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Friedrich von Behren

(27.3.1883 Bremen - 4.10.1964)
Schulleiter des Reformrealgymnasiums Wilhelmsburg, Mitarbeiter des Rassenpolitischen Amtes
Lessingstraße 95 (Wohnadresse 1938)

Dr. Hans-Peter de Lorent hat über Friedrich von Behren ein Portrait verfasst, das in Hans-Peter de Lorents Buch: Täterprofile. Die Verantwortlichen im Hamburger Bildungswesen unterm Hakenkreuz. Band. 3. Hamburg 2019 erschienen und im Infoladen der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg erhältlich ist. Hier der Text:

„Als Mitarbeiter des Rassenpolitischen Amtes behandle ich seit Jahren auf der Gauschulungsburg in Uelzen (früher Steinbeck) Erbbiologie, deutsche Rassenpflege und Bevölkerungspolitik.“
Eine facettenreiche Persönlichkeit war offenbar Friedrich von Behren, der schon 1927 in Wilhelmsburg zum Schulleiter ernannt worden war, erst an der Realschule, später an dem Lyzeum, bzw. der Oberschule für Jungen und Mädchen. In dieser Funktion blieb er bis 1945. Er war 1933 NSDAP-Mitglied geworden und in die SA eingetreten. Er fungierte als Redner zu rassebiologischen Themen, leitete als Chemiker eine Untersuchung von Kampfmittelstoffen und war für diverse andere Positionen im Gespräch. Trotzdem bescheinigten ihm auch Nichtparteigenossen an seiner Schule nach 1945, ein fairer Schulleiter gewesen zu sein, der sich gegen Bestrebungen der Partei und der HJ stets gewehrt habe.
Friedrich von Behren wurde am 27.3.1883 in Bremen als Sohn eines „königlichen Zugführers“ geboren. Er besuchte die Schule in Osnabrück und legte Ostern 1903 an dem dortigen Realgymnasium die Reifeprüfung ab. Anschließend studierte er in Göttingen und München Chemie und Biologie. Schon am 24.10.1906 promovierte er in Göttingen, am 26.2.1907 wurde er zur Prüfung für das Lehramt an höheren Schulen zugelassen und erhielt zur schriftlichen Bearbeitung die Aufgabe: „Häckels Weltanschauung dargestellt und beurteilt“. Am 8.11.1907 bestand er die mündliche Prüfung und damit das erste Staatsexamen.[1]
Nachdem Friedrich von Behren anschließend seiner einjährigen Wehrverpflichtung nachgekommen war, bewarb er sich an der Realschule Wilhelmsburg darum, dort das Probejahr abzuleisten, was er erfolgreich absolvierte, um dann zum 31.1.1910 als Oberlehrer bestellt zu werden.[2]
Damit begann eine einzigartige regionale Schulkarriere, die erst 1945 in Wilhelmsburg endete. Von den einzelnen Stationen soll noch berichtet werden.
Zur persönlichen Situation Friedrich von Behrens noch ein paar Hinweise. Unterbrochen wurde seine Oberlehrertätigkeit durch den Kriegsdienst, mit einer schweren Kriegsverwundung 1915/1916 und keiner sonderlichen Karriere im kaiserlichen Heer. Er war Unteroffizier und am Ende des Krieges Vize-Feldwebel.[3]
Parallel dazu geriet von Behren in Turbulenzen. Seine Ehe mit drei Kindern wurde geschieden, mit der Folge, dass er sich auch in wirtschaftlichen Schwierigkeiten befand.[4]
Beruflich war er auf der Erfolgsspur. Als am Wilhelmsburger Lyzeum eine neu eingerichtete Studiendirektorenstelle besetzt werden sollte, entschied sich das Kuratorium für Friedrich von Behren und bestellte ihn einstimmig zum Direktor. Es wurde vermerkt, „dass er als Oberlehrer mit großem Erfolg zur Zufriedenheit des Kuratoriums und der Elternschaft an der höheren Mädchenschule gewirkt habe. Auch an der Realschule hat er ausgezeichnete Unterrichtserfolge erzielt. Herr von Behren ist ein Lehrer, der nur für die Schule lebt und mit der Elternschaft ständig in Fühlung steht. Das Kuratorium hält ihn daher zur Bekleidung einer Direktorstelle für durchaus geeignet.“[5]
Am 29.4.1927 fand die feierliche Einführung des neuen Studiendirektors des Lyzeums in Wilhelmsburg statt, von der die „Wilhelmsburger Zeitung“ am 30.4.1927 berichtete. In seiner Ansprache hatte Geheimrat Dr. Gerlach für das Provinzialschulkollegium in Hannover „der zuversichtlichen Hoffnung Ausdruck gegeben, dass das Lyzeum unter der neuen Leitung blühe, wachse und gedeihe“.[6]
Auch die persönlichen Verhältnisse von Friedrich von Behren hatten sich konsolidiert, er war erneut verheiratet und Vater einer Tochter geworden.[7]
