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Behörde für Schule und Berufsbildung

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Landeszentrale für politische Bildung Hamburg

Bruno Peyn

(8.6.1887 Cuxhaven - 31.5.1970 Kampen)
Schulleiter
Wohnadresse: Frenssenstraße 40, Blankenese, heute: Anne-Frank-Straße

„Wer Gegner einer solchen Welt- und Lebensordnung werden musste, brauchte kein moralisches Gewissen.“

Bruno Peyns Leben nachzuvollziehen führt zwangsläufig dazu, eine vielfältige Karriere und einen jähen Sturz als Drama in mehreren Akten darzustellen, auch aufführbar als Operette. Bruno Peyn liebte stets den Auftritt, das Dramatische, das Deklamatorische. Er war seit 1933 Schulleiter, nebenbei niederdeutscher Schriftsteller, Dramaturg der Niederdeutschen Bühne, später für das Ohnsorg-Theater. Am Ende stürzte er fast possenhaft, geschockt, als seine persönliche Inszenierung und sein ideologisches Gerüst zusammenstürzten. Das Drama für den leidenschaftlichen Nationalsozialisten begann damit, dass er jüdische Wurzeln feststellte und dies vertuschen wollte.

Bruno Peyn wurde am 8.6.1887 in Cuxhaven als Sohn des Buchführers und Kassierers der Lotsinspektion Cuxhaven, Karl Hermann Peyn, geboren.

Nach Besuch der Gemeindeschule Cuxhaven von 1893 bis 1896 wechselte er in seiner Heimatstadt in die Realabteilung der dortigen Realschule. Nach dem „Einjährigen" besuchte er in Hamburg die Oberrealschule auf der Uhlenhorst, wo er 1906 die Reifeprüfung bestand.

Danach studierte er in Tübingen, Berlin und Marburg Deutsch und Geschichte, später auch Englisch und Latein. Die Prüfung für das Lehramt an höheren Schulen absolvierte er im April 1911, zwischendurch machte er 1909 die Turnlehrerprüfung und promovierte am 11.5.1911 zum Dr. phil. mit einer Dissertation zum Thema „Theodor Storms lyrisches Schaffen".

In seinem handgeschriebenen Lebenslauf, einer aufschlussreichen Darstellung seines persönlichen Bildungsplans, schrieb er: „Nach Süddeutschland war ich in meinen ersten Semestern hauptsächlich darum gegangen, weil mir so am besten Gelegenheit wurde, genauer anderer deutscher Stämme Eigenart kennen zu lernen. Ganz besonders aber ist der dreisemestrige Aufenthalt auf oberdeutschem Sprachgebiet mir Niederdeutschem bei meinen historisch grammatischen Sprachstudien zugute gekommen. Gerade der historischen Grammatik habe ich seit meinen ersten Semestern warmen Anteil geschenkt, angeregt in Tübingen durch einführende Vorlesungen in das Gotische, Althochdeutsche u.s.w., gefördert in Berlin und Marburg durch mehr ins einzelne gehende Collegs und nicht zum wenigsten durch die Kenntnis verschiedener germanischer Dialekte, unter denen ich das Plattdeutsche immer zu schätzen gewusst habe." (1)

Präzise beschrieb Bruno Peyn, wie er seine sprach- und literaturwissenschaftlichen Studien aufbaute. Eigenwillig dabei der Bezug zur Pädagogik: „Meinem späteren Beruf, dem Lehrerberuf, kam ich in meinem fünften und sechsten Semester näher. Die heilsame Wirkung unseres deutschen Turnens habe ich nie verkannt und von meinem ersten Semester an mir in allwöchentlichen Turnstunden selbst erfahren. Mit Freuden beteiligte ich mich darum, sobald sich mir Gelegenheit dazu bot, in Berlin an der Landesturnanstalt an dem zum ersten Male abgehaltenen sechswöchentlichen Kursus für Spiele und volkstümliche Übungen, mit dem methodische Anweisungen und Lehrübungen reichlich verbunden waren. In meinem sechsten Semester, meinem ersten Marburger, beteiligte ich mich an dem fünfmonatlichen Turnlehrerkursus, der wöchentlich neben praktischen Turnstunden, Turngeschichtsstunden u.s.w. zwei Stunden Methodik und drei Lehrerübungen vorschrieb. Auf Grund des Berliner Spielkursus meines fünften Semesters und des Turnlehrerkursus meines sechsten bestand ich vom 13. bis 16. März 1909 in Marburg mein Turnlehrerexamen." (2)

Peyn absolvierte dann das praktische Jahr (Referendariat) am Realgymnasium des Johanneums in Hamburg von Juni 1911 bis Juni 1912. Das Probejahr dann ebenfalls dort und an der damaligen Realschule in der Bogenstraße .

Anschließend wurde Bruno Peyn vom 1.10.1913 bis 2.8.1914 militärisch ausgebildet („Friedensdienst"), um anschließend in den Krieg zu ziehen (bis zum 15.12.1918). Während er im französischen Schützengraben (Artois) lag, wurde er am 1.2.1915 als Oberlehrer an der Realschule an der Bogenstraße (später Bismarck-Gymnasium) fest angestellt. Peyn schrieb unter der Adresse: Schützengraben vor Autheville  bei Albert: „Ich danke der Oberschulbehörde für das mir durch die Anstellung erwiesene Wohlwollen, obgleich ich, vorm Feinde liegend, in absehbarer Zeit im hamburgischen Schuldienst nicht werde wirken können." (3)

Peyn sandte am 8.2.1918 einen Feldpostbrief an den Schulleiter der Realschule an der Bogenstraße , den er adressierte an „Herrn Hauptmann Dir. Prof. Dr. Lorenz" und macht einige Angaben zu seinem militärischen Status „in der wenig beneidenswerten Lage im flandrischen Sumpfkampfgebiet", da „in Bälde wieder eine Mitteilung des Oberlehrervereins erfolgen soll". Peyn fungierte mittlerweile als „Kompanieführer eines württembergischen Infanterie-Regiments, Leutnant und zugleich Unterrichtsoffizier meines Bataillons und habe so Gelegenheit, vor langen einmal geübte Lehrertätigkeit wieder aufzufrischen." Peyn war zweimal verwundet worden und zählte alle Kriegsauszeichnungen auf (u.a. EK I und EK II), kündigte aber auch an, er wolle sich im April 1918 mit Maria Pomp vermählen, die er in Tübingen als Pharmaziestudentin kennengelernt hatte. Und: „Damit ist in mir, dem es früher nicht auf etwas mehr oder weniger Kriegsgeschrei ankam, nun vollkommen eine Wandlung, die auf den Frieden zielt, eingetreten." Stellungskämpfe in Sumpfgebieten entromantizierten.

Zurück im Frieden, der von Offizieren wie Bruno Peyn in der Regel als Schande angesehen wurde, besiegelt durch das „Versailler Diktat", arbeitete Bruno Peyn an der Oberrealschule an der Bogenstraße und befreundete sich mit Walter Behne, ebenfalls Oberlehrer für Deutsch und Geschichte. Später, als die Arbeit an der Schule und das Wirken dieser beiden Brüder im Geiste aufgearbeitet wurde, stellte man fest, dass Behne und Peyn an ihrer Schule „gewütet" hätten „und das Kollegium der Bismarck Oberschule terrorisierten." (4)

Wobei Peyns Hauptaktivitäten immer dem Niederdeutschen galten. Er verschrieb sich der Niederdeutschen Bühne, war eng befreundet mit Richard Ohnsorg, wurde Autor, Dramaturg, Schauspieler und Intendant von plattdeutschen Bühnenstücken, ein gefeiertes Engagement, das das „tausendjährige Reich“ überdauerte. Die Frage war, wie viel Zeit und Augenmerk für die Schularbeit blieb?

Deutsch-Kollege und Freund an der Bogenstraße , Walter Behne, war 1931 schon Mitglied der NSDAP und des NSLB geworden, später auch aktiv in der SA. Peyn tat es ihm gleich und wurde am 25.2.1933 Mitglied der NSDAP (Mitgliedsnummer: 2726139). Vorher war er bereits in der SA tätig geworden. (5)

Als Behne nach der Machtübertragung an die Nationalsozialisten Oberschulrat für die höheren Schulen wurde, machte auch Bruno Peyn einen Karriereschritt. Er wurde zum Schulleiter an der Oberrealschule vor dem Holstentor gemacht. Mit der Ernennung Bruno Peyns „wurde die als betont liberal bekannte Schule mit der neuen autoritären Schulverwaltung äußerlich gleichgeschaltet. Daß es auch innerlich geschehen müsse, darüber hat Dr. Peyn keinen Zweifel gelassen, als er erklärte, daß die Schule ein Organ des nationalsozialistischen Staates sei, der ihr nach seinen erzieherischen Bedürfnissen und staatspolitischen Zwecken Richtung, Ziel und Inhalt geben müsse, und hinzufügte, daß sie sich nun in ihrer stillen Arbeit als Bildungsmittel für den Intellekt, als Erziehungsmittel für den Willen, als Bindemittel für eine neue völkische Gemeinschaft bewähren müsse, in der jedem Glied die Pflicht zur selbstbeherrschten Einordnung unter die Zwecke der Gesamtheit auferlegt sei." (6)

Kurz nach seiner Berufung zum Schulleiterschrieb Peyn den Leitartikel zum 60- jährigen Jubiläum der Schule im Oktober 1933, der darin mündete: „Unseren Kindern wieder ein Vaterland zu geben, war das redliche Bemühen der Besten unseres Volkes; diesem Vaterlande hinfort unbeirrbare Träger des neuen großen Gedankenguts nationalsozialistischer Weltanschauung zu geben, muß das Ziel unserer Schulmannsarbeit sein. Die Thaer-Oberrealschule vor dem Holstentore wird mithelfen und damit weiter wirken im Geist eines Albrecht Thaer! Heil Hitler! Dr. Bruno Peyn, Schulleiter. " (7)

Peyn fand Gefallen an der gesteigerten Aufmerksamkeit. So kam er schnell in Kontakt mit den Führern von Staat und Partei. Der neue Bürgermeister, Carl Vincent Krogmann, empfing ihn mehrfach im Hamburger Rathaus . Im Januar 1935 waren Richard Ohnsorg und Bruno Peyn bei Krogmann, vorbereitet wurde ein Vortrag Peyns zum Thema: „Die Aufgabe des niederdeutschen Theaters im hamburgischen Kulturleben". Krogmann notierte in seinem Tagebuch: „Die Unterhaltung war sehr anregend." (8)

Zwischen 1933 und 1939 war Peyn ständig unterwegs. In seiner Personalakte sind allein 15 Dienst-Freistellungen für Tagungen und Schulungslehrgänge der Reichsschrifttumskammer enthalten, für die Peyn in Hamburg die organisatorische und inhaltliche Verantwortung hatte oder als Referent agierte. Zum Teil wurde er beauftragt von Oberschulrat Walter Behne oder Senator von Allwörden. Nach Peynschem Geschmack waren die Veranstaltungen Mischungen aus Arbeitstagung und Dichterlesung. Bei der Arbeitstagung auf Hof Thansen vom 24. bis 27.8.1935 begann der Tag mit Wecken um 6:30 Uhr, danach 7:00 Uhr Frühmarsch im Gelände, dann Frühstück und Arbeitstagung. Unter den Referenten fiel SS- Obersturmführer Dr. Walter Best, Köln, auf. Thema: Das Werk der Tragödie im völkischen Ringen. Teilnehmer waren übrigens auch Hermann Claudius und Rudolf Kinau. (10)

In Hamburg war Peyn schon 1933 initiativ auf kulturpolitischem Gebiet und auch in Hinblick auf die Umgestaltung des Unterrichts an den Schulen Hamburgs war er aktiv geworden. Die Hamburger Schulverwaltung hatte wenige Monate nach der Machtübertragung die Umgestaltung der Unterrichtsziele formuliert: Es gelte „an der Wasserkante Menschen zu erziehen von nordischer Artung und deutscher Volkheit, von hansischem Wagemut und festem Gottesglauben, völkische Menschen, die nicht nur blutmäßig und bodenständig, sondern auch seelisch und geistig in Familie und Heimat festwurzeln und hineinwachsen in Leben, Geschichte, Kultur und Landschaft der deutschen Volksgemeinschaft, politische Menschen, die als ausgreifende Kämpfer in Führung, Gefolgschaft und Kameradschaft, als lebenstüchtige Arbeiter im Lager, Beruf und Stand das Dritte Reich tatenfroh vorantragen." (11) Im Kontext damit hatte der neue Leiter der Hamburger Volkshochschule, Heinrich Haselmayer, im Sommer 1933 Kurse ins Programm genommen, die zum Geschichtsunterricht und zur Kulturpolitik für Lehrer gedacht waren. Hier hatte Haselmayer ein Netzwerk glühender Nationalsozialisten aufgeboten, die allesamt in diesem Buch portraitiert werden. Peyn referierte zum Thema: „Das Niederdeutsche und seine Literatur“.  Die anderen Dozenten waren unter anderem: Walter Behne, Albert Henze, Theodor Mühe und Hans Rösch, allesamt hochaktive Nationalsozialisten in Schulverwaltung und Schule. (12)

Parallel dazu fand eine Vortragsreihe von Erwin Zindler statt, dem neu ernannten Schulleiter der bis 1933 reformpädagogisch aktiven Lichtwarkschule, der unter dem Motto: „Erziehung zur Deutschheit“ zu folgenden Themen referierte: „Maß und Anmaßung in der alten Lichtwarkschule“, „Geschichte, deutsch empfunden“, „Weltanschauungswandel", „Nationalsozialismus als deutsche Sendung", „Kunst deutscher Art, vornehmlich im Schrifttum" und „das deutsche Nibelungenlied als Ausdruck der Deutschheit". (13)

Zindler war es auch, der in eine Kommission berufen wurde, der Walter Machleidt (neuer Schulleiter der Hansa-Oberrealschule in Bergedorf), Otto Ludwig (Lehrer und später Leiter der Luisen-Schule in Bergedorf), Alexander Strempel (Lehrer an der Oberrealschule Eimsbüttel) und Bruno Peyn angehörten. Die Kommission hieß „Kommission zur Überprüfung der Schülerbüchereien an den höheren Schulen Hamburgs". Schon im Mai 1933 legte die Fünfergruppe einen Bericht vor. Darin enthalten waren zwei Listen. Liste A benannte 114 Autoren und Herausgeber, deren Bücher vernichtet, aussortiert und „in nächster Zeit öffentlich verbrannt werden sollten", weil sie „politisch oder völkisch, sittlich oder gesellschaftlich zersetzend wirken könnten". Die zweite Liste, Liste B, enthielt Namen von Autoren, deren Bücher „dem freien Zugang von Schülern entzogen werden sollte". (14)

Zum 50. Geburtstag, am 8. Juni 1937, erfuhr Bruno Peyn eine Würdigung durch seinen Freund Walter Behne in den „Mitteilungen aus dem Quickborn“.

