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Behörde für Schule und Berufsbildung

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Landeszentrale für politische Bildung Hamburg

Claus Hartlef

(17.5.1905 Hollerdeich, Kreis Stade – 1.11.1998)
Schulleiter der Schule Meerweinstraße
Großheidestraße 1a (Wohnadresse 1940)

Dr. Hans-Peter de Lorent hat über Claus Hartlef ein Portrait verfasst, das in Hans-Peter de Lorents Buch: Täterprofile. Die Verantwortlichen im Hamburger Bildungswesen unterm Hakenkreuz. Band. 3. Hamburg 2019 erschienen und im Infoladen der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg erhältlich ist. Hier der Text:

„Rektor Hartlef ist überzeugter Nationalsozialist und hat seinen Einsatz durch jahrelange Tätigkeit im Amte Schulung der NSDAP unter Beweis gestellt.“
Eine beinahe typische Bildungsgeschichte eines Volksschullehrers in der NS-Zeit ist die von Claus Hartlef. Er zeigte sich bildungsambitioniert und geriet infolge der Weltwirtschaftskrise in schwierige Zeiten, da den ausgebildeten Lehrern nur begrenzt feste Beschäftigungen angeboten wurden. Nach der Machtübertragung an die Nationalsozialisten schufen diese durch die Entlassung und Pensionierung missliebiger Lehrerinnen und Lehrer Stellen, sodass auch Claus Hartlef im Hamburger Schulwesen ein Auskommen fand und Karriere machte. Dafür war er am 1.5.1933 in die NSDAP eingetreten. Bemerkenswert, dass er nach einem für ihn längerwährenden Entnazifizierungsverfahren in Hamburg wieder in den Schuldienst zurückkehrte und 1960 sogar erneut Schulleiter wurde.
Claus Hartlef[1] wurde am 17.5.1905 in Hollerdeich, Kreis Stade, als Sohn eines Hofbesitzers, wie er angab, geboren. Er besuchte von 1912 bis 1919 in Freiburg an der Elbe die Rektorschule und wechselte dann auf das Lehrerseminar in Stade, wo er am 1.9.1925 die 1. Lehrerprüfung ablegte. Nach achtzehnmonatiger Lehrer-Arbeitslosigkeit, in der er als kaufmännischer Angestellter beschäftigt war, ging er 1927 in ein Heilpädagogisches Seminar nach Berlin und arbeitete danach zwei Jahre in Berlin-Spandau an einer Heimschule für „psychopathische Kinder“.[2]
Seit 1931 war Claus Hartlef dann als Volksschullehrer in Hamburg, mit einer dreiviertel Stelle an der Schule Brackdamm 14, wo er am 20.5.1931 auch die 2. Lehrerprüfung ablegte.[3]
Die weiteren Stationen hingen augenscheinlich zusammen mit dem politischen Engagement von Claus Hartlef, der am 1.5.1933 in die NSDAP eintrat, parallel dazu NSLB-Mitglied war und seit 1934 Kreiswalter des NSLB in Winterhude-Nord, dort Schulungsbeauftragter. Seit dem 1.5.1934 gehörte er dem Korps der Politischen Leiter an, wie er später angab.[4]
Claus Hartlef war am 31.3.1933 an die Schule Schaudinnsweg 1 versetzt worden, absolvierte am 7.7.1934 einen Lehrgang in der Gauführerschule und wurde am 1.4.1935 zum Schulleiter der Schule Meerweinstraße ernannt.[5]
Die Volksschule Meerweinstraße war in dem neuen Stadtviertel „Jarrestadt“, von dem Oberbaudirektor Fritz Schumacher konzipiert, eine koedukative Schule mit Aufbauzug. Sie verfügte über 30 Klassen und 45 Lehrkräfte. „In dem jungen Stadtviertel hatte eine aktive und überwiegend links eingestellte Elternschaft eine enge und gute Zusammenarbeit mit der Schule entwickelt und wählte als Elternvertreter die ‚Schulfortschrittsgruppe‘. Lehrer und Eltern trafen zu Konferenzen zusammen und erörterten gemeinsam Probleme und Vorhaben der Schule.“[6]
Reformschulen, wie die Volksschule Meerweinstraße oder die Lichtwarkschule standen im Fokus der Nationalsozialisten, die die Parole ausgegeben hatten: „Schluss mit der roten Pädagogik!“[7]
Ostern 1935 wurde die Koedukation an der Meerweinstraße aufgehoben. „Die Schule wurde in zwei Teile aufgeteilt, Meerweinstraße 28 Knabenschule, Meerweinstraße 26 Mädchenschule. Es wurde dann erst einmal durch das Lehrerzimmer eine große Trennwand gezogen, die heute noch da ist. Die Kinder trafen sich aber auf dem Schulhof, den gemeinsamen Schulhof gab es auch weiterhin.“[8]
Die Selbstverwaltung der Schulen war abgeschafft worden, es herrschte das Führerprinzip, als Claus Hartlef zum neuen Schulleiter der Knabenschule Meerweinstraße ernannt worden war. Die Schule wurde 1935 nach dem ehemaligen Reichswalter des NSLB und Bayerischen Kultusminister, Hans Schemm, benannt, der am 5.3.1935 bei einem Flugzeugabsturz tödlich verunglückt war.[9] Schemm hatte der Schule einmal einen Besuch abgestattet.[10]
Als Schulleiter verhielt sich Claus Hartlef parteikonform und exekutierte die Vorgaben, Interessen und Verfügungen der NS-Schulverwaltung. Die Konferenzprotokolle der Hans-Schemm-Schule sind erhalten geblieben und von Ursel Hochmuth ausgewertet worden.[11]
Nach dem Führerprinzip wurde weitestgehend verkündet und nicht diskutiert. Das Kollegium hatte sich nach dem „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ vom 7.4.1933 anders zusammengesetzt, da auch Lehrkräfte der Schule Meerweinstraße zu den etwa 600 Entlassenen und in den Ruhestand Geschickten gehörten. Die Lehrerin Gertrud Simon erzählte im Januar 1983, dass schon am 31.1.1933 die Furcht in das Lehrerzimmer gezogen war, weil es dort zwei jüdische Kolleginnen gab, Julia Cohn und Hertha Asmus. „Es war noch ein Kollege da, wo die Frau Jüdin war und er selbst zum mosaischen Glauben übergetreten war. Und ein anderer hatte eine jüdische Frau.“[12]
Die Betroffenheit im Kollegium war nachvollziehbar, weil die Nazis keinen Zweifel an ihrer Haltung gegenüber den Juden gelassen hatten. Von Julia Cohn ist bekannt, dass sie nach dem „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ in den Sommerferien 1933, am 29.7., das Entlassungsschreiben der Landesunterrichtsbehörde erhielt. Dokumentiert ist auch, dass sie mit ihrem Mann am 4.12.1941 nach Riga deportiert wurde, wo beide in einem Lager in Riga zu Tode kamen. Das genaue Todesdatum war später nicht mehr festzustellen. Es ist offiziell auf den 8.5.1945 festgesetzt worden.[13]
Im Protokoll von der Lehrerkonferenz am 28.9.1935 wurde festgehalten:
„Herr Hartlef führt aus, dass die geteilte Hans-Schemm-Schule sich in einer besonderen Lage befindet. Es kommt auf enge harmonische Zusammenarbeit mit dem Kollegium der Mädchenschule an, aber die Belange einer Knabenschule verlangen auch besondere Besprechungen und daher hält das Kollegium der Knabenschule auch eigene Konferenzen. Es sollen Arbeitskonferenzen sein, die die notwendige einheitliche Ausrichtung der Schule garantieren.“[14]
Kurz darauf, in derselben Konferenz, berichtete Schulleiter Hartlef: „Für Juden werden besondere Schulen eingerichtet. Die Feststellung der Juden ist bereits schriftlich erfolgt. Juden dürfen nicht auf Klassenreisen mitgenommen werden. In den Ferienheimen und Jugendherbergen dürfen keine Juden mitgenommen werden.“[15]
Immer wieder informierte der Schulleiter über die Richtlinien für den „rassekundlichen Unterricht“. So am 28.9.1935 oder am 11.11.1938, wo es hieß: „Rassische Zusammensetzung des deutschen Volkes, Rassenpolitik der Regierung, Judentum, Familienkunde, Ahnentafel, Sippschaftstafel sind Einzelthemen der Vererbungslehre und der Rassenkunde. Allerdings dürfen diese Stoffe, die ja als ‚Rasse, Blut und Boden‘ die Grundprinzipien des nationalsozialistischen Staates seien, nicht bloß reiner Fachunterricht bleiben, sondern müssten als Unterrichtsprinzip sämtliche Fächer durchdringen und befruchten.“[16]
Einen Hinweis darauf, dass sich die ehemals aktiven Eltern zurückgezogen hatten, gab Schulleiter Hartlef am 7.10.1935:
„Da nach der Machtergreifung viele Eltern und Lehrer die Zusammenarbeit zwischen Elternhaus und Schule eingestellt haben, wird darauf verwiesen, dass eine solche Zusammenarbeit nicht nur nicht unerwünscht sei, sondern geradezu gefordert werde.“[17]
Am 3.11.1936 erklärte Schulleiter Hartlef:
„Die Stellenbesetzung ist sehr schlecht geworden. Die Krankheitsfälle der Lehrer und Lehrerinnen nehmen zu. Grund: Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage der Lehrerschaft. Zu Beginn des neuen Etatjahres sollen die Anstellungsverhältnisse gebessert werden. Es soll sich keiner vorzeitig Hoffnung machen. Die Anstellungen erfolgen jetzt vor allem nach politischen Gutachten und nicht nach dem Alter. Grundsätze für das politische Gutachten: Wo ist der Betreffende tätig? Ist er politisch zuverlässig? Beurteilung der augenblicklichen Einsatzbereitschaft.“[18]
Am 13.2.1942 stellte Claus Hartlef fest: „Die Leistungen und die sittliche Haltung der Schüler und Schülerinnen haben sich in letzter Zeit verschlechtert.“ Und am 30.4.1942 erklärte er: „Mitteilungen aus der Kanzlei des Führers: Beamte haben sich dem zu bekämpfenden Tausch- und Schleichhandel fernzuhalten. Jeder Beamte soll sich dem ‚Stoßtrupp des guten Willens‘ zugehörig fühlen. Äußerste Zurückhaltung gegenüber Kriegsgefangenen wird gefordert. Der Ausdruck ‚Frühjahrsoffensive‘ ist verboten. Über das Verhältnis ‚Japan–Russland‘ darf nicht geredet werden.“ Und am 11.7.1942 teilte Hartlef dem Kollegium mit: „Es sollen alle Kinder darauf hingewiesen werden, dass Flugblätter sofort bei der Polizei abgeliefert werden.“[19]
Die Kriegssituation hatte sich verschlechtert. Am 5.4.1943 musste Schulleiter Claus Hartlef ansagen: „Berichte über Stalingrad, die nicht zur Veröffentlichung genehmigt sind, dürfen nicht zu Vorträgen oder Belehrungszwecken gebraucht werden. Stalingradbriefe sammeln.“ Und zur Aktion der Kinderlandverschickung erklärte er:
„Nichtarier (ersten und zweiten Grades) dürfen nicht verschickt werden. Arische Nachweise sind auf die Schulbögen einzutragen, sonst abschulen, falls er nicht erbracht wird.“[20]
Claus Hartlef gehörte dem Korps der Politischen Leiter an und es kann kaum daran gezweifelt werden, dass er in der Konferenz nicht nur die Anweisungen der Schulverwaltung verkündete, sondern diese auch teilte.
Im NSLB, wo er als Kreiswalter, wie die Verantwortlichen für Schulkreise, in diesem Fall Winterhude-Nord, hießen, agierte, machte er sich auch als Propagandist in der „Hamburger Lehrerzeitung“ unterm Hakenkreuz bemerkbar. Bei der Kampagne, das Saargebiet wieder „heim ins Reich zu holen“ engagiert er sich. Das Saargebiet war nach der deutschen Niederlage im Ersten Weltkrieg laut Versailler Vertrag unter die Regierung des Völkerbundes gekommen und 1920 für 15 Jahre unter französische Verwaltung gestellt. Die Nationalsozialisten unter Adolf Hitler hatten dafür agitiert, bis zur Volksabstimmung der Saarländer am 13.1.1935 eine Stimmung für „die Rückkehr heim ins Reich“ zu schaffen. Und Claus Hartlef war mit einer Gruppe von zwölf Hamburger Lehrern auf einer Studienfahrt in das Saargebiet gefahren und berichtete darüber in der HLZ:
„Wir wollten den Saardeutschen in seiner Heimat, in seiner Boden- und Volksverbundenheit erleben, um aus beiden das Saarproblem klar erkennen und beurteilen zu können. Wir wollten aber insbesondere kameradschaftliche Bande zu den saarländischen Lehrern und zur dortigen Lehrerorganisation anknüpfen, ihnen vom herrlichen nationalsozialistischen Reich erzählen und ihnen dadurch Mut und Kraft für den Endkampf um ihre deutsche Heimat bringen.“[21]
Und mit welchen Erkenntnissen waren Claus Hartlef und seine Hamburger Politik-Touristen zurückgekehrt?
„Wir haben manches aus der Erinnerung zu neuem Leben erweckt. Wir haben manches von ihrer inneren Not, dauernd unter artfremder Herrschaft leben und schaffen zu müssen, erfahren. Besonders gedankt haben es uns die Saarländer Kollegen, dass wir als erste Lehrerorganisation uns um das Schicksal unserer Kameraden in ihrem eigenen Heimatslande gekümmert haben. Und das Ergebnis unserer Fahrt? Das Saargebiet ist bis ins letzte Grenzdorf kerndeutsch, das zeigten die frohen Gesichter der Arbeiter in den Betrieben und auf der Straße, wenn sie stolz ihren Arm zum Hitlergruß erhoben, das zeigte ihre reindeutsche Sprache und ihre deutsche Kultur. Die antideutsche Mache ist lediglich das Werk weniger Kommunisten, Separatisten und Emigranten. Kein anständiger Saarländer legt weiterhin Wert darauf, als ‚Schutzbefohlener Frankreichs‘ zu gelten. Ein rein deutsches Land und ein für unseren Führer begeistertes Volk werden zum deutschen Mutterlande zurückkommen.“[22]