Weiterhin erfreute sich von Behren großer Wertschätzung. Am 12.10.1931 wurde darüber nachgedacht, ihn zum Direktor des Wasserwerks in Wilhelmsburg zu machen. Von Behren hatte sich durch seine Führungskompetenz und seine Expertise als Chemiker und Biologe dafür profiliert. In einem vertraulichen Schriftwechsel teilte Senator Dietz dem Harburger Oberbürgermeister Dr. Dudek mit:
„Soweit ich die Einstellung des Herrn Dr. von Behren kenne, wird er grundsätzlich bereit sein, die Stelle des Direktors der Gas- und Wasserwerke zu übernehmen. Wir würden ihm bei Übernahme der Stelle voraussichtlich jedoch ein höheres Gehalt zubilligen müssen, als er zur Zeit als Direktor des Lyzeums hat.“[8]
Am Ende wurde anders entschieden. Der Magistrat bot von Behren an, die Direktoren-Stelle am Reformrealgymnasium im Wilhelmsburg kommissarisch zu übernehmen.[9]
Von Behren blieb Studiendirektor, bekam aber ab dem 1.4.1934 eine verdoppelte Amtszulage von 1200 Reichsmark im Jahr.[10]
In seinem Entnazifizierungsfragebogen vom 30.9.1946 gab er wahrheitswidrig an, seit dem 1.4.1932 Oberstudiendirektor gewesen zu sein.[11] Das wäre für ihn nützlich gewesen, da diese Beförderung vor der NS-Zeit datiert gewesen wäre und nichts mit seiner Mitgliedschaft in der NSDAP zu tun gehabt hätte. Richtig war allerdings, dass er zwar eine Amtszulage erhalten hatte, aber nach wie vor Studiendirektor geblieben war.
Friedrich von Behren trat am 1.5.1933 in die NSDAP ein. Er wurde gleichzeitig Mitglied der SA und ein Jahr später auch im NSLB und der NSV.
Zusätzlich war er Mitglied im Reichskolonialbund seit 1936 und auch im NS-Reichskriegerbund, der aus dem Kriegerverein hervorgegangen war, dem von Behren seit 1928 angehörte.[12]
Während er in der NSDAP keine exponierte Funktion innehatte, war er Obertruppführer in der SA. Auch ansonsten zeigte er sich rührig. So wurde er am 16.5.1936 für eine Tagung der Reichsrednerschule für fünf Tage beurlaubt.
Am 4.1.1938 schrieb von Behren seinem Oberschulrat Wilhelm Oberdörffer und trug folgendes Anliegen vor:
„Als Mitarbeiter des Rassenpolitischen Amtes behandle ich seit Jahren auf der Gauschulungsburg in Uelzen (früher Steinbeck) Erbbiologie, deutsche Rassenpflege und Bevölkerungspolitik. Die Tätigkeit erfordert alle vier Wochen einen vollen Tag. Sie ist ehrenamtlich, es werden nur die reinen Fahrtkosten ersetzt. Der Schulbetrieb erleidet keine Schädigung, da meine Unterrichtsstunden ohne Schwierigkeiten durch Vertauschung in der betreffenden Woche nachgeholt werden. Die Tätigkeit an der Gauschulungsburg macht mir viel Freude. Ich bitte deshalb um die Genehmigung, sie auch in Zukunft weiterführen zu dürfen.“[13] „Genehmigt“, vermerkte OSR Oberdörffer.[14]
In einer Anlage zu dem Entnazifizierungs-Fragebogen musste von Behren Aussagen machen zu seinen Reden und Veröffentlichungen.
„In den Jahren 1934 bis Anfang 1939 habe ich folgende Vorträge gehalten: In der Ortsgruppe der NSDAP in Wilhelmsburg einen Vortrag über das Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses. In der Ortsgruppe Harburg-Wilhelmsburg des NSLB zwei Vorträge über das Thema: Rassenpflege und Weltanschauung. In der Ortsgruppe Lüneburg des NSLB 2 Vorträge über dasselbe Thema. Ferner habe ich alle ein bis zwei Monate einmal in der Gauschule Steinbeck, später Uelzen, über Erbbiologie gesprochen. Dasselbe Thema habe ich in einigen Ferienlagern im Rahmen des NSLB behandelt. Die Daten dieser Vorträge sind mir nicht mehr in Erinnerung.“[15]
Auch damit war Friedrich von Behren zweifellos schwer belastet. Es ist leicht vorstellbar, welche Positionen von ihm dabei vertreten wurden. Ich habe in den ersten beiden Bände der „Täterprofile“ in den Biografien der beiden Verantwortlichen im Hamburger NSLB zum Thema Rassenpolitik und Erbbiologie, August Hagemann und Harry Garms, dargestellt, was dazu in dieser ideologisch zentralen Frage im NSLB vertreten wurde.[16] Es wird interessant sein, dies mit den Einlassungen von Friedrich von Behren nach Ende der NS-Zeit zu konfrontieren.
Bemerkt werden muss noch, dass von Behren nicht erneut zum Militärdienst eingezogen worden war. Eingesetzt wurde er allerdings als Leiter der Untersuchungsstelle 113 für Kampfstoffe.[17]
