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Hellmuth Dahms

(7.9.1904 Leipzig – 3.10.1947)
Leiter der Gauhauptstelle und Abteilung Schulung, verantwortlich für die Lagerschulungen, Schulleiter Schule Hasselbrook, Ritterstraße 46
Lübecker Chaussee 8 (Wohnadresse, 143)

Dr. Hans-Peter de Lorent hat das Portrait über Hellmuth Dahms verfasst und in seinem Buch „Täterprofile Band 2“ veröffentlicht.

Eine wichtige Funktion im NSLB-Hamburg hatte Hellmuth Dahms. Er war Leiter der Gauhauptstelle und Abteilung Schulung und damit verantwortlich für die Lagerschulungen von Lehrerinnen und Lehrer, die für die ideologische Umerziehung der Hamburger Lehrerschaft von zentraler Bedeutung waren. Über Hellmuth Dahms gibt es nur noch wenige personenbezogene Dokumente. Seine Personalakte existiert nicht mehr, da er am 3.10.1947 in der Kriegsgefangenschaft starb. Deshalb ist auch keine Entnazifizierungsakte vorhanden.

Das Thema Lagerschulung in Hamburg soll über die Person Hellmuth Dahms rekonstruiert werden.

Hellmuth Dahms wurde am 7.9.1904 in Leipzig als Sohn des Privatgelehrten Albert Dahms und seiner Frau Magdalena geboren.1

Offenbar durchlief Hellmuth Dahms die seminaristische Lehrerausbildung und trat somit mit 22 Jahren in den Hamburger Schuldienst ein. Er war zuerst Lehrer an der Schule Wendenstraße 268 und später an der Schule Osterbrook .2 Seit dem 4.10.1933 war Hellmuth Dahms verheiratet mit Elsa Frieda Dahms, geborene Börner, mit der er zumindest eine Tochter hatte.3 Laut dem NSLB-Pressewart 1934, Herbert Bieber, war Hellmuth Dahms eines der langjährigen Mitglieder des NSLB. Mit 29 Jahren war er schon Kreisamtsleiter von Hohenfelde und Gauhauptstellenleiter des NSLB, der Abteilung Schulung.4 Er war von Landesschulrat und Gauamtsleiter Willi Schulz für die „nationalpolitische, allgemeinsportliche und kameradschaftliche Ausbildung“ der Lehrerinnen und Lehrer eingesetzt worden.5

Die erste große Aktivität war ein Schulungslager des NSLB-Hamburg in der Wingst, das unter Leitung von Hellmuth Dahms stattfand. Daran nahmen 36 junge Lehrer aus dem Hamburger Stadt- und Landgebiet teil, die an Volksschulen und höheren Schulen unterrichteten und sich erstmals am 22.9.1933 im früheren Lehrerseminar Freiligrathstraße zur Vorbereitung getroffen hatten. Helmut Dahms berichtete darüber in der HLZ.6 Schon während der Autobusfahrt in das Schulungslager wurden „Stubenobleute“ ernannt. Geplant wurden: Sportliche Übungen, Lieder singen, Leseabende, Fahnenhissen- und einholen, ideologische Vorträge, kein Meinungsstreit, sondern „Gespräch“ als „wirksames Mittel der Werbung“. Es fanden Wanderungen statt und ein Tanzabend. Zum Abschluss übergaben Willi Schulz und Kurt Holm der in der Wingst neu gegründeten „Lehrerbereitschaft Heinrich von Kleist“ die erste Fahne des NSLB-Hamburg. Zur Fahnenweihe erinnerte Willi Schulz an die Gefallenen der Bewegung. Zum Gedenken an die Langemarck-Jugend wurde ein Feuer entzündet.7

Was nach unpolitischer Lagerromantik klang, hatte eine zutiefst politische Absicht. In einer Rede anlässlich seines Antrittsbesuchs beim NSLB-Reichsführer, Hans Schemm, im Münchener Zirkus Krone hatte der Reichskommissar für das preußische Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung, Bernhard Rust am 6.8.1934 erklärt: „Nationalsozialist wird man nur im Lager und in der Kolonne. Ihr müsst etwas anderes werden als ihr wart.“ Rust verkündete seine Absicht, „alljährlich die Lehrer ohne Unterschied zu sammeln und sie wissenschaftlich, wehrpolitisch und nationalpolitisch zu überholen“.8