Claus Hartlef verfügte offenbar über prophetische Gaben: Am 13.1.1935 stimmten 90,73 Prozent der Wähler für eine Vereinigung mit Deutschland. Die Reise hatte sich offenbar gelohnt.
Hartlef hatte sich als Nationalsozialist profiliert. Am 1.7.1938 wurde er zum Rektor befördert mit einer angehobenen Besoldung. Am 1.4.1941 zum Hauptschulrektor, was noch einmal einen Besoldungssprung bedeutete.[23]
Auch bei dem neuen Schulrat, Willi Heher, der ihn freilich schon als Schulleiter-Kollege im selben Schulkreis kennengelernt hatte, war er angesehen. Heher schrieb eine fachliche Beurteilung über ihn am 17.8.1942, in der es hieß:
„Rektor Hartlef ist außerordentlich rege und fleißig, verwaltungsmäßig herrscht an der von ihm geführten Schule eine gute Ordnung und normale Zucht. Rektor Hartlef verfügt über organisatorische Fähigkeiten. Die Gauwaltung Hamburg des NS-Lehrerbundes übertrug ihm daher des öfteren Sonderaufgaben; unter anderem setzte sie ihn im Rahmen der Kinderlandverschickung als Inspekteur in Wien ein. Im Verhalten gegenüber den Lehrkräften seiner Schule zeigt sich deutlich sein Bemühen um eine kameradschaftliche Zusammenarbeit, in der Beurteilung der Lehrkräfte fachliche Sicherheit und Gerechtigkeitssinn. Auf die Förderung junger Berufskameraden ist er besonders bedacht. Sein Verhalten gegenüber Dienstvorgesetzten ist korrekt, wie auch seine Umgangsformen sicher und straff sind. Die häuslichen und wirtschaftlichen Verhältnisse sind geordnet.
Rektor Hartlef ist überzeugter Nationalsozialist und hat seinen Einsatz durch jahrelange Tätigkeit im Amte Schulung der NSDAP unter Beweis gestellt. So ist auch der Einsatz im Osten für ihn mehr als eine aktuelle Frage. Schon vor Jahren hat er aus eigener Initiative den ersten Gau-Schulungslehrgang des NS-Lehrerbundes unter dem Thema ‚Vorbereitung auf den Osteinsatz‘ angeregt und im ostpreußischen Grenzland durchgeführt. Daraus erhellt, dass seine Meldung zur Verwendung im Schuldienst des besetzten Ostgebiets einer inneren Einstellung und Haltung entspricht.“[24]
Claus Hartlef bereitete sich offensichtlich auf höhere Aufgaben vor. Als Unterricht in Hamburg nicht mehr regelmäßig stattfand, war Hartlef, genau wie andere überzeugte Nationalsozialisten, als Inspekteur in der Kinderlandverschickung (KLV) tätig. Am 2.9.1942 verfügte die Hamburger Schulverwaltung, dass Claus Hartlef und Hinrich von der Lieth[25] als „Schulbeauftragte bei den Gebietskommissaren in den besetzten Ostgebieten vorgesehen sind“. Die Schulverwaltung erklärte sich „ausnahmsweise bereit, bei der Vordringlichkeit der Besetzung von Stellen für Schulbeauftragte in den Ostgebieten, die beiden genannten Rektoren ohne Ersatzgestellung abzugeben“.[25]
Offenbar mit Erfolg. Am 6.5.1943 wurde festgestellt, dass sich Claus Hartlef als Inspekteur für die KLV im Sudetenland, in Reichenberg, aufhielt und „dort nicht entbehrt werden kann“, somit „bis auf weiteres uk-gestellt werden muss“.[26]
Eine interessante Kontroverse um den Einsatz von KLV-Schulinspekteur Claus Hartlef aus dem Mai 1943 ist in seiner Personalakte dokumentiert. Nachdem das KLV-Lager in Reichenberg/Sudetenland keine Schüler mehr hatte, wurde erwogen, Hartlef nach Hamburg zurückzurufen. Am 14.5.1943 schrieb der Hamburger KLV-Schulbeauftragte der NSDAP, Heinrich Sahrhage, dass die Schulverwaltung die Frage nach seiner Rückforderung gestellt habe. Sahrhage wies allerdings darauf hin, dass er schon einmal den KLV-Inspekteur Pg. Wiegank zurückbeordert hatte, nachdem dessen Hamburger Lager in München/Oberbayern nicht mehr belegt war und dann „wieder drei Sonderzüge von uns bekommen hat“.[27]
Für Claus Hartlef war der Aufenthalt im Gau Sudetenland in Kriegszeiten sicherlich keine schlechte Option, zumal in dieser Situation keine Hamburger Gruppen vor Ort waren. Die Alternative wäre die Rekrutierung für die Wehrmacht gewesen. Hartlef wandte sich an den Gauschulbeauftragten Sahrhage:
„Ich erhalte hier durch die Gauleitung Mitteilung, dass meine Uk-Stellung abgelaufen ist. Der Gaustabsamtsleiter und Gaubeauftragte für KLV, Pg. Lammel, hat mich gebeten, umgehend in Hamburg meine Uk-Stellung erneuern zu lassen. Im Ferngespräch mit Pg. Wolf, Berlin, erhielt ich die gleiche Auskunft. Er bat mich, darauf hinzuweisen, dass es sich um einen Auftrag des Führers handle und demzufolge das Notwendige zu veranlassen sei. Du weißt, dass ich in meiner persönlichen Angelegenheit nicht gerne etwas unternehme, weil ich nicht in den Geruch kommen möchte, mich vom Wehrdienst zu drücken. Denn, wenn ich eingezogen werde, werde ich gerne Soldat. Kläre bitte deshalb von dort aus die Frage. Hier überstürzt sich die Arbeit. Ich hoffe nun, dass es gelingt, im Herbst hierher wieder Hamburger Lager zu bekommen. So sehr ich bedaure, hier für Hamburg auf etwas verlorenem Posten zu stehen, sehe ich den Standpunkt der Reichsdienststelle ein. Ein augenblicklicher Wechsel würde hier, weil neben der Bewältigung der anfallenden Arbeiten das Einarbeiten in ein so unglückliches Gaugebiet, wie es der Sudetenlandgau ist, besonders schwer ist, zu ziemlichen Schwierigkeiten führen. Also hilft es wohl nichts! Hier heißt es weitermachen!“[28]
Heinrich Sahrhage antwortete, dass die Erneuerung der Uk-Stellung von Claus Hartlef bereits veranlasst sei und dass „Du auf Deinem Posten verbleiben musst, auch wenn wir zur Zeit keine neuen Belegungen dort durchführen können“.[29]
Man berief sich dabei auf ein „Fernschreiben des Reichsleiters Baldur von Schirach“, der geschrieben hatte, dass „jüngere Lagerleiter und Lehrer für die Dauer ihres KLV-Einsatzes nicht abgelöst werden, um Schwierigkeiten zu vermeiden“.[30]
Widerspruch dagegen legte Fritz Köhne ein, der den bei der Wehrmacht befindlichen Oberschulrat Albert Mansfeld vertrat. Köhne schrieb:
„Der Hauptschulrektor Hartlef war nur zur Verwaltung der Stelle eines Kinderlandverschickung-Inspekteurs im Sudetenland für die Hamburger Lager von der Schulverwaltung beurlaubt. Da die vier letzten Hamburger Lager demnächst nach Hamburg zurückkehren, ist seine ihm gestellte Aufgabe erledigt. Die Schulverwaltung bittet daher, Hartlef von seinen Ämtern dort zu entbinden und für die Leitung seiner Schule Meerweinstraße 28 wieder zur Verfügung zu stellen. Um baldige Mitteilung wird gebeten, wann Hartlef hier seinen Dienst wieder aufnehmen wird.“[31]
Auch Schulrat Willi Heher hatte sich dazu geäußert und Einspruch gegen das Verbleiben Hartlefs im Sudetengau eingelegt, „zumal dort keine Hamburger Lager mehr bestehen“. Er verwies darauf:
„Hartlef ist Leiter einer der größten Hamburger Volksschulen mit Oberbau und dort nicht mehr entbehrlich. Es würde außerdem dem zu Beginn des neuen Schuljahres entstehenden katastrophalen Lehrermangel in Hamburg hohnsprechen, wenn jetzt ein Schulleiter in einem Gau belassen würde, in den kein Hamburger Kind mehr verschickt wird. Ich weise darauf hin, dass die Schulverwaltung grundsätzlich eine Entsendung von Schulleitern verboten hat. Es ist auch im Wirtschaftsleben nicht üblich, besonders nicht im Kriege, dass der Betriebsführer seinen Arbeitsplatz langfristig verlässt und außer Landes geht. Ebenso wenig erträgt die Hamburger Volksschule Maßnahmen, durch die das pädagogische Leben und der Leistungsstand erheblich leiden.“[32]
Es war also nicht nur ein Kompetenzgerangel, sondern es gab gute Gründe, sich an dem Arbeitsplatz aufzuhalten, wo man benötigt wurde. Wobei Claus Hartlef zu einem Zeitpunkt nach Hamburg zurückkehrte, als die Stadt erheblichen Bombenangriffen ausgesetzt war.
Zwei Jahre später hatte Claus Hartlef ganz andere Probleme. Am 14.7.1945 beauftragte ihn Schulsenator Heinrich Landahl zwar noch, die Dienstgeschäfte in der Meerweinstraße wieder aufzunehmen. Am 31.8.1945 erhielt er dann ein Schreiben, in dem ihm im Auftrag der Britischen Militärregierung die Entlassung mitgeteilt wurde.[33]
Hartlef bekam einige Leumundszeugnisse, so etwa vom Schulleiter der Jahnschule und langjährigen Funktionsträger der „Gesellschaft der Freunde“ und später des NSLB, Peter Jacobsgaard.[34]
Der schrieb: „Der Kollege Claus Hartlef hat in der Zeit von 1931–32 als Mitglied des Junglehrerausschusses in der Gesellschaft der Freunde des vaterländischen Schul- und Erziehungswesens in Hamburg mitgearbeitet und sich sehr energisch und erfolgreich für die wirtschaftlichen und rechtlichen Belange unseres damaligen Berufsnachwuchses eingesetzt.“[35]
Noch mehr war Hartlef danach allerdings im NSLB und in der NSDAP aktiv gewesen. Andererseits hatte Peter Jacobsgaard einen guten Ruf bei den Mitgliedern der Entnazifizierungsausschüsse.
Gewichtiger waren sicherlich zwei Schreiben von bisherigen Kollegen in der Schule Meerweinstraße . Carl Lau bemerkte, er habe der NSDAP kritisch gegenüber gestanden und dass er gegenüber dem Schulleiter Hartlef „niemals einen Hehl über meine Stellung zur Partei machen brauchte, weil ich von der Lauterkeit seines Charakters überzeugt war und wusste, dass er trotz gegenteiliger Meinung mich niemals denunzieren würde. Herr Hartlef hat kein Mitglied unseres Lehrkörpers jemals charakterlich enttäuscht. Er ist stets der Gleiche geblieben: ein strebsamer, ehrlicher, zuverlässiger Mensch, der nur Gutes will. Er war stets bemüht, unnötige Härten zu vermeiden.“[35]
Dies bestätigte auch der Lehrer Heinrich Kittler, der 1937 aus dem Dienst entlassen worden war, weil er mit einer Jüdin verheiratet war. Er erklärte, dass die Kollegen, die „den Nationalsozialismus schroff ablehnten, niemals Schwierigkeiten“ mit Schulleiter Hartlef gehabt hätten. Seine Einschätzung: „Er gehört bestimmt zu der großen Zahl der Irregeführten und Betrogenen, deren Idealismus man so schnöde missbraucht hat und um die es sich lohnt, sie für unseren neuen Staat zu gewinnen.“[36]
Claus Hartlefs junge Frau Gertrud (geboren 1913), mit der er seit 1936 verheiratet war und zwei 6 und 8 Jahre alte Kinder hatte, war im Juni 1945 plötzlich gestorben, wie er der Schulverwaltung am 3.7.1946 mitgeteilt hatte. Hartlef zog sich mit seinen Kindern in seine Heimatgegend zurück, ins Kehdinger Land, wo er als landwirtschaftlicher Arbeiter tätig wurde.[37]
In seinem Einspruch gegen die Entlassung an den Berufungsausschuss hob er darauf ab, aufgrund der selbst erfahrenen sozialen und materiellen Schwierigkeiten, der erheblichen finanziellen Opfer für seine Ausbildung, aus idealistischen Gründen und sozialen Empfindungen in die NSDAP und den NSLB eingetreten zu sein. „Als 1937 rein politische Aufgaben in den Vordergrund traten, wurde ich wegen meiner oppositionellen Haltung in den Fragen der Lehrerschulung, der unwürdigen Behandlung im Schulschutz usw. meines Amtes enthoben und zum Schulungsbeauftragten degradiert. Als Schulungsbeauftragter des Lehrerbundes wurde ich aufgrund meiner Fachkenntnisse auf kulturellem, geschichtlichem und biologischem Gebiet in verschiedenen Ortsgruppen zu Vorträgen herangezogen.“[38]
Schulrat Gustav Schmidt gab am 22.7.1946 für die Schulverwaltung an den Berufungsausschuss 2 eine Stellungnahme zu Claus Hartlef ab:
„H. ist bereits 1933 der NSDAP beigetreten und ist ein eifriger Fürsprecher und Verfechter der Parteilehren gewesen. Er hat zwar nicht die Zusammenhänge und Hintergründe der Parteiarbeit erkannt, er hat alles nur immer im rosigen Licht gesehen und ist im guten Glauben gewesen. Auch hat er nirgends eigene Vorteile selbst gesucht, wenn er auch als Belohnung für seine Tätigkeit im Lehrerbund zum Hauptschulrektor befördert worden ist. Dort, wo er Missstände sah, hat er sich gegen sie gewandt und er hat auch immer für die Interessen der Lehrerschaft gegen die Hitler-Jugend gekämpft. Er ist am besten zu kennzeichnen als ein gutgläubiger, gutartiger, ehrlicher, aber durchaus beschränkter Idealist. Da er innerhalb der Lehrerschaft als ein Vertreter des Nationalsozialismus bekannt war, kommt eine Wiedereinstellung für ihn als Hauptschulrektor nicht infrage. Vielleicht kann später einmal erwogen werden, ob er als Lehrer oder Hilfsschullehrer wieder ins Amt kommen kann. Auch bitte ich, zu erwägen, ob ihm ein Teil seines Ruhegehalts gezahlt werden kann, da er wegen seiner starken Kurzsichtigkeit berufsbehindert ist.“[39]