Am 1.4.1939 war er zum Oberstudiendirektor befördert worden und das letzte Jahr vor dem Ende des Nationalsozialismus verbrachte er mit Schülern und Lehrern seiner Schule ein Jahr lang als Leiter von KLV-Lagern in Böhmen und Mähren und in Gössweinstein.[18]
So war er noch gar nicht wieder in Hamburg, als er von Senator Heinrich Landahl am 28.6.1945 von seiner Schulleiterfunktion suspendiert wurde.[19] Am 10.8.1945 wurde er beauftragt, an den Schulakten seiner Schule als Studienrat zu arbeiten. Am 30.8.1945 wurde er entlassen.[20]
Es begann ein interessantes Entnazifizierungsverfahren. Interessant deshalb, weil, trotz der formalen Belastung von Friedrich von Behren, die Tatsache zu bewerten war, dass man ihn bereits 1927 in Wilhelmsburg als Schulleiter und Studiendirektor bestellt hatte und sich Lehrer und Eltern seiner Schule sowie Wilhelmsburger Bürger zu Wort meldeten, die ein unvermutetes Bild des Schulleiters Friedrich von Behren zeichneten, das noch mehr Gewicht dadurch bekam, weil alle betonten, niemals Mitglied der NSDAP gewesen zu sein. Sie schrieben an die Britische Militärregierung:
„Die unterzeichneten Eltern von Schülern, ehemaligen Schülern und Lehrkräfte der Oberschule in Hamburg-Wilhelmsburg haben mit großem Bedauern von der Entlassung des Oberstudiendirektors Dr. von Behren aus seiner Dienststellung als Folge seiner Betätigung in der NSDAP und deren Gliederungen Kenntnis genommen, und bei ihnen ist der Wunsch laut geworden, ob es nicht möglich sei, sein hartes Los in irgendeiner Form zu mildern.
Es ist in Wilhelmsburg allgemein bekannt, dass Herr Dr. von Behren sein Amt mit peinlicher Gewissenhaftigkeit und Pflichttreue verwaltet hat. Er war unermüdlich im Dienst und zu jeder Zeit – auch unter den früheren Regierungen – ein gewissenhaft treuer Diener des Staates, und gerade diese Eigenschaft seines Wesens hat ihm wohl 1933 zur Pflicht gemacht, als Leiter der Oberschule der NSDAP beizutreten und in einer ihrer Gliederungen zu arbeiten. Dabei mögen auch Zweckmäßigkeitsgründe eine Rolle gespielt haben, da bei Meinungsverschiedenheiten zwischen Schulleitung, Partei und HJ ein nicht der Partei angehörender Schulleiter leicht in Verdacht gekommen wäre, gegen die Partei respektive die HJ zu intrigieren. Zu seinen Gunsten muss dabei hervorgehoben werden, dass er jederzeit bereit und bemüht war, seinen Standpunkt auch gegen den Willen der Partei respektive HJ durchzusetzen und dass er auf die Kollegen niemals einen Druck ausgeübt hat, in die Partei einzutreten. Es muss hier ausdrücklich betont werden, dass das ausschließliche Interesse des Herrn Dr. von Behren der Förderung der Schüler und dementsprechend der unterrichtlichen Tätigkeit galt und dass alle anderen Belange für ihn keine maßgebende Rolle spielten. Es ist daher auch wohl nicht verwunderlich, dass er bei Eltern und Schülern als hervorragender Pädagoge in hohem Ansehen stand.
Seine Mitarbeit bei der Partei und deren Gliederungen hat sich, soweit es uns bekannt geworden ist, ganz sicher nur auf das dienstlich Notwendige beschränkt, und die Übernahme eines Dienstgrades als Obertruppführer bei der SA war im Laufe der Zeit wohl mehr zwangsläufig als auf eigenen Ehrgeiz zurückzuführen. Es ist daher wohl anzunehmen, dass unter dem Eindruck der traurigen Ereignisse des letzten Jahres seine schon immer vorhandenen Bedenken in Bezug auf die schulische und auch anderweitige Auswirkung des Einflusses der Partei und ihrer Gliederungen soweit gewachsen waren, dass er – auch ohne seine Entlassung – grundsätzlich von ihrer verderbenbringenden Wirkung überzeugt gewesen wäre.
Es wäre wünschenswert, wenn eine fachlich so hervorragende Lehrkraft der Jugend unseres Volkes noch ein paar Jahre erhalten bleiben könnte. Wir bitten daher, seine Angelegenheit noch einmal einer wohlwollenden Prüfung zu unterziehen, und sind überzeugt, dass unter Berücksichtigung des oben Ausgeführten unter Umständen eine mildere Beurteilung statthaben wird.“[21]
Ziemlich viele Vermutungen, aber auch ein interessanter Hinweis. Offenbar waren die unterschreibenden Nicht-Parteigenossen froh gewesen, mit Friedrich von Behren einen in ihren Augen vernünftiges und durchsetzungsfähiges Parteimitglied als Abschirmung gegenüber der NSDAP und der HJ gehabt zu haben. Ob sie Einblicke in von Behrens Verstrickung in den Nationalsozialismus hatten, darf bezweifelt werden.