Behne schrieb: „Nicht das ist an Bruno Peyn das Wesentlichste, daß durch ihn die schöpferische Schar unserer niederdeutschen Dichter um eine beachtliche Künstlerkraft bereichert worden ist, sondern daß in ihm ein wahrhaft niederdeutscher Mensch in seinem fast zwanzigjährigen Schaffen zum mindesten für Hamburg eine Kraftquelle des Niederdeutschen geworden ist, die keiner von uns im gleichen landschaftlichen Raum wegdenken kann oder auch nur entbehren möchte. Das Wesentliche an Peyns menschlicher und künstlerischer Persönlichkeit ist die aufrichtige Gradlinigkeit, die im besten Sinne Gebundenheit an Blut und Boden." (15)

Peyns Vater und Großvater seien Lotsenkapitäne in Cuxhaven gewesen (Peyn selbst hatte in seinem Lebenslauf von seinem Vater als Buchführer und Kassierer bei der Lotsinspektion geschrieben). Und weiter schwelgt Oberschulrat Behne: „Altes Seemannsblut lockte den jungen Menschen immer wieder in die Weite und in Gefahren. Alles Erleben fand im elterlichen Hause, wo auch noch die Großeltern mitlebten, sprachlichen Ausdruck im Plattdeutschen. Plattdeutsch war auch die Umgangssprache unter den Mitschülern. So hat Peyn aus seinem Elternhause, aus seiner Heimat die Gaben mit auf den Lebensweg als gute Erbanlage bekommen, aus denen und mit denen der Mann sein Werk gestaltet hat." (16)

Blut und Boden, gute Erbanlage, daran wird noch zu denken sein, wenn die Ereignisse des Jahres 1943 zu beleuchten sind.

Noch aber war die Welt von Bruno Peyn und Walter Behne in Ordnung und Freund Behne schrieb weiter: „So formte der Krieg mit seinem bis zu den letzten Entscheidungen fordernden Einsatz am Menschen und Künstler Peyn. Deutschland, Vaterland, Heimat – diese drei wurden seine selbstverständliche Mannesliebe. Echtheit, Sauberkeit, Bekennermut waren und blieben die Grundlagen seines Schaffens." Behne beschreibt Peyn als „echten Mann, der niemals des äußeren Erfolges wegen von seiner inneren Haltung als kämpferischer Mensch für die Größe seiner Heimat und seines Vaterlandes abgewichen ist. Leicht ist ihm dabei in der Systemzeit sein Weg selbstverständlich nicht gemacht worden." (17)

Zum Ausdruck kam dies, nachdem Peyn 1919 sein erstes niederdeutsches Stück geschrieben hatte: „Düütsche Noot". Behne wusste zu berichten: „Als dies Stück 1923 im Altonaer Stadttheater zur Aufführung kam, sollte es während einer ganzen Woche gegeben werden. Aber bei der ersten Aufführung erhoben sich die Anwesenden, mitgerissen von dem Inhalt, und stimmten das Deutschlandlied an. Darauf wurde dies Werk vom Spielplan wegen ‚anderer‘ Verpflichtungen seitens der Leitung des Altonaer Stadttheaters abgesetzt. Selbstverständlich hatte sich Peyn durch diese seine Haltung die Gunst mancher damals tonangebender Menschen verscherzt. Aber ‚nach dem Gesetz, wonach du angetreten‘ – ging Peyn seinen Weg unbeirrt weiter." Ziel seines Schaffens: „Immer will Peyn seine deutschen Volksgenossen aus dem Wirkungskreis heraus, der ihm als Mensch und Künstler gesetzt ist, herausreißen aus der Entwurzelung und zurückführen zur Bodenständigkeit, zu deutschem Menschen- und Heldentum."

Behne dankte dem unermüdlich Schaffenden und flocht als Oberschulrat für die höheren Schulen fast alibimäßig ein: „Wenn ihm auch seine Stellung als Schulleiter der Thaer-Oberrealschule genügend in Anspruch nimmt". (18) Gedacht war: „genügend Zeit dafür lässt".

Der Mann, dem es nach eigener Aussage „früher nicht auf etwas mehr oder weniger Kriegsgeschrei ankam", wurde am 22. Juni 1940 wieder zum Kriegsdienst gerufen. Im November 1940 wurde er zum Oberleutnant und am 1.6.1941 zum Hauptmann befördert. Bis zu seiner Entlassung aus dem Heeresdienst war Peyn Leiter der Passierscheinstelle Moulins, eigentlich eine eher gemütliche Besatzeraufgabe, wie man denken könnte. (19)

Die Wende im Leben des wortgewaltigen Blut- und Boden-Nationalsozialisten Bruno Peyn wurde 1937 eingeläutet. Bruno Peyn musste, wie alle anderen erwachsenen Deutschen, mit Aufforderung vom 1.7.1937 den „Ariernachweis" für sich und seine Ehefrau einreichen. In diesem Zusammenhang wurde Peyn der versuchten Fälschung der Kirchenbücher in Ritzebüttel überführt. Der Schulleiter und Schriftsteller, für den Blut und Boden eine so große Bedeutung besaßen, dessen Freund Walter Behne die Peynschen Erbanlagen rühmte, hatte feststellen müssen, mütterlicherseits von jüdischem Blut zu sein. Dies wurde aber erst 1943 zu einem Problem.

Von der Staatsanwaltschaft vernommen, äußerte sich Bruno Peyn am 12.3.1943 zum Vorwurf der Urkundenvernichtung. Das Protokoll der Staatsanwaltschaft beim Landgericht Stade hielt die Aussage Peyns wörtlich fest und soll als Grundlage für das weitere Verfahren wiedergegeben werden:

„Ich bin in meinem Elternhause groß geworden, in dem seit frühesten Kindheitstagen meine Großmutter, Frau Bäckermeister Jackerott, uns Kinder betreute. Sie war eine außerordentlich kinderliebe Frau, der wir in ihrer Liebe viel zu verdanken haben. Es ist auch nie mit einem Wort uns Kindern gegenüber angedeutet worden, daß sie nicht die legitime Mutter meiner Mutter gewesen sei. Sie starb im Jahre 1912 oder 1913. Auch bei ihrem Tode und bei ihrer Beerdigung, zu der ich von Hamburg nach Cuxhaven fuhr, wurde von den Eltern uns Kindern kein Aufschluss gegeben. Nach dem ersten Weltkriege begann ich bereits 1919 und 1920 mit einer Art Ahnenforschung, zu der ich wiederholt das Staatsarchiv in Hamburg aufsuchte. Ich habe damals aus den Döser und Grodener Kirchenbüchern geschöpft, und zwar alles, was die Peyns und die Jackerotts anging. So hatte ich 1933, als Ahnenforschung zu einer amtlichen Einrichtung wurde, vieles schon vorliegen, was ich nur zu ergänzen brauchte, so wie allerdings Mußestunden es zuließen. Es mag die Nachforschung manches Mal jahrelang geruht haben, dann ging ich aber 1936/37 noch einmal ernstlich an die Sache heran, um auch meine Papiere in Ordnung zu bringen. Meine Mutter hat nun unter größter Kümmernis und vielen Tränen uns endlich Aufschluss über ihre Herkunft gegeben. So mußte ich dann plötzlich erfahren, daß die von mir seit langem liebevoll nachgegangene Ahnenreihe Jackerott gegenstandslos wurde, stattdessen eine Familie Goldenstein mich interessieren sollte. Auf meine Frage an meine Mutter, ob ich Verdacht haben müsse, daß sie durch dieses Herkommen irgendwie jüdisches Blut in sich habe, wurde mir eine bestimmte, dies zurückweisende Äußerung zuteil, so daß ich der bestimmten Annahme sein durfte, daß nichts derartiges in Frage kam. Wenn meine Mutter ihr Herkommen uns Kindern verschwiegen hatte, so schien mir jetzt der wesentliche Grund zu sein, daß sie unehelichen Herkommens zwar, worin diese alte Frau uns Kindern gegenüber, die wir mittlerweile was geworden waren, einen Makel glaubte bestätigen zu müssen. War ich 1937 unter ganz anderen Voraussetzungen nach Cuxhaven gefahren, um mir amtliche Bescheinigungen meiner Abstammung zu besorgen, so erkannte ich jetzt, daß mir bei Einsichtnahme in die Ritzebüttler Kirchenbücher freie Hand gelassen war, zu meiner großen Bestürzung, daß die Erklärung meiner Mutter in Bezug auf ihre Abstammung, wenn auch sicherlich im besten Glauben, so doch irrig gewesen war. Diese für mich neuen Namen, die ich jetzt mit meinen eigenen Augen sah, schlugen mich mit ihrem Pincus und Michael wie mit einem Hohnlachen ins Gesicht. Die altersblasse Tinte gab rasch nach, daß mir diese Fratzen nicht mehr entgegenstarren konnten. Das Ganze war Wahnsinn, weil ich ja wusste, daß ein Duplikat vorhanden war und mit einem raschen Finger nichts aus den Akten zu wischen war. Es handelte sich um meinen Urgroßvater, den ich also als Volljuden erkennen musste. Ich erkläre, daß ich mich bei der da notwendig werdenden Verwendung beglaubigter Papiere nur eines Materials bedient habe, daß authentisch ist und nicht irgendwie gefälscht ist. Ich bin ohne Absicht an die Bücher herangegangen, was schon daraus klar ersichtlich ist, daß ich tags vorher bei meiner Mitschüler, Pastor Roth in Döse, eine außerordentlich penible Behandlung erfuhr und in Ritzebüttel, wo ich den Pastor Schmidt erst kennen lernte, gar nichts anderes erwarten konnte. Ich hatte mich also nicht irgendwie für diese Dinge präpariert, was das unzulängliche Verwischen auch bestätigt. Wenn ich es mir heute überlege, war, was ich in einer gewissen Schockwirkung tat, gänzlich unüberlegt; ich war in diesem Augenblick aber sicher nicht Herr meiner selbst, meiner tief betroffenen Gefühle und konnte in ihnen keinen abwägenden Überlegungen Raum geben. Daß ich bei ruhigem Nachdenken mir dessen bewusst war, eine Fälschung begangen zu haben, brauche ich wohl nicht besonders zu betonen. Wenn ich zunächst geschwiegen und beharrlich geschwiegen habe, so nicht in Rücksichtsname auf meine Person, sondern auf Pastor Schmidt, den ich vor einem Verfahren von Seiten seiner Kirchenbehörde bewahren wollte. Ich kann heute nicht mehr sagen, ob ich die verwischten Stellen extra angefeuchtet habe oder ob meine Finger infolge der durchlebten Aufregungen sowie der Jahreszeit entsprechend feucht waren. Irgendwelche Instrumente habe ich nicht benutzt." (20)

Der Oberstaatsanwalt in Stade stellte in seiner Verfügung vom 23.3.1943 fest, dass die „Rasuren“ in den Kirchenbüchern strafrechtlich nicht weiter zu verfolgen seien, da bereits verjährt. „Der Beschuldigte Dr. Peyn ist jedoch weiterhin des Betruges verdächtigt, begangen dadurch, daß er in Kenntnis der jüdischen Abstammung seiner Mutter zum Nachweis seiner arischen Abstammung eine Ahnenstafel mit von ihm selbst oder von seinem Geschäftsführer Hollatz beglaubigten Urkunden einreichte, in denen seine Mutter nicht als uneheliche Tochter der Halbjüdin Dorothea Louise Goldenstein, sondern als eheliche Tochter ihrer Adoptiveltern Jackerott erscheint und demnach als Urgroßvater mütterlicherseits statt des getauften Volljuden Michael Goldstein der arische Schneidermeister Matthias Erasmus Jackerott, der Vater des Adoptivvaters seiner Mutter." (21)

Im Detail soll die staatsanwaltliche Stellungnahme nicht nachgezeichnet werden. Absehbar war jedenfalls, dass trotz Verjährung der „Rasur", des „Verwischens" der Kirchenbücher, alles eine dienstrechtliche Konsequenz haben würde. Bemerkenswert war, dass es unterschiedliche Haltungen zu Peyns peinliche Aktion im Affekt gab. Pastor Schmidt, den Peyn in Ritzebüttel „erst kennengelernt“ haben wollte, der aber tatsächlich ein Jugendfreund war, der im Hause Peyn ein- und ausging, stand „solidarisch", unterstützend und vertuschend an Peyns Seite. Aufgedeckt wurde die Angelegenheit durch den Lehrer Walter Höpcke, Heimat- und Sippenforscher, der mit geradezu kriminalistischer Energie den Betrug Peyns entdeckte und zur Anzeige brachte. Höpcke erklärte auf Befragen: „Daß die Mutter des Beschuldigten Dr. Peyn jüdischer Abstammung ist, weiß ich seit vielen Jahren als Gerücht von meinen Eltern, die beide alteingesessenen Familien angehören. Diese haben nicht anders von ihr gesprochen als von der Goldenstein. Sie sprachen öfters davon, weil meine Mutter kurz vor ihrer Verheiratung zusammen mit ihrer Mutter bei Peyns gewohnt hat. Ich habe aber auch von verschiedenen anderen Seiten im Verlaufe meiner Praxis als Sippenforscher dasselbe Gerücht gehört. Ich bin dann schon vor längerer Zeit beim Durcharbeiten der Ritzebüttler Kirchenbücher wiederholt auf die in Rede stehende Judentaufe Goldenstein gestoßen. Da sie die einzige Judentaufe in den hiesigen Kirchenbüchern ist, die ich bisher kenne, und wir Berufssippenforscher von unserem Verband angehalten werden, solche Judentaufen zu melden, hat sie mich interessiert und ich habe sie mir auch wohl gelegentlich abgeschrieben." (22)