  Willi Schulz hatte Helmut Dahms auch zum Leiter eines neu geschaffenen Amtes für Junglehrer im NSLB ernannt. Eine der dringendsten Aufgaben war die Betreuung der stellungslosen und bedürftigen Junglehrer.9

Die HLZ nannte als Informanten über die Schulungsveranstaltungen des NSLB-Hamburg: Hellmuth Dahms, Knabenschule Osterbrook ; Dr. Herbert Bieber, Wichernschule; Egon Herz, Schule Slomanstieg ; Konrad Paschen, Institut für Leibesübungen an der Universität Hamburg; Hans Einfeldt, Schulverwaltung.10

 NSLB-Landesleiter Willi Schulz beauftragte Hellmuth Dahms auch mit der Organisation des Schulschutzes. Die Einführung des Schulschutzes beschrieb Uwe Schmidt folgendermaßen:

 „Eine der wirksamsten Einrichtungen zur Verbreitung nationalsozialistischen Gedankengutes sei der Luftschutz gewesen. Insbesondere die Lehrer seien oft den flegeligen Anrempeleien von Vertretern des nationalsozialistischen Reichsluftschutzbundes wehrlos ausgesetzt gewesen. Damit auch die Lehrer einmal in Uniform zu sehen sein sollten, hatte man nach dem Vorbild des ‚Werkschutzes‘ den ‚Schulschutz‘ erfunden, eine Formation, die offenbar flankierend zur Sicherung von NSLB-Versammlungen eingesetzt werden sollte. Der Schulschutz leistete seinen Beitrag zur Verbreitung des militärischen Umgangstones im dienstlichen und zivilen Leben der Lehrer und produzierte das vorgegebene nationalsozialistische ‚Niveau‘.“11

 Schmidt berichtete auch, dass im Oktober 1933 anfangs 200, später 400 Junglehrer im Langenhorner Jugendpark zu „Übungen“ zusammengezogen wurden. Für die militärische Ausbildung der Schulschutz-Kollegen war SS-Sturmführer Ewald Schumacher zuständig, für die nationalpolitische, allgemeinsportliche und kameradschaftliche Ausbildung NSLB-Schulungsleiter Hellmuth Dahms.12

Als sich herausstellte, dass viele Lehrer bei den Schulschutzübungen unentschuldigt fehlten, wurde die Verantwortung für den Schulschutz dem stellvertretenden Gauamtsleiter des NSLB und Oberschulrat für den Volkschulbereich, Albert Mansfeld, übertragen.13

1935 berief die Schulverwaltung Hellmuth Dahms nebenamtlich als Dozent an das Institut für Lehrerfortbildung.14

Am 30.3.1935 erstellten Hellmuth Dahms, Werner Müller und Herbert Manig einen Bericht für den NSLB-Hamburg über die Zusammenarbeit mit der Gauführerschule Hamburg. Zu jedem Kurs wurden 10 bis 15 Lehrer entsandt. Zuständig dafür waren die Gausachbearbeiter des NSLB für körperliche Ertüchtigung (Werner Müller), Geländesport ( Herbert Manig) und Schulung (Hellmuth Dahms). Gemeinsame Arbeitsfelder von NSLB und Gauführerschule waren die Fortbildungsabteilungen für den Schulschutz, die Lehrerbereitschaft und die Lehrerlager. Die älteren drei Fortbildungsabteilungen (240 Mann) standen unter der Regie von Lehrern, die jüngeren zwei Ausbildungsabteilungen (160 Mann) wurden wöchentlich einmal von SS-Lehrern soldatisch ausgebildet. „Sprechabende behandeln die Themen Führung und Gefolgschaft, Kriegertum und Drill, nationalpolitische Erziehung durch das Lager.“ Als Sprechabende und Arbeitsgemeinschaftsarbeit wurden unter anderem folgende Beispiele genannt: Johannes Böckenhauer über seine sibirische Gefangenschaft, John Wöhlert über den Unterschied zwischen dem NS-Erziehungswillen und dem der ersten Erzieherbewegung und Herbert Bieber über die Reichsführerschule, verbunden mit der Frage: „Schulung oder Erziehung“?15