Die Entnazifizierungsausschüsse hingegen kannten von Behrens Personalakte. Darin hatte OSR Karl Züge am 15.8.1944 noch über von Behren notiert: „Politisch ist er ein überzeugter Nationalsozialist und seit 1933 in der SA (Truppführer).“[22]
Zum Glück für Friedrich von Behren gab es sogar im Beratenden Ausschuss für das höhere Schulwesen ein Mitglied, das in der NS-Zeit in seinem Kollegium gearbeitet hatte:
„Unser Frl. Broscheit hat unter ihm gearbeitet. Er war in der Schulleitung Autokrat, aber kein politischer Aktivist. Die beigefügten Gutachten von zwei Studienräten liegen in derselben Linie. Der Ausschuss glaubt daher, seine Pensionierung mit der ganzen oder teilweisen Pension eines Studienrats empfehlen zu können“, schrieb der Ausschuss unter Leitung von Johann Helbig am 7.2.1947.[23]
Friedrich von Behren hatte selbst am 14.10.1946 ausführlich Stellung genommen und darauf hingewiesen, dass er 36 Jahre lang in Wilhelmsburg als Studienrat und Schulleiter aktiv gewesen war. Diesen Schulen habe seine „ganze Lebensarbeit gegolten“.[24]
Er verwies darauf, bis zum Jahre 1930 keiner Partei angehört zu haben. „Durch meine Tätigkeit in der Schule und meine Betätigung außerhalb der Schule als Berater in Kleingartenangelegenheiten u. s. w. kam ich viel mit Angehörigen aller Parteirichtungen, besonders auch der Linksparteien, die in Wilhelmsburg als Fabrikort stark vertreten waren, zusammen und stand mit ihnen in gutem Einvernehmen. Als 1927 eine Volkshochschule gegründet wurde, wurde ich ihr Leiter. Es entstand dadurch die Meinung, dass ich einer der Linksparteien angehöre. Als ich mich 1933 bei dem damaligen Ortsgruppenleiter S. Kopittke zur Aufnahme in die NSDAP meldete, lehnte man deswegen zunächst meine Aufnahme ab. Auf meinen erneuten Antrag hin machte man die Genehmigung abhängig von dem Eintritt in die SA. So kam ich zur SA-Reserve. Angehöriger der aktiven SA bin ich nicht gewesen. Seit Ende 1939 war ich von der SA beurlaubt, weil ich als Chemiker zum Leiter einer Kampfstoffuntersuchungsstelle berufen wurde. Diese Beschäftigung nahm alle freie Zeit neben meiner beruflichen Tätigkeit in Anspruch. In der SA-Reserve sah ich lediglich eine Vereinigung von Männern zur Pflege des Sport es und der Kameradschaft.
Wenn ich in den Jahren nach 1933 im Lehrerbund (zweimal), in Ortsgruppen (zweimal) und an der Gauschule in Uelzen einige Vorträge gehalten habe, so darf ich dazu folgendes sagen. Ich bin nicht beauftragter Redner der Partei oder gar Propagandaredner gewesen, gehörte also auch nicht zum Stabe irgendeiner Parteiorganisation. Als Propagandaredner wäre ich auch als Wissenschaft ler völlig ungeeignet gewesen. Ich habe in meinen Vorträgen die Grundzüge der Vererbungslehre als Lehrer der Biologie soweit behandelt, als ihre Ergebnisse wissenschaftlich unbestritten und auch in anderen Ländern, besonders der USA (durch Morgan und seine Schule), wesentlich gefördert sind. Meinen Ausführungen über Rassenhygiene lagen die Arbeiten des Engländers Galton, des deutschen Sozialisten Grothjahn und Karl Valentin Müller und des Jesuitenpaters Hermann Muckermann (in seinem Werk ‚Kind und Volk‘) zu Grunde. Von den furchtbaren Verbrechen, wie sie der Nürnberger Prozess enthüllt hat, war mir nichts bekannt. Als im Jahre 1940 ein Reichsredner in einer öffentlichen Ortsgruppenversammlung von der Vernichtung lebensunwerten Lebens sprach (wenn ein Kind mit schweren körperlichen oder geistigen Fehlern geboren wird, so ‚geben wir ihm eine Spritze‘) und sich eines Teils der Zuhörer eine berechtigte Erregung bemächtigte, wandte ich mich an die hiesige Kreisleitung mit der Bitte um Auskunft, ob das die Auffassung der Partei sei. Es wurde bestritten. Für mich war die Tötung lebensunwerten Lebens Mord, und ich war der Überzeugung, dass das auch die Ansicht in den maßgebenden Stellen der Partei war.“[25]