Der Berufungsausschuss nahm diese Stellungnahme auf und wies die Berufung zurück, unter Hinweis auf die frühe Parteimitgliedschaft und Hartlefs Aktivitäten im NSLB seit 1933. Er verwies auch auf Hartlefs Tätigkeit als Schulinspekteur in der Kinderlandverschickung. Resümee: „Die Belastung erscheint aber zu stark, insbesondere da H. auch Nutznießer des NS-Systems war, unter dem er 1935 Schulleiter und 1936 Hauptschulrektor wurde. Er war damals erst 30 bzw. 31 Jahre alt.“[40]
Claus Hartlef nahm sich 1948 einen Rechtsanwalt, der am 20.4.1948 ein Wiederaufnahmeverfahren beantragte. Dieser Rechtsanwalt, Dr. Hans Paehler, systematisierte noch einmal die schon genannten Argumente, zeigte allerdings, dass er sachlich nicht immer gut informiert war. So bezeichnete er Hartlefs Tätigkeit als Schulungsbeauftragter im NSLB von 1937 bis 1945 als „rein fachlichen Posten“ und behauptete gar, dass die Schulleiter-Ernennung 1935 im Alter von 30 Jahren keinesfalls belegen würde, dass Hartlef „als Nutznießer des NS-Systems“ anzusehen sei, wie der Berufungsausschuss behauptet habe. Rechtsanwalt Paehler:
„Hierzu ist zu sagen, dass in Hamburg eine kollegiale Schulverwaltung war, in welcher der Leiter und Rektor aus dem Kollegium gewählt wurde, auch wenn dieser noch jung war. Mit dem Leiter- und Rektorposten war weder wirtschaftliche noch sonst geldliche Besserstellung verbunden.“[41]
Beides stimmte nicht, im Gegenteil: Die Nationalsozialisten hatten die kollegiale Schulverwaltung abgeschafft und das Führerprinzip eingeführt. Das Kollegium hatte dabei nichts zu bestellen und die Schulleiter waren auch besoldungsmäßig hervorgehoben.
Der Beratende Ausschuss des Kreises 4 hatte aufmerksam Hartlefs Personalakte studiert und kam zu dem Ergebnis: „Ernste Bedenken an der Richtigkeit der nationalsozialistischen Ideologie, an der guten Sache Deutschlands und der Lauterkeit der obersten Führung sind ihm nie aufgestiegen. Zusammenfassend kann man wohl sagen, dass H. der Typ des blindgläubigen, idealistischen Nationalsozialisten war, ohne jede Fähigkeit zu selbständigem Denken und objektivem Urteil. Er fühlte sich berufen zu höheren Stellungen und glaubte sich im Recht, besser bezahlte Posten zu bekleiden.“[42]
Dagegen stände für den Ausschuss allerdings auch:
„Charakterlich war H. nicht anfechtbar, was ihm auch von politischen Gegnern bestätigt wird. Über seine jetzige politische Haltung sagen die beigefügten Zeugnisse zumindest aus, dass er nicht nörgelnd oder gehässig kritisierend abseits steht, sondern sich bemüht, mit seinen Kräften des Tages Arbeit im privaten wie auch öffentlichen Leben zu tun. Dieses Positive, sowie die Rücksichtnahme auf seine äußerst starke Kurzsichtigkeit, die ihm sehr schwer andere Erwerbsmöglichkeiten eröffnen werden, haben den Beratenden Ausschuss Kreis 4 nach eingehender Aussprache mit H., wenn auch unter großen Bedenken, dazu bestimmt, seine Wiedereinstellung mit dem Gehalt eines Volksschullehrers, jedoch zur Verwendung im Hilfsschuldienst, zu befürworten.“[43]
In diesem Sinne entschied dann auch der Berufungsausschuss 17 unter Vorsitz von Rechtsanwalt Soll am 30.4.1949.[44]
Aus seiner Heimatgemeinde Kehdingbruch wurde ihm bestätigt, dass er als landwirtschaftliche Hilfskraft tätig sei, sich in keiner Weise politisch betätigt habe, aber in kulturellen Dingen in der Gemeinde aktiv gewesen sei. Dies bestätigten ihm insbesondere auch solche Gemeindemitglieder, die die Nationalsozialisten aktiv bekämpft hatten.[45]
Claus Hartlef wurde am 2.5.1949 wieder eingestellt und arbeitete an der Hilfsschule Bundesstraße 94. Am 1.5.1952 war er zum Hilfsschullehrer auf Lebenszeit ernannt worden mit der Begründung: „Herr Hartlef ist ein äußerst fleißiger, pünktlicher und gewissenhafter Lehrer, der jederzeit einsatz- und hilfsbereit ist. Er hat schon früher auf dem Gebiete des Hilfsschulwesens gearbeitet und sich in der hiesigen Schule voll bewährt.“[46]
Als 1960 der bisherige Leiter der Hilfsschule Bundesstraße in den Ruhestand versetzt wurde, schlug das Kollegium Claus Hartlef als Nachfolger vor. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Lehrerschaft bei der Schulleiterfindung wieder etwas zu sagen.
Weder der Elternrat noch das Schulratskollegium hatten gegen Claus Hartlef Bedenken erhoben. Am 11.5.1960 wählte die Lehrerkonferenz. Claus Hartlef bekam von 22 anwesenden Kollegen 17 Ja-Stimmen, zwei votierten dagegen, bei drei Enthaltungen.[47]
Schulrat Robert Werdier schrieb zur Person Hartlef:
„Er hat sich als befähigter, geschickter Lehrer gezeigt. Er ist fleißig und hat guten Kontakt mit den nicht immer leichten Eltern dieser Kinder. Im Institut für Lehrerfortbildung ist er mit Übungen über das Hilfsschulwesen betraut worden. Ich halte ihn für fähig, sowohl pädagogisch als auch menschlich, eine Schule zu leiten.“[48]
Bei der endgültigen Bestellung am 4.6.1962 stimmten von 20 anwesenden Kollegen 19 für Hartlef, ein Mitglied des Kollegiums enthielt sich der Stimme. In der Stellungnahme an Oberschulrat Walter Vonarb hatte Schulrat Werdier noch darauf hingewiesen:
„Herr Hartlef hat eine ruhige, freundliche aber doch bestimmte Art, mit Kollegen zu verkehren, Eltern in sehr feiner Weise zu beraten und ihnen jederzeit als Helfer zur Seite zu stehen. Die Kinder haben Vertrauen zu ihm, er behandelt sie freundlich, kennt jedes Kind seiner Schule und spricht auch jedes mit dem Vornamen an. Ich könnte mir für diese Schule keinen besseren Schulleiter denken.“[49]
Hier wurde ein Kreis geschlossen. Oberschulrat Walter Vonarb wird dies mit Interesse und eigenen Gedanken gelesen haben. Er war Lehrer gewesen an der von Claus Hartlef geleiteten Hans-Schemm-Schule in Winterhude.
Nach der Teilung der Schule 1963 übernahm Claus Hartlef den Standort Bötelkamp 17. 1964 erhielt er aufgrund des Art. 131 des Grundgesetzes eine Besoldungserhöhung, im September 1970 wurde er in den Ruhestand versetzt, arbeitete aber mit einem Lehrauftrag an der Sonderschule Grabenstraße noch bis 1972.[50]
Claus Hartlef starb am 01.11.1998.[51]
Text: Hans-Peter de Lorent