 Am 27.12.1935 erstellte Hellmuth Dahms als Gauschulungsleiter für den Hamburger NSLB einen Bericht über die „Lehrerlager 1935“. Er schrieb darin: „Die Gefahr des Erzieherstandes ist, dass sich die Lehrer mit dem nationalsozialistischen Gedankengut anschauungsmäßig, wissenschaftlich, literarisch und intellektuell beschäftigen und glauben, den Nationalsozialismus auf diese Weise erkannt zu haben und durch Annahme seiner Weltanschauung als Anschauung bereits Nationalsozialisten zu werden oder geworden zu sein.“16 Er verwies auf die Erkenntnis des Reichserziehungsministers Bernhard Rust, der die Lagerschulung angeordnet hatte mit der Feststellung: „Nationalsozialist wird man nur im Lager und in der Kolonne.“17

 Hellmuth Dahms kritisierte an der Mehrheit der damals tätigen Lehrer, dass ihnen in vielen Fällen die „Kenntnis der Erziehungsmöglichkeiten der Schulen“ und die Beherrschung der Methoden fehle, so auch „der Wille zur Verteidigung der schulischen Möglichkeiten gegenüber dem planmäßigen Angriff der Hitler-Jugend gegen alle schulische Erziehungsarbeit“. Als Probleme benannte er auch, dass die Schulverwaltung in den Personen des Juristen Henry Edens und OSR Wilhelm Oberdörffer die Auffassung vertrete, dass es sich bei den Schulungsveranstaltungen nicht um behördliche Veranstaltungen handeln würde, sondern um nationalsozialistische und diese daher in den Ferien stattzufinden hätten. Hauptzielgruppe für die Schulungsveranstaltungen war die Gruppe der jungen Lehrerinnen und Lehrer.

OSR Theodor Mühe legte am 12.5.1934 eine Denkschrift zur Neuordnung des Vorbereitungsdienstes vor, in der für die künftige Referendarausbildung von Lehrern an Volksschulen und an höheren Schulen nach dem Studium ein sechswöchiges Schulungslager vorgesehen war.18 Und in dem Protokoll der Lehrerkonferenz der Schule Taubenstraße wurde festgehalten: „Lehrer, die an einem 21-tägigen Schulungslager teilnehmen können und möchten, haben sich bei der Schulleitung zu melden. Für die Teilnahme bleibt das Alter unbegrenzt, doch wird erwartet, das vornehmlich jüngere Kollegen sich melden. Es soll kein Zwang sein. Später werden auch Lager für Lehrerinnen eingerichtet werden.“19

 Ostern 1935 begann der NSLB mit seinen obligatorischen Lagerschulungen. Die 40-Jährigen und Jüngere wurden zur Teilnahme verpflichtet. Von den in den Lagern verwendeten Flaggensprüchen stammten etwa 20 aus Hitlers „Mein Kampf“ und elf von Gorch Fock.20 Am 19.4.1935 nahm Hellmuth Dahms an einer Arbeitstagung der NSDAP im Hamburger Rathaus teil, die zur Vorbereitung und Eröffnung des Hamburger HJ-Sommerlagers bei Cuxhaven am 1.7.1935 dienen sollte. Das Lager, unter der Schirmherrschaft von Gauleiter und Reichstatthalter Karl Kaufmann, sollte zugleich der Erholung und der Ausrichtung der Jugend im nationalsozialistischen Geiste dienen. Das „Hamburger Tageblatt“ zitierte aus der Rede Kaufmanns: „Die gegenwärtige Generation hat nur zum Teil das nationalsozialistische Hochziel erreicht. Jugend muß vollenden, was mit der nationalsozialistischen Revolution begonnen wurde. Darum gilt es, die Träger der Zukunft zu schulen und zu ertüchtigen, damit sie ihre Aufgabe erfüllen können.“21

In der HLZ-Ausgabe 10/1937 wurde schwerpunktmäßig das Thema Lagerschulung behandelt. In einigen Aufsätzen äußerten sich einige Teilnehmer nach dem 7. Führerlager vom 2. bis 6.1.1937. Die Einleitung dafür schrieb Hellmuth Dahms auf dem Titelblatt dieser HLZ unter der Überschrift „Schulung und Einsatz!“ Dahms nannte dabei die seine Arbeit leitenden Grundsätze:
„1. Die Schulung der Hamburger Lehrerschaft soll ein Weg in die Bewegung sein, den sie selbst geht. Sie sollen nicht wie Schüler oder Lehrlinge durch ältere oder bessere Nationalsozialisten dazu geschult werden, sondern dauernd aus ihr selbst ein Kräftestrom erzeugt werden, der sie in die Bewegung hineinträgt. Dabei gelten keine vergangenen Verdienste, sondern die Dienstgesinnung und das Leistungsvermögen in der Gegenwart und ihr Wert für die Zukunft.

