträge z. B. Vereine, Aktionen, Zusammenschlüsse und Überblicksdarstellungen zu Themen der Frauenbewegungen.

Tabelle der letzten Einträge.

Zuletzt eingetragene Namen
Januar 2019 Erika Woisin, Christine Färber, Aracy Moebius de Carvalho, Charlotte Tauterat, Caroline Umlauff, Elvira Unglaube, Schwestern-Verein der Hamburgischen Staatskrankenanstalten, Clara Goldschmidt, Elsa Hopf, Dora Wenneker-Iven
Februar 2019 Demoiselle Conradi, Christine Reinhard, Erna Martens
März 2019 Klara Laser, Frieda Cordes, Johanne Günther, Eliza Wille
April 2019 Liselotte Strelow, Ruth Held
Mai 2019 Sozialverband VdK, Mädchentreff Schanzenviertel, Deutscher Frauenbund für alkoholfreie Kultur, Vera Jürs, Johanna Renate Wöhlke
Juni 2019 pro familia, Celly de Rheidt
Juli 2019 Rosa Bartl

Die Zahlen allein für Hamburg sind ernüchternd: ca. 2526 Straßennamen sind nach Männern benannt, gegenüber 415, die nach Frauen benannt wurden. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Anzahl der Denkmäler und Erinnerungstafeln. Auch bei Ehrungen und Auszeichnungen wird oft an IHN und nur wenig an SIE gedacht.

Trotz aller Leistungen von Frauen scheint die Erinnerung an sie schneller zu verblassen, sind die Archive und Netze der Erinnerung besonders löchrig - erweist sich die Wertschätzung weiblichen Wirkens als gering. Wie oft heißt es, wenn auch Frauen geehrt werden könnten:

„Uns ist dazu keine Frau von Bedeutung bekannt!“

Ein Argument, das in Zukunft keine Chancen hat, denn es gibt jetzt diese Datenbank. Eine Bank, die ihren Anlegerinnen und Anlegern hohe Renditen verspricht, denn das Kapital ist das historische Wissen. Geschöpft aus Archivmaterialien, Lexika, Zeitungsartikeln und –notizen, aus veröffentlichten Biografien, zusammengetragen und erforscht von Einzelpersonen etc., bietet die Datenbank die beste Voraussetzung für eine hohe gesellschaftliche Wirksamkeit - im Hinblick auf Geschlechtergerechtigkeit. Die Früchte dieser Datenbank sollen die Bedeutung von Frauen für Hamburgs Geschichte leicht zugänglich machen und selbstverständlich in den Alltag von heute tragen.

Was erwartet Sie?

Im Mittelpunkt stehen verstorbene Frauen, die in Hamburg gewirkt und/oder gewohnt und die Spuren hinterlassen haben. Das können Autorinnen, Schauspielerinnen, Wohltäterinnen, Kneipenwirtinnen, Politikerinnen, Wissenschaftlerinnen, bildende Künstlerinnen, Sängerinnen, Unternehmerinnen, Ärztinnen, Sozialarbeiterinnen, Juristinnen, Journalistinnen, Widerstandkämpferinnen gegen und Opfer des NS-Regime etc. sein – aber auch Täterinnen.

Wir stellen keineswegs nur „prominente“ Frauen oder hehre Vorbilder vor – sondern auch das Wirken und Leben der „kleinen Frau“ auf der Straße, die oft im Stillen gearbeitet hat, für die Familie, die Stadt, die Partei, die Kunst, für sich.

Darüber hinaus präsentieren wir Ihnen auch Orte, Einrichtungen, Vereine und Themen, die für Frauen von historischer Bedeutung waren und sind.

An dieser Datenbank wird kontinuierlich gearbeitet. Es werden laufend neue Namen und Rechercheergebnisse eingestellt.

Wie nutzen Sie die Datenbank?

  • Sie kennen den Namen einer Frau – und möchten mehr wissen?
    Dann geben Sie den Namen ein. Sie finden: Wohn- bzw. Wirkungsstätte und mehr oder weniger ausführlich biografische Daten, ggf. mit Hinweisen auf weitere Veröffentlichungen, Webseiten.
  • Sie möchten wissen, wer in einer bestimmten Straße oder einem bestimmten Stadtteil/Bezirk gewohnt hat? Dann geben Sie den Straßennamen ein oder wählen einen Stadtteil oder Bezirk aus.
  • Sie interessieren sich für bestimmte Themen, Berufsgruppen, Orte/Gebäude, Vereine oder Institutionen, die im Zusammenhang mit Frauen eine Rolle spielen? Dann nutzen Sie das Schlagwortregister, die freie Suche oder das Namens-/Sachregister.

Die einzelnen Frauen sind in der Regel mit einer Adresse verzeichnet – für ihre Wohnung bzw. ihren Wirkungsort. Mehrere Umzüge und Ortswechsel können in der Regel nicht recherchiert werden.

Achtung: Die Namen und Verläufe von Straßen haben sich oft verändert. Wer wissen möchte, wo bestimmte Hausnummern heute zu finden sind, muss alte Stadtpläne oder u. U. Grundbucheintragungen einsehen. Es gibt beim Statistikamt Nord einen alte Kartei der so genannten "Hausnummerhistorien", in der sich alte und neue Hausnummern gegenüberstehen. Bei Umnummerierungen von Hausnummern aber auch bei Umbenennungen von Straßennamen kann hier eine raschere Auskunft möglich sein, als über den Vergleich von alten und neuen Lageplänen (freundliche Auskunft von Jörg-Olaf Thießen Staatsarchiv Hamburg). Wer dann noch nicht weiter kommt, sollte sich an das Staatsarchiv wenden. Viele Stadtpläne sind bereits online einsehbar.

Ihre Mitarbeit ist gern gesehen

Haben Sie Anregungen, Neuigkeiten, Ergänzungen?
Sind Ihnen neue Namen begegnet, hüten Sie alte Briefe, Akten etc., dann nehmen Sie gerne Kontakt auf:
Dr. Rita Bake,
Rita.Bake@hamburg.de

Verantwortlich für die Datenbank:

Dr. Rita Bake
stellvertretende Direktorin der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg a. D.
Gründerin des Gartens der Frauen auf dem Ohlsdorfer Friedhof

Die Datenbank wurde von ihr zusammengestellt und wird laufend von ihr ergänzt und erweitert.
Ein Teil der Frauenbiografien sind mit freundlicher Genehmigung von verschiedenen Autorinnen und Autoren verfasst worden. Die Namen der Autorinnen und Autoren finden Sie jeweils am Ende ihrer Beiträge. Es gibt auch eine Rubrik: Autorinnen und Autoren, in der Sie deren biografische Angaben finden.

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