Höpcke war offenbar kein fanatischer Nazi. Wie seine Personalakte auswies, war er allerdings 1937 in die NSDAP eingetreten, und war nach seiner Pensionierung lange Zeit Leiter des Staatsarchivs in Cuxhaven gewesen. Höpcke wies akribisch nach, dass Peyn offenbar schon von Beginn an über die jüdische Herkunft seiner Großmutter informiert gewesen sein musste. Höpcke ging bei der Vernehmung so weit, ein vorsätzliches Handeln zu unterstellen: „Ich halte es für unmöglich, daß man mit einem nassen Finger die altersblasse Tinte so wegwischen kann, wie Dr. Peyn es getan hat. Ich habe als Lehrer oft genug festgestellt, ob ein Schüler seine Arbeit morgens in der Schule oder am Tage zuvor zu Hause gemacht hat. Im ersteren Falle kann man die Schrift mit einem nassen Finger wegwischen, im zweiten Falle aber schon nicht mehr. Die Tinte der früheren Zeit ist bedeutend beständiger gewesen, als die heutige Tinte. Das alte Döser Kirchenbuch hat die Weihnachtsflut von 1717 mitgemacht und hat im Wasser geschwommen. Trotzdem ist nicht eine Stelle darin, die so vollkommen ausgelöscht ist, wie die von Dr. Peyn verwischten Stellen im Kirchenbuch Ritzebüttel. Ich selbst glaube, daß Dr. Peyn ein chemisches Hilfsmittel benutzt hat und eventuell die Tat selbst schon zu Hause vorbereitete. Ob ein chemisches Hilfsmittel benutzt wurde ließe sich durch eine Untersuchung der fraglichen Stellen auch jetzt noch feststellen." (23)

Ich frage mich: Warum musste dieser Heimat- und Sippenforscher in dieser Sache so hartnäckig sein und in dieser Weise auftrumpfen? Warum hatte er seine Erkenntnisse zur Anzeige gebracht und den ihm bekannten Bruno Peyn nicht vorher damit konfrontiert? Wobei das Hauptproblem natürlich nicht die Anzeige oder Denunziation durch einen Sippen- und Heimatsforscher war sondern die Naziideologie der „Herrenmenschen", die jüdisches Blut und jüdische Herkunft als „artfremd“ und minderwertig verdammten und verfolgten.

Jedenfalls zeigte sich Hamburgs NS- Apparat alarmiert. Der zwischenzeitliche Senator für die Schulverwaltung, Friedrich Ofterdinger, teilte am 1.4.1943 mit, dass Bruno Peyn aus seinem Amt als Schulleiter beurlaubt werde. Das Zentralbüro von Reichsstatthalter Karl Kaufmann meldete am 19.4.1943 dem Reichspropagandaamt Hamburg und der Verwaltung für Kunst und Kulturangelegenheiten, dass Peyn wegen „Vernichtung von Urkunden“ festgenommen worden sei und ein Verfahren gegen ihn laufe. (24)

Danach wurde Obersenatsrat Edens beauftragt, eine Untersuchung zur Vorbereitung eines Verfahrens vor der Dienststrafkammer vorzubereiten. Aus den etwa 100 Seiten Ermittlungen sollen nur die wichtigsten Aussagen und Stellungnahmen beleuchtet werden.

Der Leiter des Reichspropagandaamtes Hamburg und Nachfolger Peyns als Leiter der Reichsschrifttumskammer Hamburg, Hans Rodde, sagte: „Wenn bekannt gewesen wäre, daß er nicht rein deutschblütiger Abstammung ist, so wäre er überhaupt niemals zum Landesleiter bestellt worden." Ansonsten sprach er sehr positiv über Bruno Peyn: „Er war stets einsatzbereit, verantwortungsbewusst und hat sein Amt in jeder Weise einwandfrei versehen. Er war kameradschaftlich und hilfsbereit. Ich habe in keiner Weise irgendetwas Ungünstiges über ihn zu sagen." (25)

Interessant war auch die Aussage von Hauptmann Witt vom 18.12.1943, einem ehemaligen Schüler Bruno Peyns. Peyn war von 1919 bis 1927, also während der Weimarer Republik, Klassenlehrer von Witt an der Oberrealschule in der Bogenstraße gewesen. Dieser schrieb an Oberschulrat Karl Züge, der damals einige Jahre Schulleiter an dieser Schule gewesen war: „Herr Dr. Peyn hat uns Schüler stets in einem betont nationalen Sinne erzogen, und zwar nicht reaktionärnational, sondern im Sinne der heutigen nationalsozialistischen Weltanschauung. Viele Schüler sind stets sehr glücklich darüber gewesen, einen solchen Erzieher als unseren Klassenlehrer zu besitzen, war es doch in den Jahren 1919-1927 nicht ganz einfach, sich in dieser Weise als Staatsbeamter festzulegen. Es war uns Schülern auch bekannt, daß die nationalsozialistische Art des Auftretens von Herrn Dr. Peyn mehrfach zu Reibungen mit anderen Herren des Lehrer-Kollegiums führte, und daß Sie, sehr verehrter Herr Oberschulrat, als Schulleiter damals schon die Arbeit des Dr. Peyn im nationalsozialistischen Sinne förderten und unterstützten." (26)

Und weiter schrieb der ehemalige Schüler Witt: „Umso mehr schlossen wir Schüler uns um unseren Klassenlehrer als einen Bannerträger der neuen Zeit zusammen. Wie stolz waren wir, wenn Dr. Peyn aus Anlaß nationaler Gedenktage  in unserer Aula die Schulgemeinschaft mitriß; wie waren wir ihm dankbar, wenn er im Deutsch- und Geschichtsunterricht trotz des damaligen nationalen Niederganges uns Schülern den festen Glauben, geboren aus der Größe unserer nationalen Vergangenheit an ein neues besseres Deutschland mitgab." Und Witt, der sich als überzeugter Parteigenosse und Frontsoldat des Zweiten Weltkriegs bezeichnete, hielt es für richtig, „daß es im Hinblick auf die Persönlichkeit und die großen Verdienste Dr. Peyns gerade auf dem Gebiet der nationalsozialistischen Erziehung richtiger ist, das Augenmerk auf die sieben arischen Großeltern als auf den einen nichtarischen zu lenken." Er wende sich ausdrücklich an Karl Züge, denn: „Ich bin davon überzeugt, daß Sie, verehrter Herr Oberschulrat, der Sie unserer Schule lange vor der Machtübernahme den jungen nationalen Impuls gaben, meine Ausführungen bestätigen werden."

Als Peyn nach 1945 um seine Entnazifizierung kämpfte, gab er drei Leumundszeugen an, einer davon war „Amtsgerichtsrat E. L. Witt, Hamburg, Johnsallee 69, heute als Jugendrichter eingesetzt“. (27) Es ist anzunehmen, daß es sich bei diesem Zeugen um den ehemaligen Hauptmann Witt handelte, den „überzeugten Parteigenossen und Frontsoldaten“. Nun passte es besser, als Amtsgerichtsrat zu firmieren. Andere Zeiten, anderes Gewand.

Dann gab es noch die Aussage von Schulrat Dietrich Ossenbrügge, der von 1899 bis 1933 in Cuxhaven gewohnt hatte und dort als Lehrer tätig gewesen ist. Schulrat Ossenbrügge erklärte: „Der Beschuldigte ist mir seit etwa 1900 bekannt. Ich habe auch niemals aus der Bevölkerung etwas gehört, daß irgendwelche Zweifel in Bezug auf die arische Abstammung der Frau Peyn geäußert worden sind. Ich bemerke hierzu, daß ich im Jahre 1899 Mitglied der antisemitischen Partei geworden bin. 1905 wurde ich Vorsitzender der Gruppe Cuxhaven und Umgegend. Bis zum Übergang der antisemitischen Partei in die deutschnationale Volkspartei im Jahre 1918 bin ich Vorsitzender dieser Gruppe gewesen. Wenn irgendwelche Zweifel an der arischen Abstammung der Mutter des Beschuldigten in der Bevölkerung Cuxhaven laut geworden oder sonst irgendwelche Anzeichen in dieser Beziehung aufgedeckt worden wären, so hätte ich sicher hiervon Kenntnis erhalten." (28)

Und zu guter Letzt gab es auch noch ein Gutachten von Peyns Intimus, Oberschulrat Walter Behne. Zur Auswahl Peyns als Schulleiter der Oberrealschule vor dem Holstentor erklärte Behne: Peyn habe als Behnes Lehrerkollege an der Oberrealschule Bogenstraße „sowohl im Unterricht wie im Verkehr mit seinen Kollegen stets eine aufrechte politische und pädagogische Haltung gezeigt, die ihn als eine Führerpersönlichkeit erscheinen ließ“. Zur Schulleitertätigkeit Peyns stellte Behne fest: „Dr. P war aufgrund seiner Persönlichkeit für diese Schulleitung ausersehen, um den starken Einbruch des Liberalismus und Marxismus, der sich an dieser höheren Schule sehr stark bemerkbar gemacht hatte, zu beseitigen. Er ist der ihm gestellten politischen und pädagogischen Aufgabe bis zum Jahre 1940, als er zur Wehrmacht einberufen wurde, in jeder Beziehung gerecht geworden. Es gelang ihm, der Schule ein nationalsozialistisches Gepräge zu geben und sie aufgrund seiner politischen und pädagogischen und künstlerischen Haltung wieder auf eine beachtliche Höhe zu bringen, sodaß die Schulverwaltung keine Bedenken hatte, ihn 1937 an dieser Anstalt zum Oberstudiendirektor zu ernennen." (29)

Auch die weiteren Ausführungen Bruno Peyns waren noch einmal aufschlussreich. Er kämpfte dafür, Mitglied der NS-Bewegung bleiben zu können. Und seine Argumente würden noch einmal Relevanz haben, wenn es 18 Monate später darum ging, entnazifiziert zu werden.

Peyn führte aus, sich „immer in selbstloser Weise in völkischem und nationalem Sinne eingesetzt" zu haben. Seine nationalsozialistische Sozialisation beschrieb er so: „Dennoch darf ich von mir behaupten, dass auch meine politische Haltung stets gradlinig war, so wenn ich nach meiner Rückkehr aus dem Weltkriege deutschnational, seit 1929 – damals erstmalig in Blankenese zum preußischen Landtag – nationalsozialistisch wählte. Ich habe nach dem Kriege der Einwohnerwehr bis zu ihrer Auflösung angehört; als ich 1933 auf meine Meldung zu einer Übung in der Wehrmacht den Bescheid erhielt, in Hinblick auf mein Alter über 45 Jahre das Weitere abzuwarten, meldete ich mich zur S.A., in der ich mich vom Sturmmann zum Obertruppführer hinaufdiente. Ich glaube, damit in der SA jüngeren Kameraden ein Vorbild gewesen zu sein. Dass meine Einstellung zum Nationalsozialismus schon früh an Gehalt gewann, danke ich vor allem auch meinen Besuchen in meiner Heimatstadt Cuxhaven, wo ein jüngerer Bruder bereits 1929 der Kreisleitung der NSDAP unter Morissee als Kassenverwalter angehörte und mir manchen Aufschluss über Aufbau und Programmpunkte der Partei gab. So habe ich zur Reichstagswahl im September 1930 bereits in Hamburger Bekanntenkreisen werben können, stand im Kollegium meiner Schule mit wenigen anderen vorn an und wurde, um etwas Greifbares zu erwähnen, beispielsweise mit dem Erscheinen des Hamburger Tageblattes sein Abonnent." (30)

Er habe sich immer „betont völkisch und staatsbejahend" verhalten. „Das gilt unbedingt von meinem Unterricht in den Fächern Deutsch und Geschichte, gilt aber nicht weniger für meine literarischen Arbeiten. Wenn ich die Sprache der Heimat und meiner seefahrender Gross- Ur-und Ururgroßväter zum Ausdruck dessen wählte, was in der Folge alle niederdeutschen Bühnen im plattdeutschen Sprachraum als Volkstum gebunden darzustellen für Wert achteten, dann habe ich damit ehrlicher mein Teil beigetragen als mancher andere deutsche Schriftsteller, der in der Systemzeit auch auf seine Weise die seelischen Kräfte des Volkes verhunzen half. Die ablehnende Kritik, wie ich sie zum Beispiel immer wieder im Hamburger Echo erfuhr, konnte für mich nur als ein ehrendes Zeugnis gelten, ebenso wie die Tatsache, dass ich mich wiederholt vor dem damaligen Hamburger Schulsenator zu verantworten hatte, weil ich in der Schule nationale Feiern veranstaltet hatte."

Peyn wies darauf hin, dass in seiner Familie alle Kinder und Enkelkinder der Mutter eine „einwandfreie Haltung und unbestreitbar unverfängliche Erscheinungsformen“ hätten. Er schrieb: „In einer Überspitzung des Prinzips verblassen 15/16 arischen Blutes gegen 1/16 anderes. Wie beharrlich muss dies eine Sechzehntel uns gelten, wenn man danach den Menschen bemisst und bezeichnet und 15/16 seiner eigentlichen und weitüberwiegenden Art für gänzlich null und nichtig erklärt." Und: „So kam ich nach langem Hin- und Hererwägen immer mehr zu der Erkenntnis, dass der aus den Urkunden sprechende artfremde Bluteinfluss letztenendes innerhalb der gesamten Familie so bedeutungslos sein musste, dass er schlechterdings nicht weiter ins Gewicht fiel."