2. Die Schulung der Lehrerschaft muß bei deren Ausbildung und Eigenart in erster Linie nicht auf dem Wege der Aufklärung und Belehrung erfolgen, sondern die Herzen unmittelbar in Bewegung bringen, versiegte Erlebnisquellen wieder aufschlagen und so die notwendigsten Voraussetzungen zur nationalsozialistischen Erziehertätigkeit wieder wecken: Aufgeschlossenheit zum Mitmenschen, Glauben an Deutschlands Kraft und Volkstum, Vertrauen zur Führung.

3. Schulung ist nur echt, wenn sie zum Tun führt. Eine unlösbare, stetige Verbindung besteht zwischen der gedanklichen Ausrichtung an der Idee des Führers bis hin zum Handeln, zwischen Führerschulung und Winterhilfswerk, zwischen der Teilnahme an Kursen und Lagern unter eigenem, selbständigen Dienen und der Übernahme eines Amtes, dem Ergreifen eines Einsatzes. Schulung und Einsatz, unlösbar verbunden, erst ergeben einen nationalsozialistischen Erzieherstand, beide Pole gewinnen erst in dieser Verbindung jeder seine Bedeutung und seinen erziehenden Wert.“22

An anderer Stelle hatte Hellmuth Dahms ausgeführt, dass Hamburg die Aufforderung des Reichswalters des NS-Lehrerbundes, Fritz Wächtlers, „Stoßtrupps“ in den Gauen zu bilden, schon umgesetzt habe.

„Der Blick der Erzieherschaft muß mehr als der jedes anderen Standes gerichtet sein auf das Schicksal unseres ganzen Volkes, seine Nöte, seine Aufgaben, seine Anstrengungen und dementsprechend unsere Pflichten als deutsche Männer und Frauen dabei mitzuhelfen. Je mehr der Lehrer hier als Mann unter Männern mitkämpft und mitarbeitet, desto mehr wird das Zerrbild des ‚Paukers‘ und ‚Pensumschusters‘ verblassen, das uns immer wieder in der Literatur und in der Anschauung des Volkes entgegentritt. Je mehr der Lehrer so sich in den Strom des Lebens stellt, desto mehr wird die Schularbeit seinen Pulsschlag spüren lassen. So ist es eine unabweisbare Forderung, daß gerade die Erzieherschaft – wie übrigens jeder andere Stand auch – neben den beruflichen Pflichten auch die politischen Pflichten als Berufsstand erfülle.“23

Stoßtrupps zu folgenden Themen hätte der Hamburger NSLB schon auf den Weg gebracht: „Grenz- und Ostarbeit! Deutschtum und Ausland! Seefahrt ist not! Volksarbeit in Hamburg! Wirtschaftsaufbau, Vierjahresplan! Gesundes und wehrhaftes Volk. Heimat und Weltanschauung. Feinde unserer Weltanschauung!“24

An zwei Beispielen soll gezeigt werden, was Hellmuth Dahms als konkrete Aufgabe für die jeweiligen Stoßtrupps konzipiert hatte. Zum Thema „Heimat und Weltanschauung“ schrieb er: „Diese beiden Pole nationalsozialistischer Geistesarbeit sollen bei unseren Kameraden vereinigt werden: Heimatkundler sollen Künder unserer Weltanschauung und Schulungsmänner Heimatkundige sein. Die vorgeschichtlichen, rassen-, volks-, sippenkundlichen und geschichtlichen Erkenntnisse werden bei der Vertiefung in die Heimat zu einer anschaulichen Grundlage unserer Weltanschauung. Das Gauschulungsamt der NSDAP wird sich dieser Arbeit annehmen. Männer und Frauen, die so geschult sind, fehlen uns noch an vielen Orten. Wer ist berufener, hier der Bewegung zu dienen, als gerade der Lehrer?“25