Im Weiteren schilderte von Behren Konflikte mit der HJ und einem „faulen Hausmeister“, der ein „alter Kämpfer“ gewesen sei, „ein fauler Nutznießer der Partei, der seinen Dienst in jeder Beziehung vernachlässigte“. Einem Parteigerichtsverfahren sei von Behren nur wegen seines Überganges mit Kindern der Schule in die KLV entgangen. Unterlagen könne er beibringen.[26]
Wenn diese für ihn entlastend gewesen wären, hätte er das sicherlich proaktiv getan. So blieb es bei den üblichen Schilderungen von Auseinandersetzungen insbesondere mit der HJ, wie sie nahezu jeder Schulleiter einer höheren Schule im Entnazifizierungsverfahren vorbrachte, der sich von den Funktionären der Hitlerjugend nicht in die Führungsgeschäfte der Schule hineinreden lassen wollte.
Bemerkenswert noch: „Die Judenpolitik des Nationalsozialismus habe ich nie verstanden und nicht mitgemacht. In der Schule habe ich sie stets wie die anderen Schüler behandelt und als die Entfernung von Schülern jüdischen Blutes oder mit jüdischem Einschlag von der Schulverwaltung verfügt wurde, habe ich sie gehalten, solange ich könnte.“[27]
Das mag subjektiv so gewesen sein, die Frage bleibt nur, was genau von Behren in seinen rassepolitischen und erbbiologischen Vorträgen gesagt hatte und ob er sich der Konsequenzen dieser ideologischen Positionen bewusst gewesen war.
Der Berufungsausschuss 17 für die Ausschaltung von Nationalsozialisten unter Leitung von Rechtsanwalt Soll, der für milde Urteile bekannt war, stufte von Behren in die Kategorie IV ein und entschied, der Berufung stattzugeben mit der Maßgabe, ihn wieder als Studienrat zu beschäftigen. Der Ausschuss betrachtete ihn nicht als Aktivisten, „hielt ihn aber als Obertruppführer in der SA-Reserve als Studiendirektor beziehungsweise Oberstudiendirektor nicht für tragbar“.[28]
Aufgrund der massenhaften Verfahren zog sich die Entscheidung auch für Friedrich von Behren hin. Am 13.1.1948, kurz vor seinem 65sten Geburtstag, schrieb er an Oberschulrat Heinrich Schröder. Ihm war offenbar mitgeteilt worden, dass er weder mit einer Wiedereinstellung noch mit einer Pension rechnen könne. Nach 36 Jahren im Schuldienst fand er dies bitter und schwer erträglich und fragte bei dem Personalreferenten für die höheren Schulen an, „ob Sie mich nicht irgendwo als Studienrat einsetzen können, damit es mir später möglich ist, in den Genuss einer Pension zu kommen“.[29]
Friedrich von Behren hatte in der Zwischenzeit als Hilfsarbeiter in der Baustoff-Firma des Vaters einer ehemaligen Schülerin seiner Schule gearbeitet, bei Max Croonen, der sich am 14.11.1945 für von Behren in einem Schreiben an die Schulbehörde eingesetzt hatte. Er habe als Vater vielfach mit dem Schulleiter von Behren gesprochen und den Eindruck gewonnen, „dass dieser sich mit ,seinen Ansichten in krassem Gegensatz zu den Richtlinien der Partei bewegte“.[30]
Heinrich Schröder antwortete von Behren am 19.1.1948, „dass ihm nichts in Aussicht gestellt werden kann, er werde prüfen, ob eine Pension gewährt werden könne“.[31]
Offenbar gelang es Heinrich Schröder, Friedrich von Behren eine Einstellung als Studienrat zu ermöglichen. Dieser wurde am 1.4.1948 der Schule Armgartstraße zugewiesen. Schon am 21.12.1948 trat von Behren dann in den Ruhestand und erhielt anschließend die Pension eines Studienrates.[32]
Von Behren unternahm am 28.3.1951 noch einmal den Versuch, die Pension eines Oberstudiendirektors zugesprochen zu bekommen.[33] Der Leitende Ausschuss prüfte nach, wann von Behren zum Oberstudiendirektor berufen worden war und stellte fest, dass er in seinen Entnazifizierungs-Fragebögen eine falsche Angabe gemacht hatte und dass er nicht vor der NS-Zeit, wie behauptet, 1932, sondern am 1.4.1939 von den Nationalsozialisten befördert worden war und lehnte die Zuerkennung einer Pension als Oberstudiendirektor ab.[34]
Versöhnlich war das Glückwunschschreiben anlässlich von Behrens 80. Geburtstag, in dem Landesschulrat Ernst Matthewes ihm für die „langjährigen treuen Dienste“ dankte und schrieb:
„Anlässlich eines Besuchs im Gymnasium Wilhelmsburg lernte ich Ihre Enkelin kennen, die dort die Schule besucht. Die Verbindung zu dem Gymnasium in Wilhelmsburg, an dem Sie so lange erfolgreich gewirkt haben, bleibt Ihnen also durch dieses erfreuliche Band erhalten.“[35]
Friedrich von Behren starb am 4.10.1964.[36]
Text: Hans-Peter de Lorent