Peyn zog die letzte Karte, wenn er die Opfer aufführte, die seine Familie für Führer, Volk und Vaterland gebracht hätte: „Meinem siebzehnjährigen Jungen machte ich im September 1939 zur Pflicht, sich kriegsfreiwillig bei der Luftwaffe zu melden. Unter 50 Bewerbern an einem Tage bestand er bei dem Ausleseverfahren mit einem Kameraden als einziger als Flugzeugführer." Ein Sohn, der im November 1942 vom Feindflug gegen die englisch- amerikanischen Landungstruppen vor Algier nicht zurückgekehrt war. Nicht das einzige Opfer in der Familie Peyn: „Ich bin erneut in diesem Kriege über zweieinhalb Jahre als Offizier zur Verfügung gewesen, meine Brüder stehen in Wehrmachtsdienst, die Söhne von uns dreien gingen entweder in den Tod oder verloren im Osteinsatz ihre gesunden Gliedmaßen; alle aber tragen sie für ihre heroischen Leistungen die vom Führer gestifteten Ehrenzeichen der Nation. Der von Ihnen heute noch lebt, ist Offizier und steht an besonderer Stelle." Und Peyn stellte die Frage: „Gelten sie nur heute, wo das Vaterland ihrer bedarf, und sind sie hernach, wenn wir wieder ‚zivil‘ sind und denken, Ausgestossene?"

Nach der Erkrankung von Obersenatsrat Edens hatte Landgerichtsdirektor Hasso von Wedel als neuer Justiziar der Schulverwaltung den Fall übernommen. Peyn wurde von den Rechtsanwälten Cammann und Schaeffer vertreten, die als weitere Zeugen zu seinen Gunsten den Schulleiter und Schriftsteller Hinrich Wriede sowie Oberschulrat Karl Züge benannten. Züge war an der Oberrealschule in der Bogenstraße der Schulleiter von Bruno Peyn und Walter Behne gewesen. „Ich kenne den Beschuldigten seit 1913. Von 1919 bis 1933 bin ich mit dem Beschuldigten an der gleichen Schule tätig gewesen. 1920 bin ich mit ihm in enge Zusammenarbeit gekommen. In unserer Schule ist der Beschuldigte die treibende Kraft bei der Bekämpfung des Marxismus gewesen. Schon vor 1933 hatte er sich zur Aufgabe gemacht, die Heldengedenkfeiern in besonders feierlicher Weise zu begehen. Die Jungen sind heute noch begeistert von diesen Feiern. Ohne jede Übertreibung kann ich sagen, daß der Beschuldigte einer unserer besten Lehrer an der Schule gewesen ist. Er hatte nur einen Fehler. Er war leicht erregt und aufbrausend.

Besonders im Geschichtsunterricht hat er den Jungen viel gegeben. Diesen Unterricht hatte er immer auf eine Zeit ausgerichtet, die Deutschland einmal wieder aufwärts führt. Als 1933 der Tag gekommen war, das neue Reich zu begrüßen, erschien nur der Beschuldigte als der dazu geeignete Mann. Er hat dann die Begrüßung in so hervorragender Weise vorgenommen, daß er nachher von der Gaupropagandastelle aufgefordert worden ist, seine Ausführungen öffentlich im Radio zu wiederholen." Und Karl Züge resümierte: „Ich habe Dr. Peyn als vorbildlichen deutschen Menschen mit nationaler und nachher nationalsozialistischer Gesinnung zu schätzen gelernt." (31)

Hinrich Wriede,  Peyns Nachfolger als Obmann für die Gruppe Schriftsteller in der Reichsschrifttumskammer, erklärte, dass nach den Aufnahmebedingungen der Reichsschrifttumskammer  „Vierteljuden nur in Ausnahmefällen, beispielsweise bei feindlicher Einstellung gegen den heutigen Staat, von der Mitgliedschaft ausgeschlossen" sind. Und zu Peyn sagte er: „Den Beschuldigten kenne ich sehr lange, schon aus der Zeit vor der Machtübernahme. Er hat nie das seine gesucht. Von seinen Stücken habe ich allerlei gesehen. Weil mein Gedächtnis seit meiner Krankheit sehr schlecht geworden ist, kann ich genaues über die Stücke nicht sagen. Doch kann ich soviel sagen, daß sie bodenverbunden waren und heimatverständig wirkten." (32)

Es nützte alles nichts. Am 16.3.1944 entschied die Dienststrafkammer unter Vorsitz von Oberlandlandesgerichtspräsident Dr. Schmidt-Egk, „dass Bruno Peyn eines Dienstvergehens schuldig ist“. Peyn „wird zur Strafe der Entfernung aus dem Dienst verurteilt." Er soll „fünf Jahre lang 75 % des erdienten Ruhegehalts und danach dessen 50 % erhalten“. (33) In der Begründung wurde der Tathergang noch einmal nüchtern dargestellt. Komprimiert hatte er es den dramatischen Gehalt eines Stoffes für ein Bühnenstück von Bruno Peyn: Peyn hatte am 1.7.1937 die Aufforderung bekommen, seinen Ariernachweis zu erbringen. Vorher hatte er lediglich die Erklärung abzugeben gehabt, ihm sei nicht bekannt, dass er von jüdischen Eltern oder Großeltern abstamme. „Er fuhr zur Beibringung des Nachweises nach Cuxhaven und bat seine dort lebende Mutter um ihre Geburtsurkunde. Unter Tränen beichtete sie ihm bei dieser Gelegenheit, daß sie die leibliche Tochter der Dorothea Goldenstein und nur die Adoptivtochter der Eheleute Jackerott sei, sie habe das bisher verschwiegen, um den Makel der unehelichen Geburt zu verdecken. Dabei übergab sie ihm ihre Taufurkunde, in welcher sie als Tochter der Dorothea Goldenstein, adoptierte Jackerott, bezeichnet ist. In der Geburtsurkunde des Beschuldigten und in der Heiratsurkunde seiner Eltern, die er beide im Besitz hatte, ist sie dagegen als Anne Jackerott aufgeführt. Als er die Mutter in Hinblick auf den Namen Goldenstein dann fragte, ob sie jüdisches Blut trage, habe sie das mit Entrüstung zurückgewiesen." (34)

Am nächsten Morgen „begab er sich in das Kirchenbüro der St. Martinskirche in Ritzebüttel, um dort die Urkunden über die Großmutter Goldenstein zu bekommen. Er traf den Pastor Schmidt an, den er als Nachbarskind kannte und der ihm bereitwillig die Kirchenbücher vorlegte. Im Taufregister des Jahres 1835 fand er zunächst die Taufe seiner Großmutter Dorothea Goldenstein. Deren Vater war mit Peter Hinrich Nicolaus Goldenstein, geboren in Posen, von Beruf Schneider, angegeben. Bei der Durchsicht der älteren Jahrgänge im Taufregister fand er dann im Jahrgang 1831 die Taufe des P. H. N. Goldenstein mit folgender Eintragung: Der Täufling, eheleiblicher Sohn des Israeliten Pinckus Goldstein zu Schrimm oder Zrym im Großherzogtum Posen, erzogen im Judentum, führte, bis er getauft wird, den Namen Michael Goldstein. Er erhielt in der Taufe die Namen Peter Hinrich Nicolaus Goldenstein. Er ist geboren zu Zyrm den 17.11.1792. Er wird nachdem er ein ganzes Jahr in Unterricht und Vorbereitung gestanden, in der Ritzebütteler Kirche am 20. Februar getauft. Ihm ist sofort beim Lesen dieser Eintragung bewußt gewesen, daß es sich bei diesem Michael Goldstein um den Vater der Großmutter Goldenstein handelt. Durch diese plötzliche Entdeckung seiner jüdischen Abstimmung ist er in hohem Maße erschrocken gewesen. Seine ganze bisherige Lebenswelt sei ihm, so gibt er an, zusammengestürzt. Als dann bald darauf Pastor Schmidt den Raum verließ, ist er in dieser seelischen Stimmung zu dem plötzlichen Entschluss gekommen, die Beziehung zwischen Peter Hinrich Nicolaus Goldenstein zu Michael und Pinckus Goldstein zu vertuschen. Pastor Schmidt ist etwa 10 Minuten abwesend gewesen. In dieser Zeit hat der Beschuldigte in der genannten Eintragung des Taufregisters 1831 die Worte ‚Er erhält in der Taufe den Namen Peter Hinrich Nikolaus Goldenstein. Er ist geboren zu Zrym den 17.11.1792‘ mit der angefeuchteten Fingerkuppe unleserlich ausradiert. Dann hat er das Taufregister des Jahres 1831 aufgeschlagen und dort unter Nr. 1 folgende Eintragung gefunden: ‚Bräutigam Peter Hinrich Nikolaus Goldenstein, alias Michael Goldstein, gebürtig Zrym  im Großherzogtum Posen, Alter 39 Jahr‘, Vater Pinkus Goldstein. In dieser Eintragung radierte er auf die gleiche Weise folgende Worte aus: ‚alias Michael Goldstein, Pinkus Goldstein‘. Außerdem radierte er, wiederum auf die gleiche Weise im Registerband der Kirchenbücher unter dem Jahre 1831 den Namen ‚Goldenstein‘ aus. Nach der Begehung dieser Tat hat er einen stundenlangen Spaziergang gemacht, um seine durch sie aufgewühlten Nerven zu beruhigen. Er ist dann nach Hamburg gefahren. Seiner vorgesetzten Dienststelle hat er von seiner Feststellung keine Kenntnis gegeben, auch nicht als er zum 1. Juli 1938 Oberstudiendirektor wurde. Er will zweimal den Entschluss gefasst haben, sich seinen Vorgesetzten anzuvertrauen; er hat aber doch den Mut dazu nicht aufgebracht."

Durch diese Handlungen habe Peyn seinen Pflichten als Beamter schuldhaft verletzt und sich eines Dienstvergehens schuldig gemacht. „Allen Volksgenossen soll er ein Vorbild treuer Pflichterfüllung und unbedingter Redlichkeit sein. Durch sein Verhalten in und außerhalb des Amtes hat er sich der Achtung und des Vertrauens, die seinem Beruf entgegengebracht werden, würdig zu zeigen, fordert das Deutsche Beamtengesetz in § 22.“

Das Urteil präzisierte, was von einem Oberstudiendirektor nach dem Beamtenrecht auch in einem nationalsozialistischen Staat erwartet wurde: „Diese für das Beamtentum des nationalsozialistischen Reiches in seiner Gesamtheit geltenden Grundsätze (§ 3 des Deutschen Beamtengesetzes), gelten in ganz besonderem Maße für alle Beamten die, wie der Beschuldigte als Schulleiter und später Oberstudiendirektor, berufen sind, dem Volke in führender besonders verantwortungsvoller, andererseits aber deshalb auch besonders ehrenvoller, Staatsstellung zu dienen. Er genießt in dieser Stellung ganz besonders Achtung und Vertrauen seiner untergeordneten Beamten und darüber hinaus aller Volksgenossen und hat sich dessen durch besonders ehrenhaftes Verhalten würdig zu erweisen."

Im Urteil wurde aber auch festgestellt: „Nach den Bekundungen der Zeugen Dr. Züge, Wriede, Behne, Ossenbrügge, Rodde und Winzelmann hat er sowohl vor als auch nach der Machtübernahme nationalsozialistische Haltung und Überzeugung gezeigt. Mit besten Charaktereigenschaften, wie Bescheidenheit, Uneigennützigkeit und Kameradschaftlichkeit ausgestattet, war er seinen Schülern ein vorbildlicher Lehrer, seinen Mitarbeitern ein guter Kamerad und seinen Vorgesetzten ein pflichttreuer Untergebener. Durch sein vorbehaltloses Geständnis hat er auch im Dienststrafverfahren diese Eigenschaften bewiesen. Schließlich fällt ins Gewicht, dass er seinen Sohn auf dem Altar des Vaterlandes geopfert hat."

Trotzdem legte Bruno Peyn Berufung gegen dieses Urteil ein. Ohne Erfolg. Am 18.7.1944 bestätigte das Reichsverwaltungsgericht, 2. Dienststrafsenat, die Entscheidung der 1. Instanz. (35) Im Weiteren bemühte sich Peyn um eine Weiterbeschäftigungsmöglichkeit. Am 22.6.1944 fragte die Firma Blohm & Voss bei der Schulverwaltung an, ob Peyn an der Werftberufsschule als Lehrer eingesetzt werden könne. Die Behörde lehnte ab. Am 17.7.1944 wurde Bruno Peyn dann aber als Unterrichtsleiter in der Lehrlingsausbildung der Motorenwerke Hamburg eingestellt. Am 10.8.1944 wurde er durch einstweilige Verfügung des Gauleiters Karl Kaufmann rechtskräftig aus der NSDAP ausgeschlossen. (36)

Nachdem die NS- Herrschaft ein dreiviertel Jahr später vorüber war, wandte sich Bruno Peyn in einem Schreiben vom 12.6.1945 an die Schulverwaltung. Er wies darauf hin, dass er als Leiter der Albrecht-Thaer Oberschule „aufgrund eines die Form wahrenden Disziplinarverfahrens wegen meiner ‚jüdischen Abstammung‘–, ihrer ‚Vertuschung‘ und damit ‚Gefährdung der Sicherstellung des deutschen Blutes‘ im August 1944 aus dem Amte entfernt worden" war. „Ich bitte um Revision und Wiedergutmachung des mir aus rassischen Doktrinismus geschehenen Unrechts und der damit in Verbindung stehenden wirtschaftlichen Schädigungen." (37)

Wie war Bruno Peyn dieses Schreiben von der Feder gegangen?