Und zum Stoßtrupp „Feinde unserer Weltanschauung“ formulierte er:
„Aus ihrem Menschenideal heraus und wegen der antisemitischen Kampfform hat im allgemeinen die Lehrerschaft sich diesem Kampfe möglichst ferngehalten. Auch heute dürfte das kaum wesentlich anders sein. Uns fehlen Kämpfer, die bei gründlicher Kenntnis und steter Beobachtung der Judenfrage und der Arbeit anderer zersetzender Mächte (Komintern u. a.) in und außerhalb der Lehrerschaft vom Gauschulungsamt der NSDAP zur Aufklärung eingesetzt werden können.“26

 Am 1.11.1937 verfasste Hellmuth Dahms eine 13-seitige Denkschrift über die Lehrerlager und die in ihnen betriebene Schulung. Die Schulungen richteten sich gezielt „gegen den politisch uninteressierten und nicht an der Aufbauarbeit unserer Bewegung beteiligten Kollegen, den gleichgültigen Beamten, aber auch gegen den ‚privaten Gelehrten‘, gegen den Sondersachbearbeiter für den Privatgebrauch, den Fachmann ohne politische Verbundenheit, den Fachlehrer ohne nationalsozialistisches Erziehungsziel, den Unterrichtsmethodiker von Profession.“ Gemeint waren ein großer Teil der älteren Kollegen, auch manche Amtsträger des NSLB. Die Politisierung sollte in Form des „Stoßtrupps“ erfolgen. Besonders wichtig seien Lager in Gegenden Deutschlands, wo die „Feinde unserer Bewegung“ vertreten sind: Bayerische Ostmark, Münsterland, Paderborn. Dahms hielt es für vorteilhaft, dass der Hamburger NSLB keine Gauschule besaß, denn die Lager seien viel anregender und reizvoller.27

Der eifrige Parteisoldat Hellmuth Dahms wurde mit einer Schulleiterstelle belohnt. Das Lehrerverzeichnis des Schuljahres 1938–1939 führte ihn als Schulleiter der Schule Hasselbrook, Ritterstraße 46.28

 Mit Kriegsbeginn endete das Programm der Lagerschulung der Lehrer. Bereits vor Kriegsbeginn waren Lagerschulungen stark rückläufig. Da von Hellmuth Dahms keine Personalakte mehr existiert, kann über sein weiteres „Schicksal“ nur spekuliert werden. Aus seiner Sterbeurkunde geht hervor, dass er am 3.10.1947 im Kriegsgefangenenlazarett Nummer 2989 in Russland verstarb. Als Todesursache wurde „Krankheit“ angegeben. Vermerkt wurde auch, dass Hellmuth Dahms Leutnant gewesen war. Vermutlich wird er, nachdem seine politische Lebensaufgabe, Lagerschulungen zu organisieren, mit Beginn des Krieges erfüllt war, sich für den Kriegsdienst gemeldet haben.29

 Uwe Schmidt, der einen Kontakt zu Dahms Tochter Ortrud hergestellt hatte, gab eine andere Variante an: „1945 wurde Dahms im Erzgebirge, wohin seine Familie evakuiert worden war, von sowjetischen Organen verhaftet und nach Sibirien deportiert. Dort starb er 1947.“30

Das Buch „Täterprofile, Band 2, Hamburg 2017“ ist erhältlich in der Landeszentrale für politische Bildung, Hamburg.