Anmerkungen
1 Alle Angaben laut Personalakte von Behren, StA HH, 361-3_A 1639
2 Ebd.
3 Ebd.
4 Ebd.
5 Schreiben des Magistrats der Stadt Wilhelmsburg vom 13.11.1926, Personalakte a. a. O.
6 „Wilhelmsburger Zeitung“ vom 30.4.1927.
7 Personalakte a. a. O.
8 Schreiben vom 7.11.1931, Personalakte a. a. O.
9 Schreiben vom 11.3.1932, Personalakte a. a. O.
10 Schreiben vom 2.5.1932, Personalakte a. a. O.
11 Entnazifizierung Fragebogen von Behren in seine Entnazifizierungsakte, StA HH, 221-11_1052
12 Ebd.
13 Schreiben vom 4.1.1938, Personalakte a. a. O.
14 Ebd. Siehe auch die Biografie Wilhelm Oberdörffer, in: Hans-Peter de Lorent: Täterprofile Bd. 1, Hamburg 2016, S. 528 ff.
15 Entnazifizierungsakte a. a. O.
16 Siehe die Biografie Harry Garms, in: de Lorent 2016, S. 362 ff. Siehe auch die Biografie August Hagemann, in: Hans-Peter de Lorent: Täterprofile Bd. 2, Hamburg 2017, S. 344 ff.
17 Personalakte a. a. O.
18 Personalakte a. a. O.
19 Personalakte a. a. O.
20 Personalakte a. a. O.
21 Schreiben vom Dezember 1945, Entnazifizierungsakte a. a. O.
22 Entnazifizierungsakte a. a. O. Siehe dazu die Biografie Karl Züge in: de Lorent 2016, S. 385 ff.
23 Beratender Ausschuss vom 7.2.1947, Entnazifizierungsakte a. a. O.
24 Gesuch des Dr. Friedrich von Behren um Überprüfung seiner Entlassungsgründe, vom 14.10.1946, Entnazifizierungsakte a. a. O.
25 Ebd.
26 Ebd.
27 Ebd.
28 Berufungsausschuss vom 19.9.1947, Entnazifizierungsakte a. a. O.
29 Schreiben vom 13.1.1948, Personalakte a. a. O.
30 Schreiben vom 14.11.1945, Entnazifizierungsakte a. a. O.
31 Antwort von Heinrich Schröder vom 19.1.1948, Personalakte a. a. O.
32 Personalakte a. a. O.
33 Entnazifizierungsakte a. a. O.
34 Entnazifizierungsakte a. a. O.
35 Glückwunschschreiben vom 26.3.1963, Personalakte a. a. O.
36 Personalakte a. a. O.
 