Anmerkungen
1 Der Vorname wird zuweilen auch „Klaus“ geschrieben, laut Geburtsurkunde und von Claus Hartlef selbst geschrieben, hieß er „Claus“.
2 Alle Angaben laut Personalakte, StA HH, 361-3_80786, Ablieferung vom 31.4.1914
3 Personalakte a. a. O.
4 Entnazifizierungsakte Hartlef, StA HH, 221-11_Ed 13797
5 Personalakte a. a. O.
6 Ursel Hochmuth: Zum 50. Jubiläum der Schule Meerweinstraße (1980). Lehrer und Lehrerkonferenzen, in: Ursel Hochmuth/Hans-Peter de Lorent (Hrg.): Hamburg: Schule unterm Hakenkreuz, Hamburg 1985, S. 51.
7 „Hamburger Tageblatt“ vom 19.3.1933.
8 Interview aus dem Januar 1983 mit der ehemaligen Lehrerin Gertrud Simon (geboren 3.7.1904), in: 75 Jahre im Herzen der Jarrestadt. Eine Festschrift zum 75-jährigen Bestehen der Schule in der Meerweinstraße , Hamburg 2005, S. 21.
9 Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945? Koblenz 2013, S. 530.
10 Hochmuth 1985, S. 52.
11 Hochmuth 1985, S. 55 ff. Abgedruckt sind sie auch in: Im Herzen der Jarrestadt, 50 Jahre Schule Meeweinstraße, Hamburg 1980, S. 15 ff.
12 Festschrift zum 75-jährigen Bestehen der Schule in der Meerweinstraße , Hamburg 2005, S. 20.
13 Rüdiger Wersebe: Julia Cohn. Eine Kollegin verschwand spurlos, in: Hochmuth/de Lorent 1985, S. 201 f.
14 Hochmuth 1985, S. 55.
15 Ebd.
16 Hochmuth 1985, S. 57.
17 Hochmuth 1985, S. 56.
18 Ebd.
19 Hochmuth 1985, S. 58.
20 Hochmuth 1985, S. 59
21 Claus Hartlef: Hamburger Lehrer fahren ins Saarland, HLZ 41/1934, S. 590.
22 Ebd., S. 591.
23 Personalakte a. a. O.
24 Fachliche Beurteilung vom 17.8.1942, Personalakte a. a. O.
25 Schreiben vom 2.9.1942, Personalakte a. a. O. Siehe die Biografie Hinrich von der Lieth, in: Hans-Peter de Lorent: Täterprofile Bd. 1, Hamburg 2016, S. 717 ff.
26 Vermerk von Senatssyndikus Dr. Schultz vom 6.5.1943, Personalakte a. a. O.
27 Schreiben Sahrhage an Hartlef vom 14.5.1943, Personalakte a. a. O. Siehe auch die Biografie Heinrich Sahrhage, in: Hans-Peter de Lorent: Täterprofile Bd. 2, Hamburg 2017, S. 284 ff.
28 Schreiben von Claus Hartlef vom 19.5.1943, Personalakte a. a. O.
29 Schreiben vom 25.5.1943 Personalakte a. a. O.
30 Schreiben von Senatssyndikus Dr. Schultz vom 27.5.1943, Personalakte a. a. O.
31 Schreiben von Fritz Köhne an Heinrich Sahrhage vom 29.5.1943, Personalakte a. a. O.
32 Vermerk von Schulrat Heher vom 31.5.1943, Personalakte a. a. O. Siehe auch die Biografie Willi Heher in diesem Band.
33 Personalakte a. a. O.
34 Siehe die Biografie Peter Jacobsgaard, in: de Lorent 2016, S. 397 ff.
35 Schreiben vom 13.9.1945, Entnazifizierungsakte Hartlef, a. a. O.
36 Schreiben vom 14.9.1945, Entnazifizierungsakte a. a. O.
37 Schreiben an den Berufungsausschuss vom 3.7.1946, Entnazifizierungsakte a. a. O.
38 Ebd.
39 Gustav Schmidt am 22.7.1946, Entnazifizierungsakte a. a. O.
40 Berufungsausschuss vom 20.9.1946, Entnazifizierungsakte a. a. O.
41 Schreiben vom 20.4.1948, Entnazifizierungsakte a. a. O.
42 Beratender Ausschuss vom 29.3.1949, Entnazifizierungsakte a. a. O.
43 Ebd.
44 Berufungsausschuss vom 30.4.1949, Entnazifizierungsakte a. a. O.
45 Dazu gibt es insgesamt vier Schreiben, Entnazifizierungsakte a. a. O.
46 Personalakte a. a. O.
47 Konferenzprotokoll vom 16.5.1960, Personalakte a. a. O.
48 Anlage zum Konferenzprotokoll, ebd.
49 Vermerk vom 15.6.1962, Personalakte a. a. O.
50 Personalakte a. a. O.
51 Laut Auskunft von Christina Ahrens vom Staatsarchiv Hamburg vom 27.8.2018.
 