Zwei Monate später fragte Senatsdirektor Siemssen am 24.8.1945 an, ob Peyn als stellvertretendes Vorstandsmitglied der Niederdeutschen Bühne tragbar sei? Siemssen erinnerte sich an die jahrelange Tätigkeit Peyns als Landesleiter der Reichsschrifttumskammer in Hamburg. Und Schulsenator Landahl antwortete am 7.9.1945 unter Hinweis auf Peyns NSDAP-Mitgliedschaft seit dem 25.2.1933 und seiner SA-Aktivitäten schon vor 1932, schließlich auf das Urteil der Dienststrafkammer: „Dieses Urteil dürfte auch nach dem Zusammenbruch unter den veränderten politischen Verhältnissen weiter Gültigkeit haben. Die Schulverwaltung hat einen inzwischen eingegangenen Wiedergutmachungsantrag des Dr. Peyn zurückgewiesen. Es erscheint ausgeschlossen, daß Herr Dr. Peyn in Zukunft noch irgendein Amt oder Ehrenamt bekleiden kann.“ (38)

Nun begann das Entnazifizierungsverfahren unter Umkehrung der bisherigen Akzentsetzung. Hatte Peyn sich 1943 und 1944 noch bemüht, sich als glühenden Nationalsozialisten zu präsentieren, versucht eer jetzt entgegengesetzt zu argumentieren. Und wieder ergaben sich etwa 100 Seiten Schriftsätze, Vermerke und Stellungnahmen. Die im wichtigsten Punkte sollen dargestellt werden.

In der Schulbehörde hatte Peyn es mit dem für die höheren Schulen zuständigen Oberschulrat Heinrich Schröder zu tun, der am 1.9.1945 einen ersten kurzen Bericht über Peyn schrieb. Er verwiesauf Peyns Mitgliedschaften in NSDAP und SA, seine Funktionen als Schulleiter und im Kulturbereich, „aufgrund seiner nationalsozialistischen Einstellung, der er sich immer gerühmt hat“. Und er verwies auf das Zeugnis von Peyns Intimus, dem vormaligen Oberschulrat Behne, der am 16.11.1943 bestätigt hatte, dass Peyn „seiner Schule ein nationalsozialistisches Gepräge gegeben hätte“. Zum Dienststrafverfahren vermerkt eSchröder: „Dieses Urteil dürfte auch nach dem Zusammenbruch unter den geänderten politischen Verhältnissen weiter Gültigkeit haben. Es wäre sogar zu prüfen, ob Herrn Dr. Peyn der ihm in dem Urteil zugesprochene Unterhaltsbeitrag von 75 % bzw. 50 % des erdienten Ruhegehalts weiterhin belassen werden kann, da er ohne dieses Strafverfahren zweifellos jetzt von der Militärregierung ohne Versorgungsansprüche entlassen worden wäre." Und er schloss: „Auf jeden Fall erscheint es ausgeschlossen, daß Herr Dr. Peyn in Zukunft noch irgend ein Amt oder Ehrenamt bekleiden kann". (39)

Peyn, der sich „keiner politischen Verfehlungen in den verflossenen zwölf Jahren bewusst ist", hingegen „viel an Schikane und Duldsamkeit habe hinnehmen müssen", bat um Pensionierung mit vollen Ruhegehaltsbezügen. Und alle Kürzungen seit 1943 wünschte er, erstattet zu bekommen. (40)

Als Peyn seinen Entnazifizierungsfragebogen einreichte, führte Oberschulrat Schröder ein längeres Gespräch mit ihm und wies ihn darauf hin, seine Angaben entsprächen nicht Personalaktenlage. In seinem Interesse sei eine Ergänzung notwendig.

Nun erwies es sich als Bumerang, dass Peyn sich in seinen Disziplinarverfahren Zeugen organisiert hatte, die ihn als besonders frühen und hartnäckigen Kämpfer für die nationalsozialistische Sache skizzierten. So etwa Oberfeldwebel und SA-Mann Wenzelmann, der vor der Dienststrafkammer erklärt hatte: „Peyn war von 1932 bis 1937 Truppführer und Angehöriger des von mir geführten SA-Sturmes 36 und der Standarte 31. Schon seine mir zur Kenntnis gelangte Tätigkeit in den Jahren vor 1932 bei anderen SA-Marine-Einheiten kennzeichnet ihn als treuen Kämpfer in der SA-Formation." (41)

Diese Erklärung war Peyn vor der Disziplinarstrafkammer vorgelesen worden und er hatte sie laut Aktenvermerk nicht dementiert. In einer eigenen Erklärung hatte Peyn am 10.12.1943 vermerkt, dass er sich „in der SA vom Sturmmann zum Obertruppführer hinaufdiente".

Im Fragebogen indes hatte die SA-Mitgliedschaft auf Mai 1933 datiert und die Frage ob er Ämter bekleidet habe, mit „Nein" beantwortet.

Auch in anderen Punkten verhielt sich Peyn nicht verwaltungsmäßig korrekt, sondern eher gemäß „dichterischer Freiheit". Zum Strafverfahren wegen der Fälschung des Kirchenbuches schrieb er in der Anlage zum Fragebogen: „Das Verfahren gegen mich wurde nach sechs Monaten sang- und klanglos eingestellt." Schröder vermerkte, das Verfahren wurde „nicht sang- und klanglos eingestellt, sondern es wurde eingestellt, weil für das Vergehen nach § 133 des Strafgesetzbuches, dessen Herr Dr. Peyn schuldig war und für das auf eine höhere Freiheitsstrafe zu erkennen gewesen wäre, bereits Verjährung eingetreten war." (42)

Heinrich Schröder führte fünf gravierende falsche Aussagen an und kam zu dem Schluss: „Aus diesen Feststellungen ergibt sich, daß Herr Dr. Peyn bei der Ausfüllung des Fragebogens die notwendige Sorgfalt hat vermissen lassen. Ob er die unrichtigen Angaben bewußt oder fahrlässig gemacht hat, bleibt dahingestellt. Auf jeden Fall würde es untragbar sein, wenn Dr. P weiter im Genuß seiner ihm zugesprochenen Versorgungsbezüge bleiben würde, während andere nationalsozialistische Schulleiter, die sich keines solchen Dienstvergehens schuldig gemacht haben, jetzt ohne Versorgung entlassen werden." (43)

Bruno Peyn erschien also abermals als Mann, der es mit der Wahrheit unter ganz nicht sonderlich genau nahm.

Am 28.10.1945 schrieb Peyn Heinrich Schröder: „Ich glaube, es dürfte kaum nötig sein, nochmals zu betonen, dass das, was damals von mir und Männern, die mir helfen wollten, herausgestellt worden ist, bei der heutigen Beurteilung gänzlich gegenstandslos erscheinen muss. Wenn bei einer Gelegenheit angedeutet wurde, dass ich, als ein ‚Mann von Meriten‘ erwiesen, manches zu meinen Gunsten gewendet sehen möchte, so habe ich mir eben diese Meriten soweit zugesprochen, als es unverdächtiger Weise geschehen konnte. Wenn die Gutachten zudem dem Tatsächlichen mancherlei zugaben, so konnte mir das in der Lage, in der ich mich befand, nur passen; ich hatte keinen Grund, dagegen zu protestieren oder richtigzustellen. Wer wie ich mit allen Hunden gehetzt worden ist, hat sich auch dahin hetzen lassen. Die Verantwortung tragen die anderen. Mir waren damals alle Mittel recht – heute darf ich das wohl erklären. Ich war in die Opposition getrieben worden und habe mich seitdem bewusst oppositionell verhalten. Ich wusste, was mir als ‚Judenstämmling‘, wie es so schön hieß, blühte, was selbst meinen Kindern noch daraus erwachsen würde, wie mir Beispiele zeigten." Und zu Behnes Würdigung, seiner „nationalsozialistischen Prägung der von ihm geleiteten Schule" sagte er flott: „Ich habe stets eine würdevolle nationale Haltung vertreten. In dieser hat mich mein langjähriger Kollege Behne an der Bogenstraße kennen gelernt. Wenn er diese Verdienste in seinem Gutachten im nationalsozialistischen Sinne erhöhte – ja meinetwegen!" (44)

Zur SA-Arbeit habe er, neben seiner Spielleiteraufgabe abends kaum Zeit gehabt. Und: „Gelten taten hier nur, die sich schon vor 1933 herumgeschlagen haben."

Bruno Peyn war Schriftsatzsteller, kämpfte um seine Pension, aber hatte auch Freude an Formulierungen, die manchmal so gar nicht opportunistisch ausfielen. Und sie zeigten, dass er nicht verstand, was Heinrich Schröder und die Schulverwaltung von ihm wollten: „Wenn die getroffenen Maßnahmen darauf abzielen sollen, eine Reinigung des Beamtenkörpers zu vollziehen, um in Zukunft das politische Leben einwandfrei zu gestalten, so kann ein Mann wie ich dabei kaum noch von Belang sein, da ich längst ausgeschieden bin, eine Säuberungsaktion auf mich nicht zutrifft und die angestrebte Haltung der neuen Schule durch mich ihr fern Stehenden nicht mehr gefährdet sein kann. Ich stehe doch wirklich gänzlich außerhalb jeder Debatte, da der Nationalsozialismus mich längst von sich aus ausgemerzt hat. Im hamburgischen Schuldienst bin ich seitdem schon unschädlich.“ (45)

Nach dem umfangreichen Schreiben Peyns und seinen ergänzenden Anmerkungen, vermerkte Oberschulrat Schröder am 15.11.1945, dass Peyns nunmehrige Angabe, „Oberscharführer in der SA“ gewesen zu sein, nach den Bestimmungen der britischen Militärregierung ein „Entlassungsfall sei. Wie soll mit den Unterhaltszahlungen für Peyn weiter verfahren werden?“ fragte Schröder.

Am 13.2.1946 empfahl die britische Militärregierung: „Dissmissal“. Es wurde dabei auch darauf hingewiesen, dass Peyn 1933 der Säuberungskommission von Schul- Bibliotheken angehört habe. (46).

Die Einstellung aller Zahlungen an Peyn teilte Senator Landahl ihm mit Schreiben vom 1.4.1946 mit. Peyn antwortete, ihm und seiner Familie werde nun auch noch das genommen, was der ihm „gegenüber gewiss nicht schonsame nationalsozialistische Staat immerhin gegönnt habe". Zudem antwortete er am 24.4.1946 mit einem ausführlichen Schreiben und warb um Landahls Bereitschaft, dieses Schreiben, mit Anlage insgesamt 58 Seiten, auch persönlich zu lesen. Peyn fand in seiner Argumentation immer stärker in die Opferrolle und gerierte sich als quasi Oppositioneller in Zeiten, die er weit vor 1943 verlegte und für die er keine objektiven Hinweise gab. Er schrieb: „Innerlich war ich mit der ‚Bewegung‘ längst fertig, seitdem ich meine eigene ‚Belastung‘ seit dem 16. Juli 1937 erkannt hatte." Man lese seine gegenteiligen Ausführungen 1943. Die Diktion und Argumentation Peyns in seinen Ausführungen soll mit einer kurzen Passage illustriert werden: „Dass ich in der ersten Ratlosigkeit, vollends als mir ein Urahn ‚Pinkus‘ Goldstein zu Gesicht kam, mit dem schweissigen Finger eines affekterhitzten Körpers einen schwachen Versuch der Verwischung machte, der mir soweit gelang, dass mir die den Fall untersuchenden Kriminalbeamten von sich aus erklärten: ‚dass man das ja eigentlich noch alles lesen könne!‘, wird man mir heute in Rückerinnerung an so vieles, was in rassischen Dingen von politischen Wüstlingen geschehen ist, ebenso wenig übelnehmen können, wie dem durch Sterilisation Bedrohten, der die ihn belastende Erbmasse zu verheimlichen suchte, oder dem mit dem Judenstern Gebrandmarkten, der sich fälschend mit anderen Namen und Papieren versah und unterzutauchen suchte. Nicht ich bin verantwortlich für ungesetzliche Manipulationen, sondern der amoralische Gesetzgeber und Staat, der bis dahin Unbelastete über Nacht zu Parias und Verfemte zu stempeln versuchte. Wer Gegner einer solchen Welt- und Lebensordnung werden musste, brauchte kein moralisches Gewissen." (47)

Anders als die von Peyn Angeführten, die ihr Leben oder körperliche Unversehrtheit retten wollten, ging es Peyn ausschließlich darum, angesehenes Mitglied der nationalsozialistischen Gemeinschaft zu bleiben. Es gab andere Beispiele von Schulleitern und Lehrern, die bei der Nachforschung für den Ariernachweis feststellten, dass sie oder ihre Ehefrauen jüdischer Abstammung waren und die anders reagierten, etwa Ernst Hüttmann oder Cäsar Iburg. Diese Männer waren ebenfalls schockiert, Opfer auch ihrer eigenen bisherigen Ideologie. Sie wurden aus der NSDAP ausgeschlossen, aber nicht in ihrer Existenz bedroht. Cäsar Iburg wurde als Schulleiter abberufen, aber als Lehrer weiterbeschäftigt. (48) Diesen gesellschaftlichen Abstieg und die damit verbundene Diskriminierung hätte Peyn befürchten müssen. Und es wäre Anlass gewesen, über die nationalsozialistische Doktrin und Rassenlehre nachzudenken. Bruno Peyn verstieg sich in seiner einundzwanzigseitigen Schrift zu der Behauptung, im Krieg als Leiter der Passierscheinstelle Tausenden von Juden das Leben gerettet zu haben. Auch dafür konnte er keinen Beleg vorlegen. Pathetisch beendete er sein Schreiben: „Front gemacht habe ich in den sechs Jahren Friedenstätigkeit nur gegen Provokateure, Spitzel und Denunzianten, die immer nur das bezweckten, politische Gegner von ehemals und rassisch ‚Belastete‘ anzuprangern und zu verderben. Tausende deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens atmen heute freiere Luft in Amerika; sie sind nicht in Theresienstadt und Auschwitz ihres Lebens beraubt worden. Für das für sie geübte Einstehen fordere ich vor der Geschichte heute meinen Lohn, da es nicht anders geht, um selber das mäßig zurückgegolten zu sehen, womit ich die Tausenden einst beglückt habe." (49)

In der Anlage beschrieb Peyn ausführlich seine frühere Gegnerschaft, seine „bald einsetzenden oppositionellen Regungen“. Wie auch in anderen Fällen richteten sich diese Regungen gegen einzelne Personen, vornehmlich auch HJ- Verantwortliche, die als „der Nationalsozialismus" herhalten mussten. Wie hatte sein ehemaliger Schulleiter Züge festgestellt: „Er hatte nur einen Fehler. Er war leicht erregt und aufbrausend“. (50) Beispiele seines Aufbrausens wurden nun in oppositionelles Verhalten umgedeutet.