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Die Dabeigewesenen

Aufsätze

Erklärung zur Datenbank

Stand August 2021: 880 Kurzprofile und 279 sonstige Einträge.

Diese Datenbank ist ein Projekt in Fortsetzung (work in progress). Eine Vollständigkeit ist niemals zu erreichen. Sie startete online im Februar 2016 mit rund 520 Profilen und mehr als 200 weiteren Einträgen und wird laufend ergänzt und erweitert werden. Wissenschaftliche Institute, Gedenkstätten, Universitäten und zum Thema forschende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler können gern ihre erarbeiteten Profile in diese Datenbank stellen lassen.

Quellenangaben, die sich auf Webseiten beziehen, sind die zum Zeitpunkt der Recherche gefundenen. Sollten Sie veraltete Links oder Aktualisierungen bzw. Verschiebungen der Inhalte feststellen, freuen wir uns über Hinweise.

Vor etlichen Jahren hat die Landesszentrale für politische Bildung Hamburg die Stolperstein-Datenbank www.stolpersteine-hamburg.de ermöglicht und gibt seit rund zehn Jahren gemeinsam mit dem Institut für die Geschichte der Deutschen Juden unter der Projektleitung von Dr. Beate Meyer und Dr. Rita Bake von der Landeszentrale für politische Bildung die Publikationsreihe „Stolpersteine in Hamburg, biografische Spurensuche“ heraus. Mit dieser Datenbank „Die Dabeigewesenen“ möchte die Landeszentrale für politische Bildung nun den Blick auf diejenigen lenken, die das NS-System stützten und mitmachten. Denn:

Eine Gesellschaft, die sich eine offene und freie Zukunft wünscht,
muss [...] über eine Kultur verfügen, die nicht auf dem Verdrängen
und Vergessen der Vergangenheit beruht.“ (Mario Erdheim Psychoanalytiker) 1)

Diese aktuell immer noch so wichtige Aussage bildet den inhaltlichen Ausgangspunkt dieser Datenbank. Sie enthält eine Sammlung mit Kurzprofilen über Menschen, die auf unterschiedlichste Weise an den NS-Gewaltverbrechen in Hamburg Anteil hatten, z.B. als Karrierist/innen, Profiteur/innen, Befehlsempfänger/innen, Denunziant/innen, Mitläufer/innen und Täter/innen. Aber auch sogenannte Verstrickte, die z. B. nach durchlittener Gestapo-Folter zum Spitzel wurden. Unter all diesen Dabeigewesenen gab es auch Menschen, die in keiner NS-Organisation Mitglied waren, die aber staatliche Aufträge - zum Beispiel als Künstler oder Architekt - annahmen und so von dem NS-System profitierten, im Gegensatz zu denen, die sich diesem System nicht andienten, deshalb in die Emigration gingen oder in Kauf nahmen, keine Karriere mehr zu machen bzw. kaum noch finanzielle Einnahmen zu haben.
Ebenso wurden solche Personen aufgenommen, die zum Beispiel vor und während der NS-Zeit den Idealen des Heimatschutzes und der Technik-Kritik anhingen und das NS-Regime dadurch unterstützten, indem sie staatliche Aufträge annahmen, die diesen Idealen entsprachen, da das NS-System solche Strömungen für seine Ideologie vereinnahmte.

Für die Datenbank „Die Dabeigewesenen“ wurden alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens wie Medizin, Justiz, Bildung und Forschung, Verwaltung, Kirche, Fürsorge und Wohlfahrt, Literatur, Theater und Kunst, Wirtschaft, Sport, Polizei und parteipolitische Organisationen berücksichtigt.

„denn wir können (…) das ganze Phänomen des Mitmachens und des Ermöglichens, das ja in der NS-Zeit eine genauso große Rolle gespielt hat, wie die Bereitschaft, selbst aktiver Täter vor Ort zu sein - das alles können wir nur verstehen, wenn wir die verschiedenen Facetten der Täterschaft noch viel genauer betrachten, als das bisher geschehen ist." 2)

In vielen Profilen wird der weitverbreitete Enthusiasmus vieler Deutscher für den Nationalsozialismus, gegenüber „seiner Wirtschafts- und Sozialpolitik, seine Architektur, seine Weltanschauung" 3) etc. deutlich. Und es zeigt sich, dass Menschen das NS-System stützten, indem sie z. B., ohne darüber nachzudenken und ohne zu hinterfragen, bereitwillig moralische und soziale Normen des NS-Staats übernahmen.

Mit Schaffung der „Ausgrenzungsgesellschaft“ war es für die „Mehrheitsgesellschaft“ möglich, u. a. NS-Rassentheorien praktisch umzusetzen.

Diese Erkenntnis ist angesichts heutiger aktueller gesellschafts-politischer Entwicklungen von Bedeutung. In einem Interview zum Thema Fremdenfeindlichkeit bemerkte der Antisemitismusforscher Prof. Dr. Wolfgang Benz auf die Frage, ob aus der Geschichte zu lernen sei. „Wir könnten schon. Wir könnten zum Beispiel lernen, dass der Fremde nicht schuld ist an dem Hass, der ihm widerfährt. Es scheint tatsächlich schwierig zu vermitteln zu sein, dass das Opfer nicht dafür verantwortlich ist, dass es totgeschlagen oder misshandelt wird. Juden werden nicht verfolgt, weil an ihnen etwas ist, was sie zu Opfern macht, sondern weil die Mehrheitsgesellschaft Opfer braucht, und zwar zur eigenen Identitätsstiftung. Zuwanderer, Fremde, Andersgläubige werden ausgegrenzt. Das stärkt das Selbstgefühl der Mehrheit.“ 4)