Anmerkungen
1 Daten aus der Sterbeurkunde von Hellmuth Dahms, die mir in Kopie am 18.2.2008 von Uwe Schmidt zugeschickt worden war. Gemeinsam mit Uwe Schmidt habe ich in den Jahren 2007 und 2008 über Hellmuth Dahms geforscht und die zusammengetragenen Daten und Dokumente ausgetauscht, wie wir es auch zu anderen Personen, die uns gemeinsam interessierten, getan haben.
2 Angaben laut den Hamburgischen Lehrerverzeichnissen der Schuljahre 1929/30 und 1932/33, beide herausgegeben von der Gesellschaft der Freunde und dem Verein Hamburger Volksschullehrerinnen.
3 Laut Sterbeurkunde.
4 BArch, NS 12_1416a.
5 HLZ 34-35/1934, S. 523. Siehe auch: Hans-Peter de Lorent: Täterprofile Bd. 1, Hamburg 2016, S. 33.
6 HLZ 43/1933, S. 571f.
7 Ebd. Siehe auch die Biografien Willi Schulz und Kurt Holm in: de Lorent 2016, S. 99ff. und 701ff.
8 Andreas Kraas: Lehrerlager 1932–1945. Politische Funktion und pädagogische Gestaltung, Bad Heilbrunn 2004, S. 69.
9 BArch, NS 12_1416a.
10 HLZ 34-35/1934, S. 524.
11 Uwe Schmidt: Hamburger Schulen im „Dritten Reich“, Hamburg 2010, S. 341f.
12 Schmidt 2010, S. 342.
13 Ebd. Siehe auch die Biografie Albert Mansfeld in: de Lorent 2016, S. 118ff.
14 Laut Hamburgisches Lehrerverzeichnis für das Schuljahr 1935/1936, herausgegeben vom NSLB Hamburg.
15 BArch, NS 12_913.
16 BArch, NS 12_1416a.
17 Alle weiteren Zitate ebd.
18 StA HH, 361-2 VI_1722 - Neuordnung des Vorbereitungsdienstes 1933–1940.
19 StA HH, 362-3/66, Ablage 2006/1_1.
20 BArch, NS 12/1416a.
21 „Hamburger Tageblatt“ vom 20.4.1935.
22 HLZ 10/1937, S. 109.
23 HLZ 36/1937, S. 382.
24 Ebd.
25 Ebd.
26 Ebd.
27 BArch, NS 12_1416a.
28 Hamburgisches Lehrerverzeichnis für das Schuljahr 1938/1939, herausgegeben vom NSLB.
29 Zur Sterbeurkunde siehe Anmerkung 1.
30 Schmidt 2010, S. 454.
 

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Datenbank online Die Dabeigewesenen

Von Hamburger NS-Täter/innen, Profiteuren, Denunziant/innen, Mitläufer/innen und Zuschauer/innen ... Eine Hamburg Topografie.

Die Dabeigewesenen

Aufsätze

Erklärung zur Datenbank

Stand Februar 2019: 716 Kurzprofile und 276 sonstige Einträge.

Diese Datenbank ist ein Projekt in Fortsetzung (work in progress). Eine Vollständigkeit ist niemals zu erreichen. Sie startet online im Februar 2016 mit rund 520 Profilen und mehr als 200 weiteren Einträgen, wird laufend ergänzt und erweitert werden. Wissenschaftliche Institute, Gedenkstätten, Universitäten und zum Thema forschende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler können gern ihre erarbeiteten Profile in diese Datenbank stellen lassen.

Quellenangaben, die sich auf Webseiten beziehen, sind die zum Zeitpunkt der Recherche gefundenen. Sollten Sie veraltete Links oder Aktualisierungen bzw. Verschiebungen der Inhalte feststellen, freuen wir uns über Hinweise.

Vor etlichen Jahren hat die Landesszentrale für politische Bildung Hamburg die Stolperstein-Datenbank www.stolpersteine-hamburg.de ermöglicht und gibt seit rund zehn Jahren gemeinsam mit dem Institut für die Geschichte der Deutschen Juden unter der Projektleitung von Dr. Beate Meyer und Dr. Rita Bake von der Landeszentrale für politische Bildung die Publikationsreihe „Stolpersteine in Hamburg, biografische Spurensuche“ heraus. Mit dieser Datenbank „Die Dabeigewesenen“ möchte die Landeszentrale für politische Bildung nun den Blick auf diejenigen lenken, die das NS-System stützten und mitmachten. Denn:

Eine Gesellschaft, die sich eine offene und freie Zukunft wünscht,
muss [...] über eine Kultur verfügen, die nicht auf dem Verdrängen
und Vergessen der Vergangenheit beruht.“ (Mario Erdheim Psychoanalytiker) 1)