Bemerkenswert erscheint das Leumundszeugnis einiger Kollegen der Albrecht-Thaer-Schule. Sie schrieben am 6.5.1946: „Herr Dr. Peyn ist 1933, wie wir glauben, mit dem Auftrag zu uns gekommen, in unserer als rot verlästerten Schule die Fahne des Nationalsozialismus aufzurichten. Flaggenparade und Schulappell, nach behördlicher Anordnung allwöchentlich wiederholt, mögen die äußeren Kennzeichen dieses Versuches gewesen sein. Sie wurden von der Schülerschaft zuerst begeistert, sehr bald aber schon gleichgültig und zuletzt widerwillig hingenommen; der Lehrkörper verhielt sich abwartend." Bald wurde die Flaggenparade eingestellt. Peyn hätte „nach guter alter Sitte Weihnachtsfeiern von ergreifender Schönheit gestaltet“ und „sich bemüht, Einmischungsversuche der HJ-Führung geschickt abzuweisen." Ein weiteres Argumentationsmuster zum Lob ehemaligen NS-Schulleiter.

Schulleiter Peyn sei „niemals selbstherrlich wie ein Schul-Tyrann aufgetreten“ und habe „das gute Alte liebevoll pflegen lassen, ohne sich dem Fortschritt zu versagen“. Unterschrieben am 6.5.1946 unter anderem von seinem ehemaligen Stellvertreter und Nachfolger als Schulleiter, Adolf Winter, und auch von Heinrich Sahrhage, NSLB-Beauftragter an zentraler Stelle für die Hamburger Kinderlandverschickung. (51)

Auch von Richard Ohnsorg gab es einen Persilschein für Bruno Peyn. Ohnsorg schrieb am 15.4.1946: „Ich erkläre zugleich, dass Herr Dr. Peyn, wenn auch seit dem 1. Mai 1933 Mitglied der NSDAP, sich unparteiisch und objektiv für den Verbleib aller Mitglieder im Verband unserer Bühne eingesetzt hat und es bewerkstelligte, dass trotz starker politischer Anfeindungen einzelner Mitglieder niemand aus den Reihen unserer Bühne zu weichen hatte. Herr Dr. Peyn hat stets eine aufopferungsvolle kameradschaftliche Haltung für jeden an den Tag gelegt. Als vielleicht bester Kenner des von Dr. Peyn seit 1919 geschaffenen plattdeutschen Schrifttums darf ich ihm das Zeugnis ausstellen, dass er weder vor noch nach 1933 in seinen Stücken einen parteidoktrinären Standpunkt vertreten hat oder nationalsozialistische Ideologien darin verkörpert hat." Und: „Ich habe es außerordentlich bedauert, dass mir als Intendanten der Niederdeutschen Bühne seit 1943 die Aufführung der Stücke Dr. Peyns durch die hamburgische Kulturbehörde und das Reichspropagandaamt verboten wurde." (52)

Auch Peyns Tätigkeit als Hauptmann bei der Passierscheinstelle erfuhr im Entnazifizierungsverfahren noch einmal große Aufmerksamkeit. Erschüttert wurde die Darstellung von Peyns Wirken bei der deutschen Wehrmacht in Brüssel, Luxemburg und Paris durch eine Aussage von Freiherr von Hüne, der am 15.5.1946 folgende Aussage machte: „Mein Bruder hat als Hauptmann a.D. etwa 15 Jahre lang seinen Wohnsitz in Luxemburg gehabt und ist nach der Besetzung Luxemburgs im Jahre 1940 wieder in die deutsche Wehrmacht eingetreten. Mein Bruder hatte dienstlich mit Herrn Dr. Peyn zu tun, der meines Wissens Hauptmann in derselben Dienststelle war. Mein Bruder hat sich Herrn Dr. Peyn gegenüber einmal sehr entsetzt über die Schandtaten der Gestapo und des Sicherheitsdienstes in Luxemburg geäußert. Dies hat sich Dr. Peyn, ohne etwas dazu zu sagen, angehört und meinen Bruder daraufhin denunziert. Zunächst erfolgte daraufhin eine Strafversetzung meines Bruders. Später wurde aber deswegen noch ein Kriegsgerichtsverfahren eingeleitet, das mit einer Degradierung und Verurteilung zu zwei Jahren Zuchthaus endete. Mein Bruder hat diese Strafe zunächst aus Gesundheitsgründen nicht antreten können. Als er dann für haftfähig erklärt werden sollte – es war im September 1944 –, ist er über die Front nach dem damals bereits besetzten Luxemburg geflüchtet und dadurch weiteren Verfolgungen entgangen." (53)

Zu dem Vorfall wurde Bruno Peyn am 2.6.1947 von Franz Harten, Mitglied des Entnazifizierungsfachausschusses, befragt. Peyn gab zu Protokoll: „Ein Herr von Hüne ist mir bekannt und zwar aus dem Passierscheinwesen. Er hatte die Passierscheinstelle Brüssel, während ich die Stelle Moulins hatte. Ich habe eines Tages mit von Hüne gelegentlich einer Tagung der Passierscheinstellen allein in einem Restaurant in Paris gesessen. Bei dieser Gelegenheit machte von Hüne außerordentlich scharfe Bemerkung über den Nationalsozialismus. Er sprach von ‚Hitler und den Verbrechern um ihn‘ und äußerte sich auch sehr abfällig über das Benehmen des Gauleiters vom Luxemburg. Ich bat von Hüne, ein anderes Gesprächsthema anzuschlagen und mit mir zu den anderen Kollegen zu gehen. Wir haben uns dann draußen verabschiedet. Ich wollte ihn auch nicht etwa vor den anderen Kameraden zur Rechenschaft ziehen, sondern ihn nur erst einmal aus dem Lokal entfernen, wo dicht gedrängt viele Offiziere saßen.

Als ich nach Moulins zurückkam, habe ich einen Kameraden, mit dem ich das Quartier teilte (Sonderführer Bofinger), von diesem Vorfall gesprächsweise erzählt und ihm gesagt, daß ich ganz erschüttert sei von dem was ich gehört hätte. Bofinger hat seinerseits, ohne mich zu fragen (ich habe ihm das sehr übel genommen) mit Hauptmann Kutz gesprochen, der zufällig alsbald als Kurier nach Paris fuhr und die Angelegenheit dort (wiederum ohne mein Wissen und Wollen) bei dem Abwehroffizier zur Sprache gebracht hat. Daraufhin wurde ich von dieser Abwehrstelle zum Bericht aufgefordert. Diesen Bericht habe ich unter ‚geheim‘ erstattet und mit einem persönlichen Anschreiben an einen der genannten Offiziere geschickt. Bevor ich dies tat, bin ich sofort nach Erhalt der Aufforderung selbst nach Paris gefahren und habe die Herren gebeten, die Sache kameradschaftlich beizulegen, was aber abgelehnt wurde. Anschließend habe ich nichts wieder von der Sache gehört. Wenn der Fall trotzdem später noch zu einer kriegsgerichtlichen Verurteilung des Herrn v.H. geführt hat, so deshalb, weil mein Nachfolger in der Leitung der Passierscheinstelle Moulins, Hauptmann Kutz, in einer Geheimakte meinen ersten Bericht fand und nun aufgrund dieses Berichts den Fall wieder ins Rollen zu bringen suchte. Auch darüber ist mir nichts bekannt geworden. Ich war damals schon aus Moulins fort. Meinen Bericht habe ich nach meiner Erinnerung im Dezember 1941 gemacht. Zur Verhandlung ist es erst im März 1943 gekommen. Ich wurde als Zeuge geladen und habe mich dabei nach besten Kräften bemüht, meinen Bericht möglichst abzuschwächen. Ich erinnere mich, dass ich wörtlich gesagt habe: ‚Ich bin gekommen, um nichts für Herrn von Hüne zu komplizieren.‘ " (54)

In der Entnazifizierungsakte Peyns war auch eine Abschrift des Anschreibens der von ihm gefertigten Aktennotiz enthalten, wobei die Notiz selbst wichtiger gewesen wäre. Laut Abschrift hatte Peyn am 21.12.1941 geschrieben: „Nach Rücksprache mit der mir vorgesetzten Dienststelle gebe ich Kenntnis von im Laufe eines Gesprächs erfolgten Äußerungen des Major von Hüne, mit dem ich zufällig zusammentraf und der zu meinem eigenen großen Bedauern meinte, aus seiner politischen Einstellung mir gegenüber keinen Hehl machen zu müssen. Ich bitte als Offizier, der sich kameradschaftlichen Zusammenstehens voll bewusst ist, nach erfolgter mündlicher Mitteilung nunmehr zu schriftlichen Eingabe aufgefordert, den Urheber dieser Äußerungen damit nicht belasten zu wollen, sondern sie allein zu dem Zwecke zu verwenden, dass Major von Hüne, der auch sonst schon Äußerungen ähnlicher Art getan haben soll, zum Beispiel Rittmeister Adler gegenüber, bewogen wird, in Zukunft mit allen kritischen Bemerkungen zur politischen, militärischen und wirtschaftlichen Lage Vorsicht walten zu lassen. Rein kameradschaftlich bitte ich darum, um den Genannten vor Weiterungen zu bewahren, da seine politische Haltung ihn sonst in die schwierigste persönliche Lage bringen könnte." (55)

Ein solches Anschreiben zu einem Bericht, in dem unter anderem von einer Aussage: „Hitler und die Verbrecher um ihn" berichtet wurde, betrachte ich mit großer Skepsis. Und letztlich war das ganze Verfahren und die Verurteilung von Hüne darauf zurückzuführen, dass Bruno Peyn ihm gegenüber gemachte Äußerungen an Dritte weitergegeben hatte. Ihm hätte klar sein müssen, welche Brisanz und Folgen dieses haben konnte.

Im Entnazifizierungsverfahren entschied der Berufungsausschuss 3 am 9.3.1949 unter Leitung des für milde Urteile bekannten Dr. Kiesselbach, dass Bruno Peyn ab dem 1.3.1949 ein Unterhaltsbeitrag von 50 Prozent der ihm als Studienrat zustehenden Pension erhalten sollte. Er wurde in Kategorie V (Entlastete) eingeordnet. (56)

Spätere Schreiben von Bruno Peyn trafen aus Kampen auf Sylt ein, wo er zumindest in den Sommermonaten lebte.

1952 hatte Rechtsanwalt Rompf die Vertretung von Bruno Peyns Interessen übernommen. Er wies darauf hin, dass Peyns reduzierte Pensionsbeiträge in der Nazizeit aufgrund „der rassischen Zugehörigkeit seines Mandanten erfolgen“. In der Schulbehörde der 1950er Jahre prüfte man, Oberschulrat Schröder war gestorben und es gab offenbar kaum noch Personen, die Bruno Peyn persönlich kannten. Auch in dem Gnadengesuch von Rechtsanwalt Kurt Rompf vom 5.7.1954 kam die NS- Verstrickung Peyns gar nicht mehr vor. Im Mittelpunkt stand dessen Schriftsteller- Tätigkeit. Rompf wusste zu vermelden: „Der Peyn ist weit über seine Schultätigkeit hinaus bekannt geworden als niederdeutscher Schriftsteller, als Verfasser zahlreicher an der Niederdeutschen Bühne in Hamburg aufgeführter Theaterstücke und als besonderer Pfleger und Förderer des heimatlichen niederdeutschen Sprachgutes. Er ist Träger des ‚Stavenhagenpreises‘, des ‚Richard-Ohnsorg-Preises‘ und des 1952 von der Niederdeutschen Woche verliehenen ‚Klaus-Groth-Preises‘. 1954 wurde Dr. Peyn anlässlich des niederdeutschen Bühnentages mit drei seiner neuen Theaterstücke (‚Schrott‘, ‚Herr Senator a.D.‘ und ‚Alles Leben ist Gott gewollt‘) als Autor zeitnaher niederdeutscher Dramatik herausgestellt.“  (37)

Rompf verwies im Weiteren darauf, dass die Umstände neu zu bewerten seien und insbesondere auf die Meriten Bruno Peyns als Schriftsteller. Der Denunziant zum Schaden Peyns sei der „nationalsozialistische Sippenforscher Höpcke" und Rompf stellte fest, dass „heute ein jüdischer Blutanteil“ nicht zur „Entfernung von der Stellung als Direktor eines für einer höheren Schule führen“ würde. Das „Verwischen im Kirchenbuch sicherlich schon". Der Wegfall des einen Grundes sei aber sicherlich ein „maßgebender Grund für einen Gnadenerweis".