Mit der Datenbank soll eine Hamburg Topographie der „Dabeigewesenen“ entstehen, um somit konkrete Orte des NS-Geschehens sichtbar zu machen. Deshalb werden auch nur diejenigen Dabeigewesenen aufgenommen, die zwischen 1933 und 1945 in Hamburg mit seinen Grenzen nach 1937 gelebt/gearbeitet haben. Neben Personenprofilen sind auch Adressen von NSDAP-Organisationen und -Einrichtungen zu finden. Darüber hinaus gibt es für einzelne Stadtteile Einträge, die die NS-Aktivitäten im Stadtteil beschreiben. In der Datenbank kann nach Namen, Straßen, Bezirken und Stadtteilen gesucht werden, damit also auch nach den Wohnadressen und/oder Adressen der Arbeitsstätten (soweit recherchierbar). Durch Hinzuziehen der Stolpersteindatenbank (hier sind die Adressen der NS-Opfer aufgenommen, für die bisher Stolpersteine verlegt wurden) und der virtuellen Hamburg-Stadt-Karte (sie verzeichnet die Zwangsarbeiterlager und Firmen, die Zwangsarbeiter beschäftigt haben) wird eindringlich deutlich, wie dicht benachbart Opfer und Dabeigewesene in Hamburg gelebt und gewirkt haben. Mit diesen Informationen ist es immer schwerer, die altbekannte Entschuldigung aufrecht zu erhalten; wir haben doch nichts davon gewusst.

In den vorgestellten Profilen liegt der Fokus auf Handlungen und Einstellungen zum NS-Regime. Privates wird nur erwähnt, wenn es für die Haltung zum NS-Regime von Relevanz ist. Recherchegrundlage für diese Datenbank waren bereits vorhandene wissenschaftliche Veröffentlichungen (z. B. von der KZ-Gedenkstätte Neuengamme und dem Institut für Zeitgeschichte), Biographien, Sammelbände und Dissertationen zu Hamburg im Nationalsozialismus, aber auch in diversen Fällen Entnazifizierungsakten und andere Akten und Dokumente, die im Staatsarchiv Hamburg zur Verfügung stehen. Für die Adressenrecherchen wurden die digitalisierten Hamburger Adressbücher von 1933 bis 1943 der Staats- und Universitätsbibliothek genutzt. Trotz größter Sorgfalt beim Zusammentragen der Daten, ist es dennoch möglich, dass Schreibweisen von Namen variieren und Lebensdaten fehlerhaft sind. In den Profilen und den Beschreibungen der Funktionen sowie des „Wirkens“ des Dabeigewesenen konnte nicht komplett auf das NS-Vokabular – der Sprache der Täter – verzichtet werden, dennoch wurde versucht, diesen Anteil gering zu halten und neutralere Umschreibungen zu finden.
Die meisten der aufgeführten Personen wurden schnell nach Kriegsende durch die Entnazifizierungsstellen als entlastet eingestuft, sie mussten sich selten vor Gericht verantworten oder sie wurden aufgrund von Verjährung ihrer Taten nicht juristisch verurteilt. So stellt Can Bozyakali in seiner Dissertation z. B. zum Sondergericht am Hanseatischen Oberlandesgericht fest, dass auch in Hamburg bis Anfang der 1950er Jahre 63% aller Justizjuristen, die am Sondergericht tätig gewesen waren, wieder in den Justiz-Dienst eingestellt wurden. „[…] anhand dieser Werte [kann] von einer ‚Renazifizierung‘ gesprochen werden.“ 5)

Dr. Rita Bake, Dr. Brigitta Huhnke, Katharina Tenti (Stand: Anfang 2016)

1) Mario Erdheim: „I hab manchmal furchtbare Träume … Man vergißts Gott sei Dank immer glei...“ (Herr Karl), in: Meinrad Ziegler, Waltraut Kannonier-Finster: Österreichisches Gedächtnis. Über Erinnern und Vergessen der NS-Vergangenheit. Wien 1993.
2) Wolfram Wette: Deutschlandfunk-Interview am 20.11.2014, anlässlich seines neuen Buches: „Ehre, wem Ehre gebührt. Täter, Widerständler und Retter - 1933-1945“, Bremen 2015.
3) Raphael Gross: Anständig geblieben. Frankfurt a. M.  2010, S. 17.
4) Wolfgang Benz: „Ich bin schon froh, wenn es nicht schlimmer wird". Der Historiker Wolfgang Benz über die lange Geschichte der Fremdenfeindlichkeit in Deutschland – und was neu ist an den Pegida-Märschen. Interview: Markus Flohr und Gunter Hofmann, in ZEIT online vom 21. Dezember 2015. www.zeit.de/zeit-geschichte/2015/04/wolfgang-benz-pegida-antisemitismus-fremdenfeindlichkeit
5) Can Bozyakali: Das Sondergericht am Hanseatischen Oberlandesgericht: Eine Untersuchung der NS-Sondergerichte unter besonderer Berücksichtigung der Anwendung der Verordnung gegen Volksschädlinge, Frankfurt/ Main 2005, S. 235.

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