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Datenbank online Die Dabeigewesenen

Von Hamburger NS-Täter/innen, Profiteuren, Denunziant/innen, Mitläufer/innen und Zuschauer/innen ... Eine Hamburg Topografie.

Die Dabeigewesenen

Aufsätze

Erklärung zur Datenbank

Stand Februar 2019: 716 Kurzprofile und 276 sonstige Einträge.

Diese Datenbank ist ein Projekt in Fortsetzung (work in progress). Eine Vollständigkeit ist niemals zu erreichen. Sie startet online im Februar 2016 mit rund 520 Profilen und mehr als 200 weiteren Einträgen, wird laufend ergänzt und erweitert werden. Wissenschaftliche Institute, Gedenkstätten, Universitäten und zum Thema forschende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler können gern ihre erarbeiteten Profile in diese Datenbank stellen lassen.

Quellenangaben, die sich auf Webseiten beziehen, sind die zum Zeitpunkt der Recherche gefundenen. Sollten Sie veraltete Links oder Aktualisierungen bzw. Verschiebungen der Inhalte feststellen, freuen wir uns über Hinweise.

Vor etlichen Jahren hat die Landesszentrale für politische Bildung Hamburg die Stolperstein-Datenbank www.stolpersteine-hamburg.de ermöglicht und gibt seit rund zehn Jahren gemeinsam mit dem Institut für die Geschichte der Deutschen Juden unter der Projektleitung von Dr. Beate Meyer und Dr. Rita Bake von der Landeszentrale für politische Bildung die Publikationsreihe „Stolpersteine in Hamburg, biografische Spurensuche“ heraus. Mit dieser Datenbank „Die Dabeigewesenen“ möchte die Landeszentrale für politische Bildung nun den Blick auf diejenigen lenken, die das NS-System stützten und mitmachten. Denn:

Eine Gesellschaft, die sich eine offene und freie Zukunft wünscht,
muss [...] über eine Kultur verfügen, die nicht auf dem Verdrängen
und Vergessen der Vergangenheit beruht.“ (Mario Erdheim Psychoanalytiker) 1)

Diese aktuell immer noch so wichtige Aussage bildet den inhaltlichen Ausgangspunkt dieser Datenbank. Sie enthält eine Sammlung mit Kurzprofilen über Menschen, die auf unterschiedlichste Weise an den NS-Gewaltverbrechen in Hamburg Anteil hatten, z.B. als Karrierist/innen, Profiteur/innen, Befehlsempfänger/innen, Denunziant/innen, Mitläufer/innen und Täter/innen. Aber auch sogenannte Verstrickte, die z. B. nach durchlittener Gestapo-Folter zum Spitzel wurden. Unter all diesen Dabeigewesenen gab es auch Menschen, die in keiner NS-Organisation Mitglied waren, die aber staatliche Aufträge - zum Beispiel als Künstler oder Architekt - annahmen und so von dem NS-System profitierten, im Gegensatz zu denen, die sich diesem System nicht andienten, deshalb in die Emigration gingen oder in Kauf nahmen, keine Karriere mehr zu machen bzw. kaum noch finanzielle Einnahmen zu haben.
Ebenso wurden solche Personen aufgenommen, die zum Beispiel vor und während der NS-Zeit den Idealen des Heimatschutzes und der Technik-Kritik anhingen und das NS-Regime dadurch unterstützten, indem sie staatliche Aufträge annahmen, die diesen Idealen entsprachen, da das NS-System solche Strömungen für seine Ideologie vereinnahmte.

Für die Datenbank „Die Dabeigewesenen“ wurden alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens wie Medizin, Justiz, Bildung und Forschung, Verwaltung, Kirche, Fürsorge und Wohlfahrt, Literatur, Theater und Kunst, Wirtschaft, Sport, Polizei und parteipolitische Organisationen berücksichtigt.

„denn wir können (…) das ganze Phänomen des Mitmachens und des Ermöglichens, das ja in der NS-Zeit eine genauso große Rolle gespielt hat, wie die Bereitschaft, selbst aktiver Täter vor Ort zu sein - das alles können wir nur verstehen, wenn wir die verschiedenen Facetten der Täterschaft noch viel genauer betrachten, als das bisher geschehen ist." 2)

In vielen Profilen wird der weitverbreitete Enthusiasmus vieler Deutscher für den Nationalsozialismus, gegenüber „seiner Wirtschafts- und Sozialpolitik, seine Architektur, seine Weltanschauung" 3) etc. deutlich. Und es zeigt sich, dass Menschen das NS-System stützten, indem sie z. B., ohne darüber nachzudenken und ohne zu hinterfragen, bereitwillig moralische und soziale Normen des NS-Staats übernahmen.