Diese aktuell immer noch so wichtige Aussage bildet den inhaltlichen Ausgangspunkt dieser Datenbank. Sie enthält eine Sammlung mit Kurzprofilen über Menschen, die auf unterschiedlichste Weise an den NS-Gewaltverbrechen in Hamburg Anteil hatten, z.B. als Karrierist/innen, Profiteur/innen, Befehlsempfänger/innen, Denunziant/innen, Mitläufer/innen und Täter/innen. Aber auch sogenannte Verstrickte, die z. B. nach durchlittener Gestapo-Folter zum Spitzel wurden. Unter all diesen Dabeigewesenen gab es auch Menschen, die in keiner NS-Organisation Mitglied waren, die aber staatliche Aufträge - zum Beispiel als Künstler oder Architekt - annahmen und so von dem NS-System profitierten, im Gegensatz zu denen, die sich diesem System nicht andienten, deshalb in die Emigration gingen oder in Kauf nahmen, keine Karriere mehr zu machen bzw. kaum noch finanzielle Einnahmen zu haben.
Ebenso wurden solche Personen aufgenommen, die zum Beispiel vor und während der NS-Zeit den Idealen des Heimatschutzes und der Technik-Kritik anhingen und das NS-Regime dadurch unterstützten, indem sie staatliche Aufträge annahmen, die diesen Idealen entsprachen, da das NS-System solche Strömungen für seine Ideologie vereinnahmte.

Für die Datenbank „Die Dabeigewesenen“ wurden alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens wie Medizin, Justiz, Bildung und Forschung, Verwaltung, Kirche, Fürsorge und Wohlfahrt, Literatur, Theater und Kunst, Wirtschaft, Sport, Polizei und parteipolitische Organisationen berücksichtigt.

„denn wir können (…) das ganze Phänomen des Mitmachens und des Ermöglichens, das ja in der NS-Zeit eine genauso große Rolle gespielt hat, wie die Bereitschaft, selbst aktiver Täter vor Ort zu sein - das alles können wir nur verstehen, wenn wir die verschiedenen Facetten der Täterschaft noch viel genauer betrachten, als das bisher geschehen ist." 2)

In vielen Profilen wird der weitverbreitete Enthusiasmus vieler Deutscher für den Nationalsozialismus, gegenüber „seiner Wirtschafts- und Sozialpolitik, seine Architektur, seine Weltanschauung" 3) etc. deutlich. Und es zeigt sich, dass Menschen das NS-System stützten, indem sie z. B., ohne darüber nachzudenken und ohne zu hinterfragen, bereitwillig moralische und soziale Normen des NS-Staats übernahmen.

Mit Schaffung der „Ausgrenzungsgesellschaft“ war es für die „Mehrheitsgesellschaft“ möglich, u. a. NS-Rassentheorien praktisch umzusetzen.

Diese Erkenntnis ist angesichts heutiger aktueller gesellschafts-politischer Entwicklungen von Bedeutung. In einem Interview zum Thema Fremdenfeindlichkeit bemerkte der Antisemitismusforscher Prof. Dr. Wolfgang Benz auf die Frage, ob aus der Geschichte zu lernen sei. „Wir könnten schon. Wir könnten zum Beispiel lernen, dass der Fremde nicht schuld ist an dem Hass, der ihm widerfährt. Es scheint tatsächlich schwierig zu vermitteln zu sein, dass das Opfer nicht dafür verantwortlich ist, dass es totgeschlagen oder misshandelt wird. Juden werden nicht verfolgt, weil an ihnen etwas ist, was sie zu Opfern macht, sondern weil die Mehrheitsgesellschaft Opfer braucht, und zwar zur eigenen Identitätsstiftung. Zuwanderer, Fremde, Andersgläubige werden ausgegrenzt. Das stärkt das Selbstgefühl der Mehrheit.“ 4)

Mit der Datenbank soll eine Hamburg Topographie der „Dabeigewesenen“ entstehen, um somit konkrete Orte des NS-Geschehens sichtbar zu machen. Deshalb werden auch nur diejenigen Dabeigewesenen aufgenommen, die zwischen 1933 und 1945 in Hamburg mit seinen Grenzen nach 1937 gelebt/gearbeitet haben. Neben Personenprofilen sind auch Adressen von NSDAP-Organisationen und -Einrichtungen zu finden. Darüber hinaus gibt es für einzelne Stadtteile Einträge, die die NS-Aktivitäten im Stadtteil beschreiben. In der Datenbank kann nach Namen, Straßen, Bezirken und Stadtteilen gesucht werden, damit also auch nach den Wohnadressen und/oder Adressen der Arbeitsstätten (soweit recherchierbar). Durch Hinzuziehen der Stolpersteindatenbank (hier sind die Adressen der NS-Opfer aufgenommen, für die bisher Stolpersteine verlegt wurden) und der virtuellen Hamburg-Stadt-Karte (sie verzeichnet die Zwangsarbeiterlager und Firmen, die Zwangsarbeiter beschäftigt haben) wird eindringlich deutlich, wie dicht benachbart Opfer und Dabeigewesene in Hamburg gelebt und gewirkt haben. Mit diesen Informationen ist es immer schwerer, die altbekannte Entschuldigung aufrecht zu erhalten; wir haben doch nichts davon gewusst.