Die Bewertung von Oberschulrat Reimers ging 1954 dahin, Peyn maximal die Pension eines Studienrates zu gewähren. (58)

Acht Jahre gab es keine Bewegung in dem Fall. Der zuständige neue Oberschulrat, Wagner, wies 1962 daraufhin, dass Peyn wegen seiner NS-Verstrickung auch nicht zum 70. Geburtstagetag gratuliert werden sollte. Bruno Peyn wurde danach wieder aus Kampen und Hamburg aktiv. Die Disziplinarsache wurde wieder aufgerollt. Und die Disziplinarkammer Hamburg entschied unter Vorsitz von Landgerichtsdirektor Dr. Scheefe am 25.5.1965, das Urteil vom 16.3.1944 zu mildern, Bruno Peyn um die Gehaltskürzung seiner Dienstbezüge um ein Fünftel auf die Dauer von fünf Jahren zu verurteilen. Als Grund wurde hauptsächlich die „erhebliche psychische Belastung" bei der Tat Peyns hervorgehoben. „Der Grad seiner jüdischen Abstammung hätte dem Beschuldigten, - wäre er bekannt geworden - Nachteile gebracht, wenn auch nicht kraft der damaligen Gesetze, so doch in gesellschaftlicher Hinsicht und hätte die beruflichen Aussichten des Beschuldigten beeinträchtigen können. Neben der Furcht vor einer gesellschaftlichen Abwertung wirkte sich beim Vorgehen des Beschuldigten auch ein Schock aus. Die Erkenntnis über Einzelheiten seiner Herkunft traf den Beschuldigten völlig unerwartet und umso heftiger, als er sie nach seiner damaligen Überzeugung als einen Makel empfinden musste, der ihn als überzeugtes Mitglied zahlreicher nationalsozialistischer Organisationen erheblich belastete." (59)

Damit gab sich Bruno Peyn nicht zufrieden. Er stritt weiter um höhere Pensionsbezüge. In seinem Schreiben vom 24.1.1965 zog Peyn alle Register. Aus seiner Sicht hatte er mit dem Nationalsozialismus nur noch als Opfer zu tun: „Ich gebe sogar zu, dass ich 1937 im Sinne nationalsozialistischer Bestimmungen verbrecherisch gehandelt habe und damit das ideologische Gebäude zur Reinerhaltung der nordischen Rasse ins Wanken gebracht haben kann. Denn wohin würde es gefährlich geführt haben, wenn durch eine so einfache Verwischung derart grobe Vertuschung Schule gemacht hätten. Nach allem, was ich heute weiß, darf ich mich wohl wundern, dass ich nicht dem Zugriff der Gestapo verfallen und im KZ gelandet bin.“ (39)

Täter und Schuft war nun der Sippenforscher Walter Höp (62)

Bruno Peyn drückte weiter auf die Tube. Mit keinem Wort erwähnt er seine NS- Vergangenheit, dafür charakterisierte er die Disziplinarkammermitglieder von 1943:

„Besetzt war das Gericht mit dem Oberlandesgerichtspräsidenten Schmidt-Egk als Vorsitzenden und dem Landgerichtsdirektor Wehlen als Beisitzer, von dem mein Anwalt sagte, von dem sei nichts zu erhoffen, der habe schon Todesurteile in Hamburg unterschrieben. Der Anklagevertreter war der Syndikus der Schulbehörde, Landgerichtsdirektor von Wedel, als Nachfolger von Obersenatsrat Edens, der mir in der Voruntersuchung wenig wohl wollte und meine mangelnde ‚Treue zum Führer‘ erschwerend beibrachte. Als von Wedel Justiziar der Behörde wurde und damit Behördenvertreter in meiner Sache, wurde mir wörtlich erklärt, jetzt sei die Sache für mich ‚zappenduster‘, denn er sei SS-Obersturmbannführer! - Was hatte ich also zu erwarten? - Dennoch plädierte in der Verhandlung dieser SS-Mann auf ehrenvolle Pensionierung mit voller mir zustehender Pension. Als sich das hohe Gericht dann zur Urteilsfindung zurückzog, kam dieser SS-Obersturmbannführer zu mir, stellte sich vor, gab mir die Hand, ohne dass sie ihm verdorrte, und brachte zum Ausdruck, dass er hoffe in meinem Sinne gesprochen zu haben. Zu mehr langte es in diesem kurzen Augenblick nicht, denn schon hatte Schmidt- Egk das Urteil gefunden und drückte mir als das Wesentliche seiner gewonnenen Erkenntnis den ‚Makel jüdischer Abstammung‘ auf, obgleich er vorher unterstellt hatte, daß – in dubio pro reo – nur ein Ururgroßelternteil als sicher anzunehmen sei und damit nur ein geringer Bluteinschlag vorliege." (63)

Ein dramaturgisch geschickt aufgebautes Schreiben.

Staatsrat von Heppe bereitete den Fall für den Hamburger Senat auf und legte ein Papier vor, in dem die Begnadigung Peyns vorgeschlagen wurde und ab dem 1.2.1965 „die Rechtsstellung eines Oberstudiendirektors a.D. zuzuerkennen“. (64) Es ist nicht sicher, ob diese Drucksache im Senat tatsächlich verabschiedet wurde. Einen Erfolg erreichte Bruno Peyn.

Nach Mitteilung der Schulbehörde erhielt er für die Zeit vom 1.8.1944 bis zum 31.12.1965 eine Nachzahlung von 64.968,22 DM brutto (65)

Auch zum 80. Geburtstag wurde Peyn kein Glückwunsch der Schulbehörde zuteil. Am 19.11.1968 teilte Bruno Peyn mit, dass seine Ehefrau Maria am 18.11.1968 gestorben sei. Am 31.5.1970 starb auch Bruno Peyn in Kampen. In der Traueranzeige seiner Tochter Ute Peyn stand: Oberstudiendirektor i.R.

Nachtrag: In der „Plattdeutschen Bibliografie Biografie“ werden Peyns Werke aufgeführt, insgesamt 18, ein geringerer Anteil davon zwischen 1933 und 1945 geschrieben, sowie diverse Werke, die nicht gedruckt oder in Katalogen ermittelt wurden. (66)

Im „Hamburger Abendblatt“ wurden zwischen 1955 und 1959 die großen Stücke Peyns im Ohnsorg-Theater rezensiert: „Onkel-Ehe", „Lüchtfüer" und „Döschmaschin", an denen die bekannten Schauspieler des Ohnsorg-Theaters beteiligt waren: Heidi Kabel, Otto Lüthje, Jochen Schenk, Christa Wehling, Henry Vahl und Erna Raupach-Petersen.

Das „Hamburger Abendblatt“ kommentierte ihn wohlwollend: „Bruno Peyn, Schulmeister und Poet dazu, hat immer ganz gut gewusst, was ‚anliegt‘. Zwar hat er die früher so eifrig und erfolgreich gepflegte plattdeutsche Szene lange Jahre missen müssen (und sie ihn), aber nun ist er zurückgekehrt und sogleich mit einer Aktualität, der Komödie ‚Onkel-Ehe‘. Bei diesem Thema weiß jedermann, was die zeitgenössische Glocke geschlagen hat: das sind doch die Leute, die aus verschiedenen Gründen zusammen leben und aus einem nicht heiraten, wegen der Witwenrente." Und zum Schluss hieß es: „Der Autor wurde von einem milde gestimmtem Publikum auf die Szene gerufen." (67) Das dürfte dem Autoren gefallen haben.

 Peyn schrieb 1965 ein Buch über das Ohnsorg-Theater, das im Quickbornverlag erschien. Auch hier widerstand er nicht dem Versuch, bei allen Verdiensten um die Niederdeutsche Bühne seine Rolle im Nationalsozialismus zu schönen. Als für die Bilanzen der Niederdeutschen Bühne Verantwortlicher musste er sich damit auseinandersetzen, dass die in der „Deutschen Arbeitsfront" organisierten arbeitslosen Schauspieler danach strebten, bei der Niederdeutschen Bühne Engagements zu bekommen. „Zu Anfang des Februar 1933 teilte mir mein Kollege Behne in der Schule mit, daß am Abend vorher in einer Sitzung des Kampfbundes für deutsche Kultur eine Gruppe erwerbsloser Schauspieler, zusammengeschlossen in der NSBO (wohl Nationalsozialistische Betriebszellen Organisation), in nicht mißzuverstehender Weise Front gegen die ‚Niederdeutsche Bühne Hamburg‘ gemacht habe. Sie sei eine Dilettantenbühne, die in öffentlichen Aufführungen den Berufsschauspielern das Brot nehme und außerdem dem Doppelverdienen Vorschub leiste.“ (68) Diese Auseinandersetzung mit arbeitslosen Schauspielern, die sich über Jahre immer andere Unterstützer suchten, stilisierte Peyn in seinem Buch zu einem Kampf mit den Nationalsozialisten. Ein aus zahlreichen Entnazifizierungsverfahren geläufiges Verfahren.

In der Vorbemerkung des Buches hieß es: „Einer der tatkräftigsten Mitstreiter Ohnsorgs in diesen Jahrzehnten war Dr. Bruno Peyn, der sich als Autor und geschäftlicher Leiter um die Förderung des Theater sehr verdient gemacht hat. Im übrigen aber hat man Dr. Bruno Peyn seit 1945 totgeschwiegen. Nur in den Mitteilungen aus dem Quickborn hat man ihn nie vergessen, und außerdem hat kürzlich der jetzige Intendant Hans Mahler – beim Empfang des Richard Ohnsorg Preises der Stiftung F. V. St. – gesagt: ‚Nicht unerwähnt lassen möchte ich, daß sich Dr. Ohnsorg in der ersten Zeit der Feldbestellung auf einen Freund stützen konnte, der sowohl literarisch als verwaltungstechnisch ein außerordentlich erfolgreicher Mitarbeiter war. Es ist der Autor Bruno Peyn, der ein erstaunlich umfangreiches, höchst eigenwilliges Bühnenwerk in einer beachtlichen Zahl von Titeln schuf, Stücke, die man damals ob ihrer Vielfalt der Formen und Möglichkeiten als Fundament des Niederdeutschen Dramas ansehen konnte." (69) Und Alexander Strempel, Mitarbeiter Peyns beim Quickborn und in der niederdeutschen Sprachforschung trug seinerseits zur Geschichtsklitterung bei, wenn er schrieb: „Dr. Bruno Peyn hat immer im Schatten Dr. Ohnsorgs gestanden, und das hat er gerne getan. Daß er seit 1945 totgeschwiegen worden ist, hat ihn natürlich gekränkt, und dass er sich keineswegs nur ‚in der ersten Zeit der Feldbestellung‘ als wahrer Freund Ohnsorgs unser Niederdeutschen Bühne bewährt hat, daß Dr. Peyn vielmehr gerade als Retter der Niederdeutschen Bühne über die Jahre des Nationalsozialismus angesehen werden muss, das haben uns Leute vom ‚Bau‘ bestätigt. Zum Glück für die Bühne, muß man sagen, war Bruno Peyn schon im Mai 1933 in die Partei eingetreten. Nur so hat er die gefährlichen Angriffe aus den Reihen der Parteigenossen gegen die Niederdeutschen Bühne und gegen Dr. Ohnsorg abwehren können." (70)

So werden Märtyrer produziert.

Text: Hans-Peter de Lorent

Anmerkungen:
1. Der Lebenslauf und alle anderen Angaben laut Personalakte Peyn, StA HH, 361-3_A 1067
2. Lebenslauf, ebd.
3. Alle Dokumente in der Personalakte, ebd.
4. Schreiben des Beratenden Ausschusses für das höhere Schulwesen im Entnazifizierungsverfahren Peyn, in StA HH, 221-11_Ed 10964
5. Schreiben von Schulsenator Heinrich Landahl vom 7.9.1945, ebd. Siehe auch die Biografie Behne in diesem Buch.
6. Der ehemalige Schulleiter Adolf Winter (von 1943 bis 1950), schon zu Peyns Zeiten Lehrer und Stv. Schulleiter an der Schule. Abgedruckt in der Festschrift vom 120-jährigen Bestehen des Albrecht-Thaer-Gymnasiums, Hamburg 1993 und auf der Homepage der Schule unter dem Link: Schulgeschichte.
7. Ebd.
8. StA HH, Nachlass Krogmann, Tagesberichte, C 1_Bd.3 1935
9. Siehe Schreiben von Senator Landahl vom 7.9.1945, Entnazifizierungsakte Peyn, a.a.O.
10. Personalakte Peyn, a.a.O.
11. Hartwig Fiege: Geschichte der hamburgischen Volksschule, Hamburg 1970, S. 123.
12. Siehe deren Biografien in diesem Buch.
13. Siehe Uwe Schmidt: Hamburger Schulen im „Dritten Reich“, Hamburg 2010, S. 100.
14. Uwe Schmidt 2010, S. 102.
15. Walter Behne: Bruno Peyn zum 50. Geburtstage, in: Mitteilungen aus dem Quickborn, 30. Jahrgang, 1936/37, S. 71.
16. Walter Behne, a.a.O., S. 72.
17. Ebd.
18. Alle Zitate Walter Behne, a.a.O., S. 73.
19. Angaben nach Personalakte Peyn, a.a.O.
18. Ebd.
19. Ebd.
20. Ebd.
21. Ebd.
22. Vernehmung Walter Höpcke vom 9.4.1943, ebd.
23. Ebd. Siehe auch Personalakte Walter Höpcke, Staatsarchiv Stade, Rep. 180 S, Nr. 3963. Danach war der Lehrer Walter Höpcke, in Cuxhaven am 20.7.1892 geboren, bis 1933 Lehrer in Ritzenbüttel, in den 1920er Jahren Mitglied der Freideutschen Jugend. Höpcke betätigte sich lebenslang als Heimat- und Familienforscher. Im Entnazifizierungsverfahren 1945 wurde er in die Kategorie V eingruppiert (Entlasteter). Er war seit 1.5.1937 Mitglied der NSDAP gewesen, was der Hauptausschuss zur Entnazifizierung in Cuxhaven als „nominell, ohne Einfluss“ bewertete. Im „Hamburger Echo“ vom 11.9.1950 wurde Höpcke als „verdienstvoller Heimatforscher“ gewürdigt, der eine Kartei mit 40 00 Cuxhavener Familiennamen erstellt habe, „aus denen er ein Familienbuch des Amtes Ritzenbüttel aufstellen will.“
24. Personalakte Peyn, a.a.O.
25. Vernehmungsprotokoll vom 23.11.1943. Rodde war NSDAP- und SA-Mitglied seit 1930. Rodde wurde 1945 interniert und im Bielefelder Spruchgerichtsverfahren zu 2 ½ Jahren Gefängnis verurteilt. Siehe: StA HH, 221-11_46695 KAT
26. Das Schreiben Witts in Personalakte Peyn, a.a.O.
27. Entnazifizierungsakte Peyn, a.a.O.
28. Vernehmung Ossenbrügge vom 19.11.1943, ebd.
29. Erklärung vom 16.11.1943, ebd.
30. Alle Zitate aus: Abschließende Erklärung von Bruno Peyn vom 10.12.1943 zum Disziplinarverfahren, ebd.
31. StA HH, 221-10_586 Peyn. Siehe auch Biografie Karl Züge in diesem Buch.
32. Ebd. Siehe auch Biografie Hinrich Wriede in diesem Buch.
33. Urteil und weitere Dokumente in: StA HH, 131-8 Senatskommission für den höheren Verwaltungsdienst, G 8 c HV 143 IV 036
34. Dieses Zitat und alle weiteren folgenden ebd.
35. Ebd.
36. Personalakte Peyn, a.a.O.
37. Ebd.
38. Ebd.
39. Entnazifizierungsakte Peyn, a.a..O.
40. Schreiben vom 21.9.1945, ebd.
41. Schreiben von Wenzelmann in Personalakte Peyn, a.a.O. Heinrich Schröder zitiert daraus, Entnazifizierungsakte Peyn, a.a..O.
42. Aktenvermerk Schröders vom 19.10.1945. Alle weiteren Punkte sind daraus zitiert, ebd.
43. Ebd.
44. Alle Dokumente ebd.
45. Ebd.
46. Ebd.
47. Ebd.
48. Siehe Biografien Hüttmann und Iburg in diesem Buch.
49. Schlusswort von Bruno Peyn in seinem Schreiben, Entnazifizierungsakte, a.a.O.
50. Siehe Anmerkung 31.
51. Entnazifizierungsakte Peyn, a.a.O.
52. Ebd.
53. Vernehmung Peyn im Beratenden Ausschuss am 2.6.1947, ebd.
54. Personalakte Peyn, a.a.O.
55. Ebd.
56. Ebd.
57. Ebd.
58. Ebd.
59. Ebd. Von Günther Scheefe gibt es in einer anderen Biografie in diesem Buch eine interessante Einlassung. Er schreibt über seinen ehemaligen Lehrer, Hans Rösch, den er anders erlebt hatte, als die Berichterstattung über seine NS- Aktivitäten vermuten lassen.
60. StA HH, 131-11 Personalamt_2003
61. Ebd.
62. Ebd.
63. Ebd. Dr. Albert Schmidt-Egk, geb. 17.3.1888, war in der NS-Zeit Präsident des Hanseatischen Oberlandesgericht, seit 1937 NSDAP-Mitglied, seit 1943 Gauwalter de NS-Rechtswahrerbundes, von 1945 bis 1947 in Eselheide interniert, 1948 mit der Pension eines Landgerichtsdirektors im Ruhestand. Siehe: StA HH, 221-11_Z 2754. Hasso von Wedel, geb. 13.12.1909 war laut seiner Entnazifizierungsakte nicht in der SS, allerdings SA-Mitglied seit 1933, in der NSDAP seit dem 1.5.1939. Siehe: StA HH, 221-11_Ed 1888
64. Laut Personalakte Peyn, a.a.O.
65. Ebd.
66. www.ms-db.de/autor-werke.phb
67. „Hamburger Abendblatt“ vom 2.5.1955
68. Bruno Peyn: Richard Ohnsorg-Theater, Hamburg 1965, S. 88ff.
69. Ebd., S. 6
70. Ebd. Alexander Strempel war Bruno Peyn schon früher verbunden gewesen. Er gehörte zu der Kommission, die im Mai 1933 eine Liste mit Autoren vorlegten, die aus den Schulbibliotheken in Hamburg entfernt werden sollten.
 