Mit Schaffung der „Ausgrenzungsgesellschaft“ war es für die „Mehrheitsgesellschaft“ möglich, u. a. NS-Rassentheorien praktisch umzusetzen.

Diese Erkenntnis ist angesichts heutiger aktueller gesellschafts-politischer Entwicklungen von Bedeutung. In einem Interview zum Thema Fremdenfeindlichkeit bemerkte der Antisemitismusforscher Prof. Dr. Wolfgang Benz auf die Frage, ob aus der Geschichte zu lernen sei. „Wir könnten schon. Wir könnten zum Beispiel lernen, dass der Fremde nicht schuld ist an dem Hass, der ihm widerfährt. Es scheint tatsächlich schwierig zu vermitteln zu sein, dass das Opfer nicht dafür verantwortlich ist, dass es totgeschlagen oder misshandelt wird. Juden werden nicht verfolgt, weil an ihnen etwas ist, was sie zu Opfern macht, sondern weil die Mehrheitsgesellschaft Opfer braucht, und zwar zur eigenen Identitätsstiftung. Zuwanderer, Fremde, Andersgläubige werden ausgegrenzt. Das stärkt das Selbstgefühl der Mehrheit.“ 4)

Mit der Datenbank soll eine Hamburg Topographie der „Dabeigewesenen“ entstehen, um somit konkrete Orte des NS-Geschehens sichtbar zu machen. Deshalb werden auch nur diejenigen Dabeigewesenen aufgenommen, die zwischen 1933 und 1945 in Hamburg mit seinen Grenzen nach 1937 gelebt/gearbeitet haben. Neben Personenprofilen sind auch Adressen von NSDAP-Organisationen und -Einrichtungen zu finden. Darüber hinaus gibt es für einzelne Stadtteile Einträge, die die NS-Aktivitäten im Stadtteil beschreiben. In der Datenbank kann nach Namen, Straßen, Bezirken und Stadtteilen gesucht werden, damit also auch nach den Wohnadressen und/oder Adressen der Arbeitsstätten (soweit recherchierbar). Durch Hinzuziehen der Stolpersteindatenbank (hier sind die Adressen der NS-Opfer aufgenommen, für die bisher Stolpersteine verlegt wurden) und der virtuellen Hamburg-Stadt-Karte (sie verzeichnet die Zwangsarbeiterlager und Firmen, die Zwangsarbeiter beschäftigt haben) wird eindringlich deutlich, wie dicht benachbart Opfer und Dabeigewesene in Hamburg gelebt und gewirkt haben. Mit diesen Informationen ist es immer schwerer, die altbekannte Entschuldigung aufrecht zu erhalten; wir haben doch nichts davon gewusst.

In den vorgestellten Profilen liegt der Fokus auf Handlungen und Einstellungen zum NS-Regime. Privates wird nur erwähnt, wenn es für die Haltung zum NS-Regime von Relevanz ist. Recherchegrundlage für diese Datenbank waren bereits vorhandene wissenschaftliche Veröffentlichungen (z. B. von der KZ-Gedenkstätte Neuengamme und dem Institut für Zeitgeschichte), Biographien, Sammelbände und Dissertationen zu Hamburg im Nationalsozialismus, aber auch in diversen Fällen Entnazifizierungsakten und andere Akten und Dokumente, die im Staatsarchiv Hamburg zur Verfügung stehen. Für die Adressenrecherchen wurden die digitalisierten Hamburger Adressbücher von 1933 bis 1943 der Staats- und Universitätsbibliothek genutzt. Trotz größter Sorgfalt beim Zusammentragen der Daten, ist es dennoch möglich, dass Schreibweisen von Namen variieren und Lebensdaten fehlerhaft sind. In den Profilen und den Beschreibungen der Funktionen sowie des „Wirkens“ des Dabeigewesenen konnte nicht komplett auf das NS-Vokabular – der Sprache der Täter – verzichtet werden, dennoch wurde versucht, diesen Anteil gering zu halten und neutralere Umschreibungen zu finden.
Die meisten der aufgeführten Personen wurden schnell nach Kriegsende durch die Entnazifizierungsstellen als entlastet eingestuft, sie mussten sich selten vor Gericht verantworten oder sie wurden aufgrund von Verjährung ihrer Taten nicht juristisch verurteilt. So stellt Can Bozyakali in seiner Dissertation z. B. zum Sondergericht am Hanseatischen Oberlandesgericht fest, dass auch in Hamburg bis Anfang der 1950er Jahre 63% aller Justizjuristen, die am Sondergericht tätig gewesen waren, wieder in den Justiz-Dienst eingestellt wurden. „[…] anhand dieser Werte [kann] von einer ‚Renazifizierung‘ gesprochen werden.“ 5)

Dr. Rita Bake, Dr. Brigitta Huhnke, Katharina Tenti (Stand: Anfang 2016)

1) Mario Erdheim: „I hab manchmal furchtbare Träume … Man vergißts Gott sei Dank immer glei...“ (Herr Karl), in: Meinrad Ziegler, Waltraut Kannonier-Finster: Österreichisches Gedächtnis. Über Erinnern und Vergessen der NS-Vergangenheit. Wien 1993.
2) Wolfram Wette: Deutschlandfunk-Interview am 20.11.2014, anlässlich seines neuen Buches: „Ehre, wem Ehre gebührt. Täter, Widerständler und Retter - 1933-1945“, Bremen 2015.
3) Raphael Gross: Anständig geblieben. Frankfurt a. M.  2010, S. 17.
4) Wolfgang Benz: „Ich bin schon froh, wenn es nicht schlimmer wird". Der Historiker Wolfgang Benz über die lange Geschichte der Fremdenfeindlichkeit in Deutschland – und was neu ist an den Pegida-Märschen. Interview: Markus Flohr und Gunter Hofmann, in ZEIT online vom 21. Dezember 2015. www.zeit.de/zeit-geschichte/2015/04/wolfgang-benz-pegida-antisemitismus-fremdenfeindlichkeit
5) Can Bozyakali: Das Sondergericht am Hanseatischen Oberlandesgericht: Eine Untersuchung der NS-Sondergerichte unter besonderer Berücksichtigung der Anwendung der Verordnung gegen Volksschädlinge, Frankfurt/ Main 2005, S. 235.

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