In den vorgestellten Profilen liegt der Fokus auf Handlungen und Einstellungen zum NS-Regime. Privates wird nur erwähnt, wenn es für die Haltung zum NS-Regime von Relevanz ist. Recherchegrundlage für diese Datenbank waren bereits vorhandene wissenschaftliche Veröffentlichungen (z. B. von der KZ-Gedenkstätte Neuengamme und dem Institut für Zeitgeschichte), Biographien, Sammelbände und Dissertationen zu Hamburg im Nationalsozialismus, aber auch in diversen Fällen Entnazifizierungsakten und andere Akten und Dokumente, die im Staatsarchiv Hamburg zur Verfügung stehen. Für die Adressenrecherchen wurden die digitalisierten Hamburger Adressbücher von 1933 bis 1943 der Staats- und Universitätsbibliothek genutzt. Trotz größter Sorgfalt beim Zusammentragen der Daten, ist es dennoch möglich, dass Schreibweisen von Namen variieren und Lebensdaten fehlerhaft sind. In den Profilen und den Beschreibungen der Funktionen sowie des „Wirkens“ des Dabeigewesenen konnte nicht komplett auf das NS-Vokabular – der Sprache der Täter – verzichtet werden, dennoch wurde versucht, diesen Anteil gering zu halten und neutralere Umschreibungen zu finden.
Die meisten der aufgeführten Personen wurden schnell nach Kriegsende durch die Entnazifizierungsstellen als entlastet eingestuft, sie mussten sich selten vor Gericht verantworten oder sie wurden aufgrund von Verjährung ihrer Taten nicht juristisch verurteilt. So stellt Can Bozyakali in seiner Dissertation z. B. zum Sondergericht am Hanseatischen Oberlandesgericht fest, dass auch in Hamburg bis Anfang der 1950er Jahre 63% aller Justizjuristen, die am Sondergericht tätig gewesen waren, wieder in den Justiz-Dienst eingestellt wurden. „[…] anhand dieser Werte [kann] von einer ‚Renazifizierung‘ gesprochen werden.“ 5)

Dr. Rita Bake, Dr. Brigitta Huhnke, Katharina Tenti (Stand: Anfang 2016)

1) Mario Erdheim: „I hab manchmal furchtbare Träume … Man vergißts Gott sei Dank immer glei...“ (Herr Karl), in: Meinrad Ziegler, Waltraut Kannonier-Finster: Österreichisches Gedächtnis. Über Erinnern und Vergessen der NS-Vergangenheit. Wien 1993.
2) Wolfram Wette: Deutschlandfunk-Interview am 20.11.2014, anlässlich seines neuen Buches: „Ehre, wem Ehre gebührt. Täter, Widerständler und Retter - 1933-1945“, Bremen 2015.
3) Raphael Gross: Anständig geblieben. Frankfurt a. M.  2010, S. 17.
4) Wolfgang Benz: „Ich bin schon froh, wenn es nicht schlimmer wird". Der Historiker Wolfgang Benz über die lange Geschichte der Fremdenfeindlichkeit in Deutschland – und was neu ist an den Pegida-Märschen. Interview: Markus Flohr und Gunter Hofmann, in ZEIT online vom 21. Dezember 2015. www.zeit.de/zeit-geschichte/2015/04/wolfgang-benz-pegida-antisemitismus-fremdenfeindlichkeit
5) Can Bozyakali: Das Sondergericht am Hanseatischen Oberlandesgericht: Eine Untersuchung der NS-Sondergerichte unter besonderer Berücksichtigung der Anwendung der Verordnung gegen Volksschädlinge, Frankfurt/ Main 2005, S. 235.

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