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Datenbank online Die Dabeigewesenen

Von Hamburger NS-Täter/innen, Profiteuren, Denunziant/innen, Mitläufer/innen und Zuschauer/innen ... Eine Hamburg Topografie.

Die Dabeigewesenen

Aufsätze

Erklärung zur Datenbank

Stand Februar 2019: 716 Kurzprofile und 276 sonstige Einträge.

Diese Datenbank ist ein Projekt in Fortsetzung (work in progress). Eine Vollständigkeit ist niemals zu erreichen. Sie startet online im Februar 2016 mit rund 520 Profilen und mehr als 200 weiteren Einträgen, wird laufend ergänzt und erweitert werden. Wissenschaftliche Institute, Gedenkstätten, Universitäten und zum Thema forschende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler können gern ihre erarbeiteten Profile in diese Datenbank stellen lassen.

Quellenangaben, die sich auf Webseiten beziehen, sind die zum Zeitpunkt der Recherche gefundenen. Sollten Sie veraltete Links oder Aktualisierungen bzw. Verschiebungen der Inhalte feststellen, freuen wir uns über Hinweise.

Vor etlichen Jahren hat die Landesszentrale für politische Bildung Hamburg die Stolperstein-Datenbank www.stolpersteine-hamburg.de ermöglicht und gibt seit rund zehn Jahren gemeinsam mit dem Institut für die Geschichte der Deutschen Juden unter der Projektleitung von Dr. Beate Meyer und Dr. Rita Bake von der Landeszentrale für politische Bildung die Publikationsreihe „Stolpersteine in Hamburg, biografische Spurensuche“ heraus. Mit dieser Datenbank „Die Dabeigewesenen“ möchte die Landeszentrale für politische Bildung nun den Blick auf diejenigen lenken, die das NS-System stützten und mitmachten. Denn:

Eine Gesellschaft, die sich eine offene und freie Zukunft wünscht,
muss [...] über eine Kultur verfügen, die nicht auf dem Verdrängen
und Vergessen der Vergangenheit beruht.“ (Mario Erdheim Psychoanalytiker) 1)

Diese aktuell immer noch so wichtige Aussage bildet den inhaltlichen Ausgangspunkt dieser Datenbank. Sie enthält eine Sammlung mit Kurzprofilen über Menschen, die auf unterschiedlichste Weise an den NS-Gewaltverbrechen in Hamburg Anteil hatten, z.B. als Karrierist/innen, Profiteur/innen, Befehlsempfänger/innen, Denunziant/innen, Mitläufer/innen und Täter/innen. Aber auch sogenannte Verstrickte, die z. B. nach durchlittener Gestapo-Folter zum Spitzel wurden. Unter all diesen Dabeigewesenen gab es auch Menschen, die in keiner NS-Organisation Mitglied waren, die aber staatliche Aufträge - zum Beispiel als Künstler oder Architekt - annahmen und so von dem NS-System profitierten, im Gegensatz zu denen, die sich diesem System nicht andienten, deshalb in die Emigration gingen oder in Kauf nahmen, keine Karriere mehr zu machen bzw. kaum noch finanzielle Einnahmen zu haben.
Ebenso wurden solche Personen aufgenommen, die zum Beispiel vor und während der NS-Zeit den Idealen des Heimatschutzes und der Technik-Kritik anhingen und das NS-Regime dadurch unterstützten, indem sie staatliche Aufträge annahmen, die diesen Idealen entsprachen, da das NS-System solche Strömungen für seine Ideologie vereinnahmte.

Für die Datenbank „Die Dabeigewesenen“ wurden alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens wie Medizin, Justiz, Bildung und Forschung, Verwaltung, Kirche, Fürsorge und Wohlfahrt, Literatur, Theater und Kunst, Wirtschaft, Sport, Polizei und parteipolitische Organisationen berücksichtigt.

„denn wir können (…) das ganze Phänomen des Mitmachens und des Ermöglichens, das ja in der NS-Zeit eine genauso große Rolle gespielt hat, wie die Bereitschaft, selbst aktiver Täter vor Ort zu sein - das alles können wir nur verstehen, wenn wir die verschiedenen Facetten der Täterschaft noch viel genauer betrachten, als das bisher geschehen ist." 2)

In vielen Profilen wird der weitverbreitete Enthusiasmus vieler Deutscher für den Nationalsozialismus, gegenüber „seiner Wirtschafts- und Sozialpolitik, seine Architektur, seine Weltanschauung" 3) etc. deutlich. Und es zeigt sich, dass Menschen das NS-System stützten, indem sie z. B., ohne darüber nachzudenken und ohne zu hinterfragen, bereitwillig moralische und soziale Normen des NS-Staats übernahmen.

Mit Schaffung der „Ausgrenzungsgesellschaft“ war es für die „Mehrheitsgesellschaft“ möglich, u. a. NS-Rassentheorien praktisch umzusetzen.

Diese Erkenntnis ist angesichts heutiger aktueller gesellschafts-politischer Entwicklungen von Bedeutung. In einem Interview zum Thema Fremdenfeindlichkeit bemerkte der Antisemitismusforscher Prof. Dr. Wolfgang Benz auf die Frage, ob aus der Geschichte zu lernen sei. „Wir könnten schon. Wir könnten zum Beispiel lernen, dass der Fremde nicht schuld ist an dem Hass, der ihm widerfährt. Es scheint tatsächlich schwierig zu vermitteln zu sein, dass das Opfer nicht dafür verantwortlich ist, dass es totgeschlagen oder misshandelt wird. Juden werden nicht verfolgt, weil an ihnen etwas ist, was sie zu Opfern macht, sondern weil die Mehrheitsgesellschaft Opfer braucht, und zwar zur eigenen Identitätsstiftung. Zuwanderer, Fremde, Andersgläubige werden ausgegrenzt. Das stärkt das Selbstgefühl der Mehrheit.“ 4)

Mit der Datenbank soll eine Hamburg Topographie der „Dabeigewesenen“ entstehen, um somit konkrete Orte des NS-Geschehens sichtbar zu machen. Deshalb werden auch nur diejenigen Dabeigewesenen aufgenommen, die zwischen 1933 und 1945 in Hamburg mit seinen Grenzen nach 1937 gelebt/gearbeitet haben. Neben Personenprofilen sind auch Adressen von NSDAP-Organisationen und -Einrichtungen zu finden. Darüber hinaus gibt es für einzelne Stadtteile Einträge, die die NS-Aktivitäten im Stadtteil beschreiben. In der Datenbank kann nach Namen, Straßen, Bezirken und Stadtteilen gesucht werden, damit also auch nach den Wohnadressen und/oder Adressen der Arbeitsstätten (soweit recherchierbar). Durch Hinzuziehen der Stolpersteindatenbank (hier sind die Adressen der NS-Opfer aufgenommen, für die bisher Stolpersteine verlegt wurden) und der virtuellen Hamburg-Stadt-Karte (sie verzeichnet die Zwangsarbeiterlager und Firmen, die Zwangsarbeiter beschäftigt haben) wird eindringlich deutlich, wie dicht benachbart Opfer und Dabeigewesene in Hamburg gelebt und gewirkt haben. Mit diesen Informationen ist es immer schwerer, die altbekannte Entschuldigung aufrecht zu erhalten; wir haben doch nichts davon gewusst.

In den vorgestellten Profilen liegt der Fokus auf Handlungen und Einstellungen zum NS-Regime. Privates wird nur erwähnt, wenn es für die Haltung zum NS-Regime von Relevanz ist. Recherchegrundlage für diese Datenbank waren bereits vorhandene wissenschaftliche Veröffentlichungen (z. B. von der KZ-Gedenkstätte Neuengamme und dem Institut für Zeitgeschichte), Biographien, Sammelbände und Dissertationen zu Hamburg im Nationalsozialismus, aber auch in diversen Fällen Entnazifizierungsakten und andere Akten und Dokumente, die im Staatsarchiv Hamburg zur Verfügung stehen. Für die Adressenrecherchen wurden die digitalisierten Hamburger Adressbücher von 1933 bis 1943 der Staats- und Universitätsbibliothek genutzt. Trotz größter Sorgfalt beim Zusammentragen der Daten, ist es dennoch möglich, dass Schreibweisen von Namen variieren und Lebensdaten fehlerhaft sind. In den Profilen und den Beschreibungen der Funktionen sowie des „Wirkens“ des Dabeigewesenen konnte nicht komplett auf das NS-Vokabular – der Sprache der Täter – verzichtet werden, dennoch wurde versucht, diesen Anteil gering zu halten und neutralere Umschreibungen zu finden.
Die meisten der aufgeführten Personen wurden schnell nach Kriegsende durch die Entnazifizierungsstellen als entlastet eingestuft, sie mussten sich selten vor Gericht verantworten oder sie wurden aufgrund von Verjährung ihrer Taten nicht juristisch verurteilt. So stellt Can Bozyakali in seiner Dissertation z. B. zum Sondergericht am Hanseatischen Oberlandesgericht fest, dass auch in Hamburg bis Anfang der 1950er Jahre 63% aller Justizjuristen, die am Sondergericht tätig gewesen waren, wieder in den Justiz-Dienst eingestellt wurden. „[…] anhand dieser Werte [kann] von einer ‚Renazifizierung‘ gesprochen werden.“ 5)

Dr. Rita Bake, Dr. Brigitta Huhnke, Katharina Tenti (Stand: Anfang 2016)

1) Mario Erdheim: „I hab manchmal furchtbare Träume … Man vergißts Gott sei Dank immer glei...“ (Herr Karl), in: Meinrad Ziegler, Waltraut Kannonier-Finster: Österreichisches Gedächtnis. Über Erinnern und Vergessen der NS-Vergangenheit. Wien 1993.
2) Wolfram Wette: Deutschlandfunk-Interview am 20.11.2014, anlässlich seines neuen Buches: „Ehre, wem Ehre gebührt. Täter, Widerständler und Retter - 1933-1945“, Bremen 2015.
3) Raphael Gross: Anständig geblieben. Frankfurt a. M.  2010, S. 17.
4) Wolfgang Benz: „Ich bin schon froh, wenn es nicht schlimmer wird". Der Historiker Wolfgang Benz über die lange Geschichte der Fremdenfeindlichkeit in Deutschland – und was neu ist an den Pegida-Märschen. Interview: Markus Flohr und Gunter Hofmann, in ZEIT online vom 21. Dezember 2015. www.zeit.de/zeit-geschichte/2015/04/wolfgang-benz-pegida-antisemitismus-fremdenfeindlichkeit
5) Can Bozyakali: Das Sondergericht am Hanseatischen Oberlandesgericht: Eine Untersuchung der NS-Sondergerichte unter besonderer Berücksichtigung der Anwendung der Verordnung gegen Volksschädlinge, Frankfurt/ Main 2005, S. 235.

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